Der Kirchenrechtler Wolfgang F. Rothe vertritt den Missbrauchsbetroffenen Joseph Henfling.
Namenstag

«Whisky-Vikar» Rothe: «Mit dem Modenamen Wolfgang kann ich nicht viel anfangen»

Wolfgang F. Rothe hat heute Namenstag. Mit seinem Vornamen kann er aber wenig anfangen: «Er ist mir zu kriegerisch.» Den Spitznamen «Whisky-Vikar» schätzt er hingegen. Sein Lieblingsheiliger ist der heilige Koloman, der auf einer Pilgerreise ins Heilige Land aufgrund seines Andersseins ermordet wurde.

Raphael Rauch

Warum haben Sie Ihre Eltern Wolfgang genannt?

Wolfgang F. Rothe*: Wolfgang war zu der Zeit, als ich geboren wurde, schlichtweg modern. Darum ist mein Name auch eine Art Alterserscheinung: Fast alle Wolfgangs sind in etwa so alt wie ich oder ein paar Jahre älter.

Der Priester Wolfgang F. Rothe (Mitte) solidarisiert sich mit "Maria 2.0".
Der Priester Wolfgang F. Rothe (Mitte) solidarisiert sich mit "Maria 2.0".

Gefällt Ihnen Ihr Name – und warum?

Rothe: Weil Wolfgang ein Modename war, habe ich mit meinem Namen immer schon ein wenig gehadert. Mein Lieblingsheiliger ist der heilige Koloman: Er stammte aus Schottland und wurde auf einer Pilgerreise ins Heilige Land in der Nähe von Wien aufgrund seines Andersseins ermordet.

Heiliger Koloman
Heiliger Koloman

Welche Parallelen sehen Sie zwischen Ihrem Schwulsein und Kolomans Anderssein?

Rothe: Als ich seinerzeit als «schwule Sau» durch die österreichische Öffentlichkeit gejagt wurde, habe ich ganz gut nachempfinden können, wie sich der heilige Koloman gefühlt haben mag.

«Aufgrund meiner Liebe zum schottischem Whisky werde ich auch Whisky-Vikar genannt.»

Haben Sie einen Spitznamen?

Rothe: Nein. Mitunter werde ich aufgrund meiner Liebe zu Schottland und schottischem Whisky auch «Whisky-Vikar» genannt.

Wie hätten Sie geheissen, wenn Sie ein Mädchen geworden wären?

Rothe: Das weiss ich nicht. Vielleicht Elisabeth? Ich wurde nämlich direkt neben der Grabeskirche der heiligen Elisabeth in Marburg geboren.

Sie heissen Wolfgang F. Rothe. Wofür steht F. – und was bedeutet Ihnen Ihr zweiter Vorname?

Rothe: Das F. steht für Friedrich. So heisst auch mein Vater mit Zweitnamen. Ich lege grossen Wert auf das F., denn Wolfgang und Rothe heissen viele. Einen Wolfgang F. Rothe gibt es meines Wissens aber nur einmal.

Wolfgang bedeutet so viel wie: «der mit dem Wolf in den Kampf geht». Was sagt Ihnen diese Bedeutung?

Rothe: Auch das ist ein Grund, warum ich den Namen nicht so mag: Er ist mir zu kriegerisch.

Mit wem würden Sie gerne in den Nahkampf gehen – und erledigen?

Rothe: Ich möchte niemanden erledigen. Jede und jeder soll seinen Platz haben und so leben können wie sie oder er mag, sofern dadurch niemand anderem etwas abgeht.

«Nomen est omen» – was bedeutet das mit Blick auf Ihren Namen?

Rothe: Das können andere sicher besser beurteilen als ich.

Mögen Sie Wölfe?

Rothe: Ich bin noch keinem begegnet. Insofern habe ich mir auch noch keine Meinung dazu gebildet.

In den Alpenländern gibt es heftige Debatten über die Wiederansiedlung des Wolfs. Sind Sie pro Wolf oder pro Abschuss?

Rothe: Auch dazu habe ich mir noch keine Meinung gebildet. Das können andere, insbesondere diejenigen, die in irgendeiner Weise mit Wölfen zu tun haben, gewiss besser beurteilen.

Was verbindet Sie mit dem heiligen Wolfgang?

Rothe: Der Name.

Goldener Reliquienschrein des heiligen Wolfgang im Dom Sankt Peter in Regensburg.
Goldener Reliquienschrein des heiligen Wolfgang im Dom Sankt Peter in Regensburg.

Sonst nichts?

Rothe: Der heilige Wolfgang wird es mir hoffentlich nachsehen…

Wie feiern Sie Namenstag?

Rothe: Indem ich es mir verkneife, allen, die mir zum Namenstag gratulieren, zu erklären, warum ich mit meinem Namen eigentlich gar nichts anfangen kann.

«Immerhin durfte ich in Österreich den heiligen Koloman kennenlernen.»

Sie lebten früher in Österreich. War da der Namenstag wichtiger?

Rothe: Auch in Österreich war und ist der Geburtstag auf dem Vormarsch. Aber immerhin durfte ich in Österreich den heiligen Koloman kennenlernen. Und als ich ihm ausgerechnet in München wieder begegnet bin, habe ich mir gedacht: Der versteht mich und meint es gut mit mir! Die Pfarrkirche des Stadtteils, in dem ich wohne und als Priester tätig bin, hat den heiligen Koloman als zweiten Patron.

Luther-Denkmal in Worms
Luther-Denkmal in Worms

Was bedeutet Ihnen der heutige Reformationstag?

Rothe: Einerseits erinnert er daran, dass sich die Kirche beständig reformieren muss, um nicht irgendwann in der Vergangenheit zu versinken, andererseits mahnt er dazu, nicht denjenigen das Wort zu überlassen, die Spaltungen herbeireden oder bewusst herbeiführen möchten, um sich so der zweifellos mitunter mühsamen Auseinandersetzung mit Andersdenkenden entziehen zu können.

* Wolfgang F. Rothe (55) war früher Priester des Bistums St. Pölten in Österreich. Später wechselte der Kirchenrechtler nach München. Der offen schwul lebende Priester kritisiert regelmässig Sexualmoral, Vertuschung und Machtmechanismen in der katholischen Kirche. Rothe hat auch zur Spiritualität des Whiskyspubliziert.


Der Kirchenrechtler Wolfgang F. Rothe vertritt den Missbrauchsbetroffenen Joseph Henfling. | © zVg
31. Oktober 2022 | 07:42
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