Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger
Schweiz

Jesus zur Primetime, Abendmahl mit Frauen: RTL zeigt «Die Passion»

Jesus geht zur Pommesbude und holt sich ein Fladenbrot für das letzte Abendmahl. Heute Abend zeigt RTL mit vielen Pop-Songs «Die Passion». Kitsch oder Kirche in der Welt von heute? kath.ch diskutiert mit der Exegetin Hildegard Scherer das TV-Ereignis auf «Instagram Live».

Ab 20.15 Uhr stellen am heutigen Mittwoch Schauspielerinnen und Schauspieler die Leidensgeschichte Jesu mit Pop-Songs auf einer grossen Bühne dar. Und zwar in Essen. 

Auch Thomas Gottschalk ist mit dabei

Die Jesus-Figur übernimmt Alexander Klaws (38). Er ist der erste Gewinner von «Deutschland sucht den Superstar». Neben dem Hauptdarsteller treten unter anderem Moderator Thomas Gottschalk (71) als Erzähler sowie Sängerin Ella Endlich (37) als Jesu Mutter Maria auf. 

Von links Thomas Gottschalk, Alexander Klaws und Ella Endlich.
Von links Thomas Gottschalk, Alexander Klaws und Ella Endlich.

«Die Passion» gibt es als «The Passion» bereits seit mehreren Jahren in den Niederlanden, wo die Sendung hohe Einschaltquoten erzielt.

Expertin Hildegard Scherer verfolgt das TV-Spektakel

Für kath.ch beobachtet Hildegard Scherer das TV-Spektakel. Die Professorin für Neues Testament war bis vor kurzem an der Hochschule Chur tätig und hat im April einen Ruf an die Uni Essen angenommen. Im Gespräch mit Jacqueline Straub und Raphael Rauch von kath.ch teilt Hildegard Scherer ihre Eindrücke in den Werbepausen und nach der Sendung auf «Instagram live» – zum Mitverfolgen einfach @jacqueline_straub oder @rapha_rauch auf «Instagram» folgen.

Hildegard Scherer
Hildegard Scherer

Alexander Klaws betont im kath.ch-Interview die Aktualität der Passionsgeschichte: «Nächstenliebe, Menschlichkeit, Vergebung, Familie, Liebe» sieht er als «wichtige Tugenden», die er auch seinen Söhnen beibringen wolle. »Diese Themen spielen gerade jetzt eine Rolle, bei all dem, was in der Welt abgeht – wie dem Krieg in der Ukraine und der Corona-Pandemie, in der die Gesellschaft gespalten ist wie lange nicht.»

Alexander Klaws spielt die Jesus-Figur.
Alexander Klaws spielt die Jesus-Figur.

Wie bereiten Sie sich auf die Rolle des Jesus Christus vor? Lesen Sie zum Beispiel die Bibel?

Alexander Klaws*: Ich habe ja bereits den Jesus in Andrew Lloyd Webbers Rockoper «Jesus Christ Superstar» gespielt. Da habe ich natürlich schon mal in der Bibel geblättert. Ich finde es immer schwer zu beantworten, wie genau ich mich auf Rollen vorbereite. Das Schöne an Live-Events wie der «Passion» ist, dass man nur eine Chance hat, etwas zu kreieren. Nicht wie bei einem Theaterstück, bei dem man jeden Abend wieder aufs Neue die Rolle spielt. Das Einzige, das ich wirklich gut vorbereiten kann, sind die Songs und die Texte. Aber was dann passiert auf der Bühne – da bin ich selbst gespannt. Gerade als Jesus muss man sehr auf sich selbst vertrauen, damit man das auch ausstrahlt.

Jesus (Alexander Klaws) hat Brot für das Abendmahl gekauft. Links ein Kunde (Reiner Calmund) mit Currywurst.
Jesus (Alexander Klaws) hat Brot für das Abendmahl gekauft. Links ein Kunde (Reiner Calmund) mit Currywurst.

Werden Sie sich einen Bart und lange Haare wachsen lassen?

Klaws: (lacht) Nein. Ich werde auch kein Gewand tragen. Ich werde nicht so aussehen, wie man Jesus auf vielen Bildern sieht. Ich stelle ihn in der heutigen Zeit dar. Die ganze «Passion» – die Geschichte der letzten Tage im Leben Jesu – ist nicht auf Alt gemacht so wie in früheren Filmen. Sie findet in der heutigen Zeit statt. Die Geschichte ist nämlich aktuell. Das Optische wird die Leute vielleicht verwundern. Auch die Songs, die ausgewählt wurden, sind moderne Pop-Songs. Wir versuchen, das Heutige zu verbinden mit dem, was man kennt, und es so zu erzählen, wie es noch nie erzählt wurde. Wir wollen die Menschen von Voreingenommenheit frei machen.

Jesus (Alexander Klaws) beim Abendmahl.
Jesus (Alexander Klaws) beim Abendmahl.

Wieso ist die Geschichte Ihrer Meinung nach aktuell?

Klaws: Die Werte, die sie vermittelt, sind aktueller denn je: Nächstenliebe, Menschlichkeit, Vergebung, Familie, Liebe – all die wichtigen Tugenden, die ich auch meinen Söhnen beibringen möchte. Diese Themen spielen gerade jetzt eine Rolle, bei all dem, was in der Welt abgeht – wie dem Krieg in der Ukraine und der Corona-Pandemie, in der die Gesellschaft gespalten ist wie lange nicht.

Eine moderne Interpretation der Jesus-Geschichte: Jesus (Alexander Klaws, M.) mit Petrus (Laith al Deen, r.) in "Die Passion" von RTL.
Eine moderne Interpretation der Jesus-Geschichte: Jesus (Alexander Klaws, M.) mit Petrus (Laith al Deen, r.) in "Die Passion" von RTL.

Viele Menschen stehen Religionen und Kirche skeptisch gegenüber. Glauben Sie, dass ein derart religiöser Stoff überhaupt gut ankommen kann beim Publikum?

Klaws: Wir versuchen, die Geschichte frei von Religion zu sehen. Wir wollen niemanden bekehren, und unsere Zuschauer müssen keine Christen sein. Man erhält einen anderen Blick auf die Erzählung, wenn man Jesus als Mensch darstellt und nicht als Gottheit oder etwas Überirdisches. Jesus geht zum Beispiel an die Pommesbude und holt sich ein Fladenbrot für das letzte Abendmahl. Ich glaube, das lässt auch Menschen aufhorchen, die nicht viel mit Religion anfangen können.

«Wir spielen die Geschichte, wie sie in der Bibel geschrieben ist, und wir benutzen auch deren Sprache.»

Für religiöse Menschen hingegen betrifft die Geschichte von Tod und Auferstehung Jesu ihren Glaubenskern. Wie wollen Sie deren Bedürfnisse berücksichtigen?

Klaws: Auch wenn wir das Geschehen in die heutige Zeit übertragen: Wir spielen die Geschichte, wie sie in der Bibel geschrieben ist, und wir benutzen auch deren Sprache. Diese Verbindung wird etwas ganz Besonderes machen und die Zuschauer überraschen. Ich glaube, wir tun den Menschen nicht weh, sondern wir ehren die Geschichte.

Jesus (Alexander Klaws) beim Abendmahl.
Jesus (Alexander Klaws) beim Abendmahl.

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen «Die Passion» und «Jesus Christ Superstar»?

Klaws: «Jesus Christ Superstar» ist für die Bühne geschrieben. «Die Passion» wird auch auf einer Bühne gespielt, aber gleichzeitig von Millionen Menschen im Fernsehen geschaut. Das wird eine grosse Aufgabe für den Regisseur: Er muss etwas einfangen, das live entsteht und es über die Kameras übertragen.

Das Logo zu "Die Passion".
Das Logo zu "Die Passion".

Und inhaltlich?

Klaws: Bei der «Passion» wird es eine Szene geben, in der sich Jesus von seiner Mutter Maria verabschiedet, kurz bevor er zum Kreuz gebracht wird. Das kommt in der Rockoper nicht vor. Dafür gibt es in «Jesus Christ Superstar» die Rolle der Maria Magdalena. Die Frage, ob da was gewesen ist zwischen ihr und Jesus oder nicht, bleibt dem Publikum überlassen. In der «Passion» ist Maria Magdalena nicht mit dabei. Dass sich ein Sohn von seiner Mutter verabschiedet, weil er eine Mission im Kopf hat, die er ausführen möchte – das ist hochdramatisch und sehr, sehr emotional. Das wird niemanden kalt lassen.

«Wir möchten die Menschen zum Nachdenken animieren.»

Hat Sie dieses Emotionale an der Rolle des Jesus gereizt?

Klaws: Eher das Undefinierbare. Man braucht eine gewisse Aura und Ehrfurcht, um Jesus zu spielen. Jesus ist eine der grössten Rollen überhaupt. Solche Herausforderungen liebe ich. Wir haben «Jesus Christ Superstar» auch an Ostern vorgeführt. Als ich verurteilt wurde von Pontius Pilatus, haben sich die Leute in den ersten Reihen bekreuzigt. Manche Zuschauer sind wegen der Musik in die Rockoper gekommen, für andere war das so etwas wie eine Messe. Trotzdem waren sie in der Geschichte vereint. Das wollen wir auch mit der «Passion» erreichen: Wir möchten die Menschen zum Nachdenken animieren auch mit Blick auf das, was aktuell in der Welt passiert – weil Solidarität und Nächstenliebe noch nie so wichtig waren. (kna/rr)

* Alexander Klaws ist ein deutscher Sänger, Musicaldarsteller, Schauspieler und Moderator. Er spielt am Mittwochabend «Die Passion» ab 20.15 Uhr. Das Gespräch mit der Exegetin Hildegard Scherer findet auf «Instagram Live» statt: einfach @jacqueline_straub oder @rapha_rauch auf «Instagram» folgen.


Jesus und seine Jüngerinnen und Jünger | © RTL
13. April 2022 | 15:38
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