Ivan Šarić an der Messe zum 100-Jahr-Jubiläum der Ex-Gardisten
Schweiz

Ex-Gardist und Diakon: Ivan Šarić tritt an Ex-Gardisten-Messe auf

Der frisch geweihte Diakon Ivan Šarić (31) hat am Sonntag erstmals an einem Gottesdienst mitgewirkt: an der Messe zur 100-Jahr-Feier der Vereinigung der Ex-Gardisten. Bischof Markus Büchel zeigte sich erfreut.

Regula Pfeifer

«Aus einem Schweizergardisten kann über den Diakon ein Priester werden», sagt der St. Galler Bischof Markus Büchel in der Messe vom Sonntagmorgen in Appenzell, die live übertragen wird.

Büchel hält die Predigt zur 100-Jahr-Feier der Vereinigung der Ex-Schweizergardisten. Dabei erwähnt der Bischof, dass er Ivan Šarić am Vortag zum Diakon geweiht hat und dieser früher auch bei der Schweizergarde diente. Dass Šarić auf dem Weg ins Priesteramt sei, «das ist eine Herzensangelegenheit für mich als Bischof», gibt er seiner Freude Ausdruck.

Ivan Šarić an der Messe zum 100-Jahr-Jubiläum der Ex-Gardisten
Ivan Šarić an der Messe zum 100-Jahr-Jubiläum der Ex-Gardisten

Ivan Šarić hat eben mit Singstimme aus dem Evangelium vorgelesen. Und zuvor den Ambo mit Weihrauch beräuchert. Während der gesamten Messe feiert er mit den anderen Geistlichen im Chor von St. Mauritius Appenzell mit.

Diakonenweihe im Bistum St. Gallen: Ivan Šarić (l.) und Kletus Hutter liegen neben dem Altar, Mai 2022
Diakonenweihe im Bistum St. Gallen: Ivan Šarić (l.) und Kletus Hutter liegen neben dem Altar, Mai 2022

Vom Gardisten zum Diakon

Ivan Šarić (31) ist Seelsorger in Berufseinführung in der Seelsorgeeinheit St. Gallen West-Gaiserwald. Der junge Mann ist ein «kirchlicher Quereinsteiger», heisst es in der Mitteilung des Bistums. Ursprünglich sei er Polymechaniker. Geboren und aufgewachsen ist Ivan Šarić in Wil SG, seine Eltern stammen aus Kroatien. Schon mit 20 Jahren dachte er darüber nach, Priester zu werden. Während seines Dienstes in der päpstlichen Schweizergarde in Rom von 2012 bis 2015 sei dieser Wunsch gereift, heisst es. Allerdings habe er sich während des Theologiestudiums im Priesterseminar St. Lambert im deutschen Lantershofen sich in eine Frau verliebt, wie Ivan Šarić in einem Pfarreiforum-Beitrag sagte. Doch dann habe er sich für den Zölibat entschieden. Dienen, für andere da zu sein, sieht Ivan Šarić als seine Aufgabe. «Zudem mag ich die Verbindung zwischen Himmel und Erde, die diese Aufgabe mit sich bringt», sagt er gemäss Mitteilung.

Der Dienst als Schweizergardist sei ein Privileg, betont Bischof Markus Büchel mehrmals in seiner Predigt. In der Begegnung mit den Ex-Gardisten an diesem Wochenende habe er das mehrfach gehört. Und jeder habe persönliche Erlebnisse an seine Zeit im Vatikan. An die Ex-Gardisten gewandt, sagt Büchel: «Durch Ihre Begegnungen mit dem Papst wird erlebte Papstgeschichte geschrieben.»

Bischof Markus Büchel spricht vom Privileg, Gardist und Christ zu sein.
Bischof Markus Büchel spricht vom Privileg, Gardist und Christ zu sein.

Der St. Galler Bischof zeigt sich überzeugt: «In den Jahren im Vatikan hat bei jedem eine intensive Auseinandersetzung mit dem Glauben stattgefunden.» Der Aufruf Jesu, «folge mir nach», fordere eine persönliche Entscheidung. Die Entscheidung, als Christ zu leben.

Christsein kann zu Ablehnung führen

Das sei heute anders als früher, als der Glaube noch selbstverständlich gelebt wurde. Heute entspreche das Christsein nicht mehr dem Mainstream. «Christinnen und Christen machen heute oft die Erfahrung, abgelehnt zu werden.» Darauf gelte es gemäss Evangelium gewaltlos und selbstbewusst zu reagieren.

Nicht nur der Gardedienst sei ein Privileg, findet der St. Galler Bischof: «Auch das Christsein ist ein Privileg.» Um das zu vertiefen, empfiehlt der St. Galler Bischof die päpstlichen Schreiben «Fratelli tutti» und «Laudato si» zur Sommerlektüre.

Die drei Hauptzelebranten: Bischof Markus Büchel, Nuntius Martin Krebs und Abt Vigeli Monn
Die drei Hauptzelebranten: Bischof Markus Büchel, Nuntius Martin Krebs und Abt Vigeli Monn

Abt von Disentis ist Ex-Gardist

Dem Gottesdienst für die Ex-Gardisten steht Nuntius Martin Krebs vor. An der Wandlung prominent beteiligt ist – neben Krebs und Büchel – auch Vigeli Monn. Der Abt des Klosters Disentis hat früher auch in der Schweizergarde gedient, ist in der Messe zu erfahren.

Rund 25 Ex-Gardisten posieren in der barocken Kirche St. Mauritius in Uniform vor und im Chor. Auch der aktuelle Kaplan der Schweizergarde, Kolumban Reichlin ist da, unter den Gästen. Bischof Büchel grüsst ihn besonders.

Und ein spezielles Grusswort kommt zur Sprache: Nuntius Krebs liest aus dem Brief von Papst Franziskus an die Vereinigung der Ex-Gardisten vor.

«Ich möchte danken für all das Gute, das Sie getan haben.»

Papst Franziskus im Brief an die Ex-Gardisten
Nuntius Martin Krebs liest den Brief von Papst Franziskus vor.
Nuntius Martin Krebs liest den Brief von Papst Franziskus vor.

«Ich möchte Sie und Ihre Familien grüssen und danken für all das Gute, das Sie getan haben», schreibt dieser im Brief vom 4. Juni. Zwar habe er die Ex-Gardisten wohl nicht persönlich erlebt, da sie früheren Päpsten dienten. Doch in seinen aktuellen Begegnungen mit den Gardisten bemerke er «die Hingabe und den Stolz, mit dem Sie Ihren Dienst verrichten.»

Im Sinne des Ausspruchs «einmal Gardist, immer Gardist» dankte der Papst den Ex-Gardisten dafür, «dass Sie das Interesse an diesem Dienst hochhalten.» Ebenso dankte er den Familien der Gardisten, welche die Entscheidung mittrügen. Zum Schluss merkte der Kirchenführer einmal mehr an: «Und bitte vergessen Sie nicht, für mich zu beten.» Und er zeichnete mit «Franziskus».


Ivan Šarić an der Messe zum 100-Jahr-Jubiläum der Ex-Gardisten | © Silvan Hohl
26. Juni 2022 | 14:12
Lesezeit : ca. 3  Min.
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