Brigadier Markus Näf
Schweiz

«Beten wir für Frieden und Versöhnung»: Wie sich die Schweiz am deutschen Volkstrauertag beteiligt

Zwei Wochen vor dem ersten Advent ist in Deutschland Volkstrauertag. Der deutsche Botschafter in Bern, Michael Flügger, gedenkt am Sonntag auf dem Zürcher Sihlfeld-Friedhof der Toten der beiden Weltkriege. Mit dabei von der Schweizer Armee: Brigadier Markus Näf.

Raphael Rauch

Am Volkstrauertag gedenken die Menschen in Deutschland der Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus. Seit Anfang der 1950er-Jahre ist der Volkstrauertag immer 14 Tage vor dem ersten Advent – dieses Jahr also am 13. November. Der Tag soll zu Versöhnung, Verständigung und Frieden mahnen und auch Opfer von anderen Kriegen und Verfolgung in den Blick nehmen.

Kranzniederlegung am Sonntag

Am Sonntag lädt der deutsche Botschafter in Bern, Michael Flügger, zu einer Gedenkveranstaltung auf den Zürcher Sihlfeld-Friedhof ein. Um 11 Uhr ist eine Kranzniederlegung am Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Deutschen.

Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Deutschen, Friedhof Sihlfeld Zürich
Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Deutschen, Friedhof Sihlfeld Zürich

Das Mahnmal befindet sich links neben dem Haupteingang des Friedhofs an der Aemtlerstrasse. Anschliessend geht’s zur Abdankungshalle des Friedhofs. Das Militärspiel Uster eröffnet die Gedenkveranstaltung. Danach folgt ein Grusswort des Botschafters.

Schweizer Armee mit dabei

Martin Rabensteiner, der künftige Organist am Neumünster in Zürich, spielt Orgel. Es folgt eine Gedenkrede des Schweizer Militärhistorikers Jürg Stüssi-Lauterburg. Er ist Constaffelherr der Gesellschaft zur Constaffel in Zürich. Am Ende gibt’s einen Apéro.

Detailaufnahme des Mahnmals
Detailaufnahme des Mahnmals

Auch die offizielle Schweiz ist bei der Gedenkveranstaltung vertreten. «Es ist Usanz, dass die Schweiz mit der Schweizer Armee solche Gedenkanlässe mit logistischen Dienstleistungen unterstützt», sagt Armee-Sprecher Daniel Reist zu kath.ch.

Im Angesicht des Krieges

«Die Schweiz will dabei zum Ausdruck bringen, dass sie Anteil nimmt am Leid, das in der Welt geschieht und geschehen ist – und zwar über alle Staatsgrenzen hinweg. Sie gedenkt aller Opfer aller Konflikte.»

Das Kreuz auf der Uniform: Zeichen der Armeeseelsorge
Das Kreuz auf der Uniform: Zeichen der Armeeseelsorge

Brigadier Markus Näf wird für die Schweiz einen Kranz niederlegen. «Das Gedenken an die Opfer von Gewalt und Krieg ist im Angesicht des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wichtiger denn je. Die Trauer und das angerichtete Leid machen einen sprachlos und ohnmächtig», sagt Markus Näf zu kath.ch.

Kampf für die Freiheit

«Es gilt dieser aggressiven, menschenverachtenden Machtpolitik entgegenzutreten und für eine freiheitlich-zivilisierte Weltordnung zu kämpfen», betont der Brigadier. Nur so seien die Opfer nicht sinnlos. «Unsere Trauer, unser Mitgefühl aber auch unser Dank gilt allen, die diesen Kampf mit grossen Opfern oder ihrem Leben bezahlt haben. Beten wir für Frieden und Versöhnung.»

Grabstein Schutzsuchende auf dem Friedhof Sihlfeld.
Grabstein Schutzsuchende auf dem Friedhof Sihlfeld.

Der Organist Martin Rabensteiner stammt aus Südtirol – einer Region, die in zwei Weltkriegen ebenfalls zur Zielscheibe der Geopolitik wurde. Wie lässt dich die Friedensbotschaft musikalisch übersetzen?

Stück voller Seufzer

«Zu Beginn erklingt Bachs Fantasie c-Moll BWV 537/1. Das ist ein getragenes Stück voller Seufzer und expressiver Dissonanzen», sagt Martin Rabensteiner zu kath.ch. «Es folgt Paul Müller-Zürichs Präludium und Fuge e-Moll, das durch seine etwas nüchterne Art der Neuen Sachlichkeit nahesteht.

Martin Rabensteiner, der künftige Organist am Neumünster in Zürich, spielt Orgel.
Martin Rabensteiner, der künftige Organist am Neumünster in Zürich, spielt Orgel.

Ruhig fliessend entfaltet es eine nachdenkliche Stimmung, die in der Fuge in eine leidenschaftliche Forte-Klimax mündet, die aber wieder in die Anfangsstimmung des Beginns zurückfindet.» Am Schluss des Programms erklinge Louis Viernes «Meditation».

Dies sei «ein durch und durch romantisches Tonstück, das nach all der Trauer und Nachdenklichkeit einen hoffnungsvollen Abschluss setzt». Und die Sehnsucht nach Frieden zum Klingen bringt.


Brigadier Markus Näf | © zVg
12. November 2022 | 18:13
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