Pfarrer Audrius Micka beim Benefizkonzert für die Ukraine in St. Moritz.
Schweiz

Der Pfarrer von St. Moritz singt ein Solo für den Frieden

Audrius Micka (39) stammt aus Litauen und ist Pfarrer von St. Moritz. Seine Eltern fürchten einen Angriff Russlands. Nach Kriegsbeginn in der Ukraine kamen sie in die Schweiz. Am Wochenende gab’s in St. Moritz ein Benefizkonzert mit 600 Friedenstauben.

Jacqueline Straub

Welche Botschaft sollte vom Benefizkonzert ausgehen?

Audrius Micka*: Im Fokus stand der Friede. Wir wollten zur Solidarität aufrufen und aufzeigen, dass die christlichen Werte gelebt werden sollen. Mit diesem Anlass wollten wir auch alle Generationen verbinden. Die schlimmen Bilder der Gräueltaten, die uns täglich über die Medien vermittelt werden, bedrücken sehr. Das Benefizkonzert hat uns eine neue Perspektive der Geborgenheit und Zusammengehörigkeit aufgezeigt und unseren Blick wieder nach oben gerichtet. Aus diesem Grunde haben wir über 600 Friedenstauben aus Papier in der Kirche aufgehängt – sie wurden von den Schülerinnen und Schülern gefaltet.

Schülerinnen und Schülern haben 600 Friedenstauben aus Papier gefaltet, die in der Kirche aufgehängt wurden.
Schülerinnen und Schülern haben 600 Friedenstauben aus Papier gefaltet, die in der Kirche aufgehängt wurden.

Waren Sie zufrieden mit dem Abend? 

Micka: Wir waren überwältigt über die grosse und spontane Beteiligung aller Chöre aus unserem Pfarreigebiet und der Musikgesellschaft St. Moritz. Die Kirche war bis zum letzten Platz gefüllt – 500 Menschen folgten der Einladung. Von Anfang an herrschte eine schöne und besinnliche Stimmung. Die kurzen, tiefgreifenden Meditationen, die zwischen den Musikstücken gelesen wurden, haben uns alle zum Nachdenken angeregt und die Lieder aus verschiedenen Genres und Sprachen haben uns in die Leichtigkeit des Seins versetzt. Der Höhepunkt war das Schlusslied «Dona nobis pacem», das die ganze Kirche inbrünstig als Kanon gesungen hat.

Beim Friedenskonzert in St. Moritz sind rund 500 Menschen gekommen.
Beim Friedenskonzert in St. Moritz sind rund 500 Menschen gekommen.

Sie haben auch ein Lied gesungen. In Ihrer Landessprache Litauisch.

Micka: Das Lied «Gottes Lilie» ist zu einer Hymne der Freiheit und Unabhängigkeit in meiner Heimat geworden. Die Komponistin Gintarê Jautakaitê ist im Jahre 1958 in Litauen geboren. Sie musste 1982 nach Amerika flüchten und ihre erfolgreiche Karriere aufgeben. Weil sie einen Amerikaner geheiratet hatte, wurde sie vom KGB verfolgt und erpresst. Bis 1991 konnte sie nicht in ihre Heimat zurückkehren. Nach der Wende schrieb sie dieses Lied im Flugzeug, als sie nach langer Zeit zum ersten Mal zurück nach Litauen flog.

«Ich bin froh, dass meine Eltern seit Anfang des Krieges bei mir in der Schweiz sind.»

Russland führt Krieg gegen die Ukraine. Haben Sie Angst um Ihre Heimat Litauen?

Micka: Jeder Krieg löst Unsicherheit und Schrecken aus. Die ständigen Bedrohungen eines Atomkrieges setzen uns allen europaweit zu. Ich bin froh, dass meine Eltern seit Anfang des Krieges bei mir in der Schweiz sind. Sie sind aus Angst vor einem möglichen Krieg in die Schweiz gekommen. Sie besuchen mich jedes Jahr – nun haben sie ihre Ferien vorverlegt. Denn die Bilder im Fernsehen haben in ihnen täglich die Angst wachsen lassen. Hier im Engadin fühlen wir uns dem Himmel etwas näher und dadurch auch etwas sicherer.

Benefizkonzert für die Ukraine in St. Moritz.
Benefizkonzert für die Ukraine in St. Moritz.

Was kann die Schweiz gegen den Krieg machen?

Micka: Am Schluss des Konzertes wurde von Vikar Hipolito ein Gebet des Heiligen Franziskus vorgelesen. Darin geht es darum, dass wir zum Werkzeug des Friedens werden sollen, Hoffnung wecken, trösten, aber auch verzeihen. Ich wünsche mir, dass wir diese Worte nicht nur jeden Tag beten, sondern sie auch leben. Und das gilt nicht nur für die Schweiz, sondern für alle Menschen.

* Audrius Micka (39) ist Pfarrer von St. Moritz GR. Er stammt aus Litauen. Am Benefizkonzert für die Ukraine haben sich folgende Gruppierungen beteiligt: «Cor mixt Champfèr», «Cor Viva Sils», Manuela Zampatti als Vertreterin der «Swing Singers», «La Cumbricula», der Cäcilienchor, die Musikgesellschaft St. Moritz, «Coro Português» und «Las Lodolas».


Pfarrer Audrius Micka beim Benefizkonzert für die Ukraine in St. Moritz. | © zVg
6. April 2022 | 17:12
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