Papst Franziskus feiert 2019 eine Messe mit der Seligsprechung von sieben rumänischen Märtyrern in Blaj (Rumänien)
Schweiz

Diese Schweizer Seligen könnten irgendwann heiliggesprochen werden

Der Schweizer Friedensstifter und Eremit Niklaus von Flüe ist vor 75 Jahren heiliggesprochen worden. Bei anderen Seligen* in der Schweiz steht die höchste Anerkennung durch die katholische Kirche noch aus. kath.ch hat sich auf Spurensuche gemacht.

Barbara Ludwig

Abt von Disentis: Adalgott

Adalgott war zu Beginn des 11. Jahrhunderts Abt des Benediktinerklosters Disentis, zuvor Mönch in Einsiedeln.

In Paris von Revolutionären ermordet: Apollinaris Morel

Apollinaris Morel wurde 1739 in einem Dorf unweit von Freiburg i.U. geboren. Der Kapuziner wirkte nach seiner Priesterweihe als Seelsorger in verschiedenen Klöstern in der Romandie und der Deutschschweiz. Von 1785 bis 1788 war Apollinaris Morell Präfekt am Kapuzinerkollegium in Stans NW. Anschliessend ging der Kapuziner nach Paris, um sich für einen Missionseinsatz in Syrien ausbilden zu lassen. Dort arbeitete er als Seelsorger am Priesterseminar Saint-Sulpice. Nach Syrien schaffte er es nicht mehr: Die Französische Revolution machte ihm einen Strich durch die Rechnung.

Apollinaris Morel, Ausschnitt aus einem Gemälde
Apollinaris Morel, Ausschnitt aus einem Gemälde

Apollinaris Morel wurde zunächst im ehemaligen Pariser Karmeliterkloster eingesperrt, das zum Gefängnis umfunktioniert worden war. Er und weitere dort inhaftierte Priester hatten sich geweigert, die «Constitution civile du clergé» zu unterzeichnen, mit dem die Kirche ins neue politische System eingegliedert werden sollte. 1792 wurden die Gegner der Revolution bei den September-Massakern ermordet, darunter auch der Kapuziner aus der Schweiz. Apollinaris Morel wurde 1926 seliggesprochen.

Pendeln zwischen Einsiedeln und Metz: Benno

Benno, Spross einer schwäbischen Adelsfamilie, war Domherr in Strassburg, bevor er sich nach 900 als Eremit in Einsiedeln niederliess – bei der Zelle des 861 ermordeten Meinrad. Später war Benno für kurze Zeit Bischof von Metz. Eingesetzt hatte ihn König Heinrich I. 927 aus politischen Gründen. Das Amt brachte ihm kein Glück. Von Gegner des Königs wurde er geblendet und kehrte 929 zur Einsiedelei bei der Meinradszelle zurück. Dort plante er mit Gleichgesinnten die Errichtung eines Klosters. Ausgeführt wurde das Vorhaben von seinem Verwandten Eberhard, Dompropst von Strassburg, der 934 eine Klostergemeinschaft nach der Benediktsregel gründete. So entstand der erste Konvent von Einsiedeln. Benno starb 940.

Vom Rheintal nach Kolumbien: Charitas Brader

Charitas Brader wurde 1860 in Kaltbrunn im Kanton St. Gallen geboren. Mit 20 trat sie ins Kapuzinerinnenkloster Maria Hilf in Altstätten ein. Die junge Frau hatte bei den Kapuzinerinnen und weiteren Klöstern in Sarnen OW und Freiburg i.Ü. eine gute Allgemeinbildung erhalten. 1888, noch keine 30 Jahre alt, zog sie mit sechs Mitschwestern nach Südamerika. Zunächst nach Ecuador, dann nach Kolumbien.

Charitas Brader
Charitas Brader

Dort errichtete Charitas Brader Schulen, Spitäler und Sozialzentren. Dabei wurde sie von zahlreichen Schweizerinnen, vor allem aus der Stadt St. Gallen, unterstützt. Sie gründete auch eine eigene Gemeinschaft, die Missionsfranziskanerinnen von Maria Immakulata. Charitas Brader wurde 2003 seliggesprochen.

Graf und Mönch im eigenen Kloster: Eberhard von Nellenburg

Dank Eberhard von Nellenburg, geboren um 1018 auf Schloss Nellenburg unweit des Bodensees, gewann Schaffhausen an Bedeutung. In dem Marktort am Rhein stiftete der Graf zusammen mit seiner Frau Ita 1049 das Eigenkloster Allerheiligen. Nach einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela entschied sich der Graf, als Mönch in seinem eigenen Kloster zu leben. Eberhard von Nellenburg wurde Konverse, also Laienbruder, im Benediktinerkloster Allerheiligen. Seine Gattin Ita wurde Ordensfrau im Benediktinerinnenkloster St. Agnes, das ihr Sohn in Schaffhausen errichten liess. Eberhard von Nellenburg starb 1078/1079.

Erster Abt von Einsiedeln: Eberhard

Eberhard, Dompropst in Strassburg, gründete 934 bei der Meinradszelle das Benediktinerkloster Einsiedeln. Er starb 958.

Abt von Hirsau: Friedrich

Friedrich war Mönch im Kloster Einsiedeln. 1065 wurde er Abt des Klosters Hirsau im Schwarzwald. Gestorben ist er 1071.

Reformer im Kloster Engelberg: Frowin

Frowin ist erstmals 1141 als Benediktiner im Kloster St. Blasien im Schwarzwald belegt. Von dort wurde der Mönch als Reformer in die Abtei Engelberg im heutigen Kanton Obwalden geschickt. Von 1143 bis 1147 war Frowin Abt des Klosters in dem von Bergen umgebenen Hochtal. In seiner Amtszeit erlebte die Abtei einen kulturellen und politischen Aufschwung. Spätestens mit ihm wurde sie zu einem Doppelkloster mit einer Männer- und einer Frauengemeinschaft. Frowin förderte Kunst und Wissenschaft und richtete zu diesem Zweck ein Skriptorium, eine Schreibstube, ein. Er starb 1178. In Engelberg wird Frowin als Seliger verehrt.

Dritter Abt von Einsiedeln: Gregor

Gregor stammte aus England. Er war der dritte Abt des Benediktinerklosters Einsiedeln, von 964 bis zu seinem Tod 996. Er gilt als bedeutendster Abt in der Frühzeit des Klosters.

Als Bischof von Como im Tessin begraben: Guglielmo della Torre da Mendrisio

Guglielmo (Wilhelm) della Torre wurde um 1140 in Mendrisio auf dem Gebiet des heutigen Kantons Tessin geboren. Der Sprössling einer Adelsfamilie ist auch in seiner Heimat begraben, und zwar in der Kirche Santa Maria di Torello bei Lugano. Diese Kirche hatte Guglielmo della Torre dort nebst einem Kloster errichten lassen. Von 1197 bis zu seinem Tod 1126 war er Bischof von Como und somit für die Kirche auch in einigen Tessiner Gebieten verantwortlich. Im Bistum Lugano, das damals noch nicht existierte, wird Guglielmo als Seliger verehrt.

Leben auf 1097 Meter über Meer: Manfredo Settala

Manfredo Settala, auch Manfred von Riva genannt, wurde in Mailand geboren. Zum Jahr seines Todes gibt es unterschiedliche Angaben. So soll der Priester, der aus einer vornehmen Familie stammte, je nach Quelle 1217 oder 1450 gestorben sein. Tatsache ist seine Verehrung im Bistum Lugano. Nachdem er zunächst als Pfarrer wirkte, lebte Manfredo Settala als Einsiedler auf dem Tessiner Berg Monte San Giorgio (1097 Meter über Meer) im heutigen Kanton Tessin. Am Ort der Einsiedelei, auf dem Gipfel des Berges, steht heute eine Kapelle. Die Reliquien des Seligen befinden sich in der Pfarrkirche von Riva San Vitale, einem Dorf am Osthang des Berges.

Autodidaktin mit grosser Schaffenskraft: Maria Theresia Scherer

Maria Theresia Scherer, geboren 1825, wuchs als Waise bei Verwandten in Meggen im Kanton Luzern auf. Sie besuchte die Primarschule und erhielt in jungen Jahren eine praktische Ausbildung in Haushalt und Krankendienst. 1845 trat sie in die Kongregation der Lehrschwestern vom Heiligen Kreuz in Menzingen ZG ein. Als Autodidaktin bestand die junge Frau 1849 vor dem Zuger Regierungsrat die Lehramtsprüfung. Nach 1849 unterrichtete Maria Theresia Scherer als Lehrschwester in Näfels GL die Mädchen der Industrieschule. Wenige Jahre später entdeckte sie in Chur ihre Berufung zur Caritas.

Maria Theresia Scherer, Ausschnitt aus einem Gemälde.
Maria Theresia Scherer, Ausschnitt aus einem Gemälde.

Gemeinsam mit Pater Theodosius Florentini baute Maria Theresia Scherer 1852 eine neue Gemeinschaft auf, die 1856 nach Ingenbohl SZ übersiedelte. Es entstand die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz. Scherer wurde 1857 erste Generaloberin. Unter ihrer Leitung entwickelte sich ein vielseitiges Werk der Kranken- und Altenpflege, der Fürsorge, aber auch der Lehrerinnen und Krankenpflegerinnenausbildung. Die Ingenbohler Schwestern gründeten auch Niederlassungen im Ausland. Maria Theresia Scherer ist eine von drei Schweizerinnen, die 1995 seliggesprochen wurde. Im Gegensatz zu Maria Bernarda Bütler und Marguerite Bays wurde sie jedoch noch nicht heiliggesprochen.

Auf dem Weg zum Dalai Lama erschossen: Maurice Tornay

Maurice Tornay wurde 1910 in Orsières im Wallis geboren. Er wurde Mitglied der Kongregation vom Grossen Sankt Bernhard und 1938 in Hanoi in Vietnam zum Priester geweiht. Während einigen Jahren leitete er ein Knabenseminar, in dem der einheimische Priesternachwuchs ausgebildet wurde. Für kurze Zeit war der Walliser Pfarrer in Yerkalo, der einzigen Missionsstation im unabhängigen Tibet. Dort wurde er von den Lamas angefeindet und ausgewiesen.

Maurice Tornay, Abschied von Freunden in der Schweiz, Aufnahme von 1936
Maurice Tornay, Abschied von Freunden in der Schweiz, Aufnahme von 1936

1949 schloss sich Tornay einer Karawane nach Lhasa an, um beim Dalai Lama vorzusprechen. Auf halbem Weg wurde er zur Umkehr gezwungen und mit seinem tibetanischen Diener erschossen. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1992 zum Märtyrer und sprach in 1993 selig.

Mönch und Dichter: Notker der Stammler

Notker der Stammler wurde um 840 in Jonschwil im heutigen Kanton St. Gallen geboren. Der Sohn einer einflussreichen Familie wurde bereits als Bub in die Obhut des Benediktinerklosters St. Gallen gegeben, nichts Aussergewöhnliches in der damaligen Zeit. Dort erhielt er eine vorzügliche Bildung und wurde Mönch.

Notkler der Stammler: Ausschnitt aus einem Kupferstich von David Hautten, 1648. In: Helvetia sancta von Heinrich Murer, Luzern.
Notkler der Stammler: Ausschnitt aus einem Kupferstich von David Hautten, 1648. In: Helvetia sancta von Heinrich Murer, Luzern.

Mit seinen Liedtexten, sogenannten Sequenzen, ging Notker in die Weltliteratur ein. Er schuf weitere bedeutsame Werke, darunter 883 ein Buch mit dem Titel «Gesta Karoli Magni Imperatoris» – Geschichten über Kaiser Karl den Grossen. Auf der Basis ihm zugetragener Geschichten beschreibt der Mönch ein Charakterbild des damals bereits verstorbenen Kaisers. Notker der Stammler starb 912. 1513 wurde er seliggesprochen. Notker der Stammler ist Nebenpatron der Diözese St. Gallen.

Tod auf einer indischen Insel: Pietro Berno

Pietro Berno wurde nur 31 Jahre alt, kam aber weit herum in seinem Leben. Geboren wurde der im Tessin verehrte Selige 1552 in Ascona TI. Noch vor seiner Priesterweihe trat Pietro Berno in den Jesuitenorden ein. 1578 reiste er nach Portugal, ein Jahr später ins indische Goa, das damals eine portugiesische Kolonie war. Der Jesuit war auf der Halbinsel Salsette nördlich von Bombay tätig. Dort kam er 1583 bei einem christenfeindlichen Aufstand ums Leben. Pietro Berno hatte eine portugiesische Expedition begleitet, die heidnische Tempel zerstörte. Pietro Berno ist der einzige Schweizer Jesuit, der als Märtyrer starb und seliggesprochen wurde. Dies geschah 1893 durch Papst Leo XIII. Sein Grab in der Kathedrale von Goa enthält nur einen Teil seiner Gebeine. Das Haupt des Märtyrers ruht in der Pfarrkirche von Ascona.

Zweiter Abt von Einsiedeln: Thietland

Thietland war Kanoniker in Zürich, dann Mönch in Einsiedeln. Von 961 bis 964 war er zweiter Abt des noch jungen Klosters Einsiedeln. Thietland starb um 965.

*Wo die Daten der Seligsprechung nicht eindeutig belegt sind, werden sie hier nicht erwähnt.


Papst Franziskus feiert 2019 eine Messe mit der Seligsprechung von sieben rumänischen Märtyrern in Blaj (Rumänien) | © KNA
13. Mai 2022 | 14:21
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