Strafprozess um den Finanzskandal im Staatssekretariat vor dem vatikanischen Strafgericht am 27. Juli 2021.
Vatikan

Vatikan-Strafprozess: Was ist mit der Provision von 1 Million?

Der Strafprozess zum vatikanischen Finanzskandal ist nach mehrmonatiger Pause am Mittwoch fortgesetzt worden. Mehrere Stunden lang wurde der ehemalige Vatikanmitarbeiter Fabrizio Tirabassi befragt. Er war im Staatssekretariat für Investitionen zuständig.

Im Auftrag seiner Vorgesetzten wickelte Tirabassi Geschäfte mit externen Finanzmaklern ab. 2019 wurde er nach einer Razzia suspendiert.

Provision von über einer Million Euro

In der Befragung ging es auch um eine Art Provision, die Tirabassi von der Schweizer Bank UBS für das Vermitteln der vatikanischen Investmentfond an die Bank erhielt. Diese sei Tirabassi in den Jahren 2004 bis 2009 gezahlt worden.

Insgesamt sei dadurch, wie aus einem Dokument hervorgeht, eine zusätzliche Summe von rund 1,36 Millionen Euro zusammengekommen. Auch eine Sammlung an Münzen, die in einem Haus seines Vaters gefunden wurden, kam bei der Befragung zur Sprache.

Straftaten rund um Erwerb Londoner Immobilie

Im Kern geht es in dem Prozess um mögliche Straftaten beim Erwerb einer Londoner Immobilie. Hierbei sollen Medienberichten zufolge auch Spenden aus der päpstlichen Sammlung «Peterspfennig» benutzt worden sein. Die Immobilie hat der Vatikan inzwischen mit einem Verlust von rund 130 Millionen Euro verkauft. Im Fall des angeklagten Kardinals Giovanni Angelo Becciu werden im Prozess zudem Geldüberweisungen in seine Heimatdiözese auf Sardinien behandelt.

Prominentester Angeklagter des Prozesses ist der sardische Kardinal Becciu. Neben ihm sitzen neun weitere Ex-Mitarbeiter oder vom Vatikan zwischenzeitlich beauftragte Personen auf der Anklagebank. Die Vorwürfe gegen die zehn Personen reichen von Unterschlagung, Korruption, Erpressung, Geldwäsche, Betrug über Amtsmissbrauch und Urkundenfälschung.

Alberto Perlasca: vom Zeugen zum Geschädigten

Der in der Anfangsphase des Prozesses zentrale Zeuge Alberto Perlasca wird inzwischen vom Gericht als geschädigte Partei aufgeführt. Auf der zu befragenden Zeugenliste wird er nach derzeitigem Stand nicht geführt. Perlasca ist ehemaliger Verwaltungsleiter des Staatssekretariats.

Streit um seine Befragungen und deren teils fehlende Dokumentation hatten den Beginn der Verhandlungen im Sommer 2021 über Wochen verzögert. Zeitweise hatte die Strafverfolgung die Anklageschrift zurückgenommen, um sie zu überarbeiten.

Neun Gerichtstermine bis Ende Oktober

Bis Ende Oktober sind noch neun Gerichtstermine angesetzt. Am Donnerstag geht es mit der abschliessenden Befragung des Mailänder Rechtsanwalts Nicola Squillace, ebenfalls Angeklagter, weiter. Im Anschluss sollen erste Zeugen befragt werden. (cic)


Strafprozess um den Finanzskandal im Staatssekretariat vor dem vatikanischen Strafgericht am 27. Juli 2021. | © KNA
29. September 2022 | 12:20
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