Vatikanprozess: Angeklagter Kardinal beschwert sich bei Papst
Kardinal Giovanni Becciu wirft Papst Franziskus vor, im Vatikan-Finanzprozess nicht neutral zu sein. Weil er sich mit einer Frau getroffen hat, die im Prozess um eine Londoner Immobilie gegen Becciu als Zeugin auftrat.
Auch im neuen Jahr geht der Vatikan-Finanzprozess turbulent weiter. Am 44. Tag vor Gericht am Freitag beschwerte sich der angeklagte Kardinal Giovanni Becciu etwa über ein Treffen des Papstes mit Francesca Chaouqui. Sie selbst war 2016 in einem vatikanischen Strafprozess um unerlaubte Informationsweitergabe zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Im aktuellen Prozess rund um die verlustreiche Investition in eine Londoner Immobilie und mögliche damit verbundene Straftaten, trat Chaouqui als Zeugin auf.
Chaouqui war Mitglied in Wirtschaftskommission
Sie war 2013 von Papst Franziskus zum Mitglied der vatikanischen Wirtschaftskommission «Cosea» berufen worden. Laut einem Bericht der Zeitung «La Stampa» vom Samstag erzählte sie vor Gericht nun von den Schwierigkeiten, den Widerstand des Staatssekretariats gegen Wirtschaftskontrollen zu überwinden. Sie hätten weder Erfolg mit Cosea gehabt, noch mit Kardinal Pell und dem Wirtschaftssekretariat, darum hätte sie sich an die Justiz gewandt. Weiter habe sie in stetem Kontakt mit dem Papst gestanden.
Vorwurf der Rache
Den neben neun anderen Personen angeklagten Kardinal Becciu beschuldigte sie, massgeblich an ihrer damaligen Verhaftung im Rahmen von Vatileaks 2.0 beteiligt gewesen zu sein. Dies wies der ehemalige zweite Mann im vatikanischen Staatssekretariat in einer spontanen Erklärung zurück. Stattdessen beschuldigte er wiederum Chaouqui, sich an ihm rächen zu wollen.
Papst traf sich mit Chaouqui
In diesem Rahmen verlas er auch den Brief, den er Franziskus nach dessen Treffen mit Chaouqui im August 2022 zukommen liess. Der Papst hatte nach einer Generalaudienz kurz mit der Italienerin gesprochen. In dem Schreiben, das dem CIC vorliegt, beschuldigte der Kardinal Franziskus seine «viel beschworene Verpflichtung zur Neutralität in diesem Prozess» gebrochen zu haben.
Mit dem Treffen habe er sich «mit ihr solidarisch gezeigt und ihre anklagenden Thesen gegen mich indirekt unterstützt». Nun werde sie «noch mehr Kraft gewinnen, um mich mit allen satanischen Mitteln, zu denen sie fähig ist, weiter zu demontieren».
Papst entschuldigt sich
Franziskus entschuldigte sich in seiner Antwort für den Fall, dass Becciu diese «Geste der Begrüssung» verletzt haben könnte. Das «Abenteuer» dieser Dame habe er fast vergessen. Er habe nicht einmal gewusst, dass sie an dem Verfahren beteiligt sei und werde darauf auch nicht näher eingehen. Er habe die Angewohnheit «schlechte Dinge» zu vergessen, so der Papst. – Die nächste Anhörung ist für den 26. Januar angesetzt. (cic)
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