Fabergé-Eier
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«Auch diese Ostereier sind Symbole der Liebe, der Hoffnung und des Friedens»

Für die russischen Zaren stellte Hofjuwelier Fabergé kostbare Schmuckeier her. Die Prunk-Eier sind weltberühmt. Welche Osterbotschaft haben diese russischen Preziosen in Zeiten des russischen Angriffskriegs? Rainer Vollkommer, gläubiger Katholik und Direktor des Liechtensteinischen Landesmuseums, hat eine klare Meinung dazu. In seiner «Schatzkammer» funkeln zahlreiche dieser diamantenen Ovale.

Wolfgang Holz

Der Lichtkontrast ist unglaublich. Während draussen vor der Tür die verschneiten Berge rund um Vaduz in der Märzsonne himmlisch glänzen, ja geradezu blenden, herrscht in der Schatzkammer des Landesmuseums samtiges Dunkel. Doch auch hier strahlt es überirdisch hell.

Riesige Ostereiersammlung

Gold, Silber, Diamanten, Perlen betören das Auge des Betrachtenden. Neben der majestätischen liechtensteinischen Fürstenhaube schimmern in gläsernen Schaukästen einige der faszinierenden Fabergé-Eier aus der riesigen Ostereiersammlung des Museums. 40 dieser russischen Prunk-Eier nennt das Museum sein Eigen – in der insgesamt rund 500 zählenden, riesigen Ostereiersammlung des Museums an russischen Eiern aus der Zarenzeit.

Das "Apfelblütenei" von Fabergé ist 14 Zentimeter lang.
Das "Apfelblütenei" von Fabergé ist 14 Zentimeter lang.

Am grössten Fabergé-Ei, dem 14 Zentimeter langen «Apfelblütenei» ranken sich aus Gold, Diamanten und Email ziselierte Schmuckobstzweige über ein grünes Jadegestein und verleihen dem Oval einen fernöstlichen Touch. Andere, kleinere Fabergé-Eier, die wie die klassischen russischen Holzpuppen eine innere Überraschung bergen, geben etwa den Blick frei auf eine Ikone im Ei.

«Ostereier sind generell in der russischen Tradition Symbole der Liebe, der Hoffnung und des Friedens.»

Rainer Vollkommer, Museumsdirektor

«Manche enthalten ein zusammenklappbares Löffelchen oder etwa Parfüm», erklärt Rainer Vollkommer, Direktor des Liechtensteinischen Landesmuseums. «Für die russisch-orthodoxe Kirche ist Ostern und die Auferstehung das wichtigste Fest im Kirchenjahr», sagt er. «Ostereier sind generell in der russischen Tradition Symbole der Liebe, der Hoffnung und des Friedens.» Das gelte auch für die Fabergé-Eier.

Für den Zaren produziert

Klar, diese Zareneier, von denen es offiziell 52 gibt, sind der totale Luxus. Von Imperator Alexander III. 1885 erstmals bei Hofjuwelier Peter Carl Fabergé (1846-1920) bestellt und seine Gemahlin Marija Fjodorowna an Ostern damit überrascht, wurden diese Oster-Preziosen bis 1916 für den letzten Zaren Nikolaus II.  sowie weitere sieben für die Frau eines russischen Grossindustriellen produziert.

Russische Eier mit russischen Motiven
Russische Eier mit russischen Motiven

Ende des 19. Jahrhunderts machen die Eier Fabergé zum berühmtesten Juwelier seiner Zeit. Ein Fabergé-Ei des russischen Zaren ist bei Christie’s schon für die Rekordsumme von 9,6 Millionen Dollar versteigert worden. Und auch die neuen «Zaren» Russlands wie etwa Oligarch Viktor Vekselberg, der im Kanton Zug wohnt, haben solche Luxuseier erworben. Vekselberg hat sogar sein eigenes Museum in Sankt Petersburg damit bestückt.

Ächtung russischer Kulturgüter

Aber was ist mit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine – hat dieser die Wahrnehmung dieser kulturellen Preziosen getrübt? Schliesslich haben ja schon andere, lebende russische Kulturgrössen, wie etwa Opernsängerin Anna Netrebko, unter der Putin-Aggression zu leiden gehabt. Russische Kultur wird plötzlich nicht so uneingeschränkt bewundernd wahrgenommen.

Fabergé-Ei mit Ikone im Innern
Fabergé-Ei mit Ikone im Innern

«Wir haben im Liechtensteinischen Landesmuseum bislang keine negativen Rückmeldungen zu den Fabergé-Eiern erhalten», sagt Rainer Vollkommer. Es handle sich ja um historische, religiöse Kulturgegenstände – und nicht um Politik.

Russen speziell beworben

Das Museum wirbt auf der Strasse mit Plakaten zur Ostereiersammlung in der «Schatzkammer». Sogar in kyrillischen Buchstaben («Sokrovischtschniza»). Einige russische Besucherinnen machen gerade Selfies vor dem Museum. Rund 60’000 Besuchende verzeichnete das Landesmuseum mit der beeindruckenden Schatzkammer im vergangenen Jahr.

«Ich wünsche mir natürlich so schnell wie möglich Frieden für die Ukraine», versichert Rainer Vollkommer als gläubiger Katholik. Eine konkrete politische Lösung sieht er momentan nicht im Ukraine-Krieg.

«Jede Art von Gewaltausübung stimmt mich traurig».

Rainer Vollkommer

Ob eine militärische Lösung Sinn am Ende Frieden schaffen könne, ist er sich nicht sicher. «Waffen sorgen eben für immer weitere Waffen.» Es könne in der Ukraine deshalb ein jahrelanger Konflikt wie in Afghanistan drohen.

Museumsdirektor Rainer Vollkommer vor der SchatzKammer in Vaduz
Museumsdirektor Rainer Vollkommer vor der SchatzKammer in Vaduz

«Jede Art von Gewaltausübung stimmt mich traurig», sagt er. Und es sei erwiesen, dass Imperialismus und Kolonialismus langfristig politisch sich nicht auszahlten. Dass in Russland keine Demokratie herrsche wie in Westeuropa, erklärt er sich mit der enormen Grösse des Landes – das aus Sicht vieler Russinnen und Russen eben nur mit starker Hand geführt werden könne.

Kulturelle Beziehungen nicht abbrechen

Grundsätzlich warnt Vollkommer davor, kulturelle Beziehungen zu Russland abzubrechen. «Trotz des Kriegs bleibt ein Dostojewskij ein Dostojewskij und ein Chagall ein Chagall», sagt Vollkommer. Gerade über kulturelle Beziehungen liessen sich immer wieder neue Brücken bauen. «Nicht alle Russinnen und Russen sind wegen Putin schlecht.»

Souvernirshopvariante der Fabergé-Eier.
Souvernirshopvariante der Fabergé-Eier.

Der Professor für Archäologie hat sich früher schon einmal überlegt, Theologie zu studieren – räumt er ein und lächelt. In München geboren, interessierte er sich als Jugendlicher bereits sehr früh für Kirchen und war zweimal auf Schülerexkursion im Heiligen Land.

Firmung mit Joseph Ratzinger

Bei der Firmung hat der 63-Jährige, der seit 2011 Direktor des Liechtensteinischen Landesmuseums ist, persönlich den späteren deutschen Papst Benedikt als Erzbischof Joseph Ratzinger erlebt. «Meine Lieblingskirche ist wohl die Quo Vadis-Kirche in Rom.»

«Ostern bedeutet für mich ganz konkret die Auferstehung nach dem Tod», ist der sympathische, gesprächsoffene und nicht zuletzt erfrischend illustre Kulturmensch überzeugt. «Ich hege ganz hoffnungsvoll, ja sogar in einer Art körperlichen Inkarnation, auf ein Weiterleben im Jenseits», sagt er und lächelt.

«Kirchen sind für mich heilige Orte.»

Rainer Vollkommer

«Ich bin sehr religiös, allerdings ein ganz schlechter Kirchgänger», bekennt er weiter. Andererseits würde er stets Kirchen in aller Welt aufsuchen, um dort in aller Stille zu beten. «Kirchen sind für mich heilige Orte.»

Das Liechtensteinische LandesMuseum in Vaduz
Das Liechtensteinische LandesMuseum in Vaduz

Zurück zur prominenten Ostereiersammlung im Liechtensteinischen Landesmuseum. Dass es gerade in Vaduz so viele Eier, unter anderem Fabergé-Eier zu bestaunen gibt, hat mit der imposanten Sammlung Adulf Peter Goops (1921-2011) zu tun.

Goop-Sammlung

Dieser Liechtensteiner trug seit 1985 rund 4’000 Ostereier aus aller Welt zusammen. Gerade die Fabergé-Sammlung gilt als beste Zusammenstellung ausserhalb Russlands. Goop stammte aus einer bäuerlichen Familie aus Schellenberg und arbeitete sich zum Rechtsberater und Treuhänder empor.

Fabergé-Eier im Liechtensteinischen Landesmuseum
Fabergé-Eier im Liechtensteinischen Landesmuseum

Goop hatte sich nach dem Krieg um russische Flüchtlinge in Liechtenstein gekümmert und ihnen zu Ostern 500 rote Eier geschenkt. Rainer Vollkommer sagt dazu: «Das war für ihn ein starkes emotionales Erlebnis, das ihn geprägt und möglicherweise für seine spätere Sammlung inspiriert hat.»


Fabergé-Eier | © Wolfgang Holz
8. April 2023 | 13:00
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