Das Volk betet vor der Kathedrale St. Nicolas gemeinsam mit Bischof Charles Morerod.
Schweiz

Rosenblätter, Salutschüsse und Weihrauch am Freiburger Fronleichnamsfest

Fronleichnam in Freiburg ist noch immer ein grosses Volksfest. Die halbe Stadt ist auf den Beinen, wenn Charles Morerod die Monstranz durch die Strassen trägt. Begleitet wird der Bischof von vielen Formationen mit selten gesehenen Uniformen.

Vera Rüttimann

Ein herrlicher Sommertag kündigt sich an, als sich die Besucherinnen und Besucher zum Gottesdienst im Hof des Kollegiums St. Michael einfinden. Diese Stadt hat seit je her ein pulsierendes Vereinsleben. Überall wird musiziert und gesungen. So wird der Gottesdienst musikalisch gleich von zwei Musikcorps begleitet. In den Bänken sitzen all die Formationen, die bei der anschliessenden Prozession mitmarschieren. Viele Gottesdienstbesucherinnen und -besucher stehen oder sitzen auf mitgebrachten Klappstühlen im Gras.

Blick auf den Altar im Hof des Kollegiums St. Michael
Blick auf den Altar im Hof des Kollegiums St. Michael

Es hat etwas von einer Freilichttheater-Aufführung. Das Auge weiss nicht, wo es hinsehen soll ob all der unzähligen Fahnen, Hüten und reich verzierten farbigen Gewänder. Und doch geht es vielen  um mehr: Um die Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie. Als Charles Morerod, Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, die Monstranz hochhält, fällt der erste Salutschuss.

Jeder Griff und jeder Schritt sitzen

Alle Formationen versammeln sich nach dem Gottesdienst in der Joseph-Piller Strasse. Alles muss jetzt schnell gehen, jeder Griff muss sitzen. So bauen Helfer zwischen Baustellenwänden mit flinken Händen den Baldachin für den Bischof auf. Der Gast von aussen staunt: Jedes Mitglied in diesem Prozessionszug weiss, wo sein Platz ist.

Der Baldachin wird zwischen Baustellenwänden aufgebaut.
Der Baldachin wird zwischen Baustellenwänden aufgebaut.

Mit einem Salutschuss setzen sich die verschiedenen Formationen in Bewegung Richtung Universität. An der Spitze des Zuges tragen Ministranten mit ihrem violetten Untergewand das prächtige Kreuz der Pfarrei St. Niklaus und Akolythen. In der Gruppe 1 folgen Formationen wie die Musikgesellschaft «Union instrumentale», Delegationen der Studentenverbindungen des Kollegiums St. Michael und der Universität. Stolz tragen sie ihre feschen und gut gepflegten Uniformen. Hinter ihnen folgen die Mitglieder des Rektorates der Universität Freiburg.

Grabritter in wallenden Gewändern

Ein besonderer Eyecatcher sind auch die Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem in ihren weissen und wallenden Gewänder. Hinter ihnen folgen die Pfadfinder des Malteser Hospitaldienstes Schweiz und Trachtengruppen.

Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem
Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem

Alle Formationen marschieren nun die Spitalgasse hinunter. Viele Menschen säumen die Strasse. Dort gib es auch die Gruppe 2 zu bestaunen, wo Formationen wie die Musikgesellschaft «Landwehr», Erstkommunionkinder, Ordensgemeinschaften sowie eine grosse Zahl an Ministrantinnen und Ministranten mitlaufen.  Obwohl: Hört man sich unter Freiburgern um, wird immer wieder konstatiert, dass die Prozession früher dreimal so lang gewesen sei.

Der Tross mit Bischof Charles Morerod mit Baldachin 
auf der Routes des Alpes
Der Tross mit Bischof Charles Morerod mit Baldachin auf der Routes des Alpes

Riesige Monstranz

Ein besonderes Schauspiel präsentiert die Gruppe, die den Baldachin trägt, unter dem Bischof Charles Morerod geht. Fest umklammert er mit seinen Händen die riesige und reich verzierte Monstranz. Sein Kopf ist kaum zu erkennen, so als wolle er sich schützen vor den vielen Menschen mit ihren Handykameras. Moredod ist ganz in sich versunken. Ihn begleiten Priester, Schweizergardisten und Mitglieder des Domkapitel St. Niklaus.

Ministrantinnen verteilen auf der Routes des Alpes Rosenblätter.
Ministrantinnen verteilen auf der Routes des Alpes Rosenblätter.

Alle Gruppen finden sich auf dem Georges-Python-Platz ein. Unter dem wie ein Café-Haus im Grünen daherkommenden Gebäude ist ein Altar aufgebaut. Erneut wird die Monstranz gezeigt. Wieder fallen Salutschüsse. Mittlerweile ist auch die Gruppe 4 eingetroffen, zu der unter anderem die Musikgesellschaft «La Concordia», eine Delegation der Gendarmerie, Mitglieder des Staatsrates und der Exekutivrat der Kantonalen Kirchlichen Körperschaft gehören. Den Schluss des Zuges bilden Fahnen der Marianischen Kongregation der Liebfrauenkirche.

Rosenblätter und Weihrauch

Weiter geht die Prozession durch die Route des Alpes. Die Fotografen haben sich auf einer erhöhten Treppe positioniert. Sie linsen auf die Gruppe junger Ministrantinnen, die Rosenblätter auf die Strasse werfen. Im Fokus halten sie auch die jungen Pfadfinder, die wild das Weihrauchfass schwingend, für einen wohlriechenden Nebel sorgen. Der Katholizismus, er geht immer wieder auch durch die Nase.

Bischof Charles Morerod vor der Kathedrale St. Nikolaus.
Bischof Charles Morerod vor der Kathedrale St. Nikolaus.

Letzter Salutschuss bei der Kathedrale

Der Prozessionsumzug steuert nun durch die St. Niklausgasse auf die Kathedrale zu, vorbei am Café du Gotard, am Café des Arcades und der Franziskanerkirche. Das Volk strömt nun zur Kathedrale, wo sich auch die uniformierten Formationen zum Schlusssegen einfinden.

Mann kniet auf der Strasse vor der Kathedrale beim Segen durch den Bischof.
Mann kniet auf der Strasse vor der Kathedrale beim Segen durch den Bischof.

Viele Leute knien, während Bischof Charles Moredod die Monstranz am aufgebauten Altar noch einmal hochhält. Zum letzten Mal fallen Salutschüsse. Die Teilnehmenden der Prozession versammeln sich anschliessend auf dem Platz vor dem Restaurant Punkt zum grossen Apéro mit Weisswein und Brötchen. Selten sind sich Kirche, Staat und Volk so nahe wie an diesem Tag.


Das Volk betet vor der Kathedrale St. Nicolas gemeinsam mit Bischof Charles Morerod. | © Vera Rüttimann
17. Juni 2022 | 13:17
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