Pfarrer von Chiasso: «Appell für eine offene Bischofswahl ist ein Flop»
Die Vorgaben zur Bischofswahl im Bistum Lugano brauchen kein Update. Davon ist Gianfranco Feliciani überzeugt. «Alle Priester können gewählt werden», betont der Pfarrer von Chiasso. Dafür müsse die Klausel betreffend dem Tessiner Bürgerrecht nicht fallen. Über den apostolischen Administrator Alain de Raemy sagt er: «Er ist ein guter und weiser Mensch.»
Regula Pfeifer
«Ich sehe das Problem nicht», sagt Gianfranco Feliciani, Pfarrer von Chiasso. Die Vereinbarung zwischen der Schweiz und dem Heiligen Stuhl ist für ihn kein Stolperstein für mögliche Bischofskandidaten. Insbesondere die vorgeschriebene Tessiner Bürgerschaft nicht. Er selbst stammt ursprünglich aus Bergamo, und liess sich in der Kindheit mit seiner Familie im Tessin nieder.
Den Status Quo im Bistum Lugano findet Feliciani in Ordnung. Einerseits stehe es jedem auswärtigen Priester frei, sich nach einigen Jahren im Tessin einbürgern zu lassen. Und so dank dem Bürgerrecht zum valablen Kandidaten für eine Bischofswahl zu werden. Das habe das Beispiel Pier Giacomo Grampa gezeigt.
«Es ist egal, wenn er nicht den Titel Bischof trägt.»
Gianfranco Feliciani, Pfarrer von Chiasso
Andererseits könne das Bistum auch über Jahre hinweg von einem apostolischen Administrator geleitet werden. So wie das bis vor 1968 der Fall gewesen sei. «Wir hatten gute Administratoren», sagt Feliciani. «Es ist doch egal, wenn er nicht den Titel Bischof trägt.»
Alain de Raemy soll bleiben
Auch Weihbischof Alain de Raemy könnte laut Gianfranco Feliciani weiter im Bistum Lugano wirken. «Er ist ein guter und weiser Mensch», sagt er über den apostolischen Administrator von Lugano. «Ich wäre zufrieden, wenn er bliebe. Das finden viele andere Priester auch.»
Aus all diesen Gründen findet er den Appell für eine offene Bischofswahl unnötig. Der Aufwand für das Prozedere lohne sich nicht. Dieses würde zudem zu lange dauern. «Es braucht mehrere Jahre, um eine solche Klausel zu ändern», sagt Feliciani.
2300 Unterschriften sind «nichts»
Ausserdem zweifelt der Pfarrer an der Repräsentativität des beim Bundesrat eingereichten Appells. Die 2300 Unterschriften bezeichnet er als «nichts» angesichts der gesamten Anzahl Katholikinnen und Katholiken im Südkanton. Im Bistum Lugano leben rund 186’000 (im Jahr 2020) römisch-katholische Gläubige. Angesichts dieser Zahlen ist der Pfarrer überzeugt: Die Mehrheit der katholischen Bevölkerung des Tessin steht auf seiner Seite.
Den Appell haben Carlo Seitz, Luigi Maffezzoli und Maddalena Ermotti Lepori im Januar lanciert. Dieser verlangt, dass die bisherige Klausel betreffend Bischofswahl geändert werden muss. Fortan soll das Tessiner Bürgerrecht keine Bedingung dafür mehr sein. Am 4. April übergaben die Initiantinnen und Initianten die 2300 Unterschriften an den Tessiner Bundesrat Ignazio Cassis und den päpstlichen Nuntius Martin Krebs. Dabei besprachen die Beteiligten das Anliegen.
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