Pfarradministrator von Näfels: «Habe in einer Atmosphäre der Angst gearbeitet»
Es war eine emotionale Kirchgemeindeversammlung in der Kirche Näfels am Samstagabend. Rund 100 Anwesende haben den Pfarradministrator Stanislav Weglarzy zum Pfarrer gewählt. In seiner Dankesrede sprach dieser von einem Regime von Überwachung und Kontrolle, unter dem er gearbeitet habe.
Regula Pfeifer
Rund hundert Personen finden sich bis 19 Uhr in der Pfarrkirche von Näfels ein. Sie sitzen vielfach gruppenweise zusammen, verteilt über das ganze Kirchenschiff.
Die Kirchenratspräsidentin Daniela Gallati erscheint nicht, wie Anwesende bestätigen. Sie bezeichnete die Versammlung im Vorfeld als nicht rechtens – was die Aufsichtsbehörde der Glarner Kantonalkirche mit einem Entscheid stützte, wie die «Glarner Nachrichten» berichteten.
Vertrauensvotum für den Pfarrer notwendig
Heute brauche es ein Vertrauensvotum für den Pfarrer, sagt die Sitznachbarin, die sich als ehemalige Katechetin bezeichnet, aber ihren Namen nicht angeben will. Sie hofft, dass der aktuelle Pfarrer nicht so schnell kündigt wie sein Vorgänger. Und sie findet, der Kirchenrat brauche einen personellen Wechsel.
Nach Eröffnung durch den Kirchenrats-Vizepräsidenten Hans Hager ergreifen zwei Personen das Mikrofon, um die Anwesenden von einer Verschiebung der Pfarrwahl zu überzeugen. Zwei hingegen wollten die Pfarrwahl sofort durchführen. «Es sind jetzt Nägel mit Köpfen notwendig», sagte Winfried Weigelt im Namen der Letzteren.
Warnung vor ungültigem Entscheid
Peter Landolt hingegen warnt: «Die Kirchenversammlung von heute Abend ist nicht rechtens.» Also werde auch eine allfällige Pfarrwahl ungültig sein. Die Wahlen sollten laut Landolt wie geplant am 10. Juni stattfinden. Das Votum führte zu ein paar wütenden Zwischenrufen aus den hinteren Reihen der Kirchenbänke.
Hager lässt über den Antrag Landolt abstimmen. 71 Personen sind für eine sofortige Pfarrwahl, 31 stimmen dagegen.
Die Wahl findet umgehend statt. Mit überwältigendem Resultat. 96 Personen wählen Stanislav Weglarzy zum Pfarrer, nur ein Mann erhebt seine Hand als Gegenstimme und schaut dabei um sich. Lauter Applaus erfüllt den Raum. «Ich gratuliere Ihnen zur ehrenvollen Wahl», sagt Hans Hager dem eben Gewählten. Dieser erhält – per Abstimmung – auch umgehend das Recht, stimmberechtigt an der Kirchgemeindeversammlung teilzunehmen.
Stanislav Weglarzy geht nach vorne, ergreift das Mikrofon und dankte für das Vertrauen. «Ich werde mich für Ihre Pfarrei jeden Tag einsetzen und Sie nicht enttäuschen», verspricht er. Dann nutzt er die Gunst des Moments, um seine Sicht des Konflikts wiederzugeben.
«Für die Kirchenratspräsidentin ist der Pfarrer ein Angestellter.»
Stanislav Weglarzy
Die Kirchenratspräsidentin habe die Kompetenzen nicht mit ihm als Pfarrer teilen wollen, so wie es das duale System vorsehe. «Für sie ist der Pfarrer ein Angestellter. Er darf grundsätzlich nichts wissen, nichts sagen.»
Er habe keine Einsicht in die Pflichtenhefte und Arbeitsverträge der Mitarbeitenden gehabt. «Wie kann ein Pfarrer so seine Aufgaben erfüllen?», fragt Weglarzy die Anwesenden. Einmal sei ihm verboten worden, einen Apero nach einem Gottesdienst durchzuführen.
Kontroll-Anrufe
Einmal habe die Kirchenratspräsidentin mitten in einem Seelsorgegespräch bei einer Familie angerufen, weil sie ihn nicht im Pfarrhaus fand und dringend Kopien machen wollte. Und kurz darauf habe sie wieder angerufen. Für Weglarzy war das eine Kontrolle seiner Tätigkeit.
Und als die Sakristanin erkrankt sei, habe die Kirchenratspräsidentin mit dem Kirchenrat sofort über die Suche nach einer Nachfolge diskutieren wollen. Er habe sich für die Sakristanin eingesetzt, erzählt Weglarzy. Dem Arztzeugnis sei zu entnehmen gewesen, dass die Frau in wenigen Tagen die Arbeit wieder aufnehme. «Ich könnte Ihnen noch eine Stunde lang weitere Beispiele erzählen», so der Pfarrer zur Kirchgemeinde.
«Ich habe in einer Atmosphäre der Angst gearbeitet», sagt Weglarzy weiter. «Ich habe mich gefragt, ob ich es nötig hätte, da mitzumachen.» Er verglich die Situation mit seinem früheren Leben unter kommunistischer Herrschaft in Tschechien.
Zum Schluss verweist Versammlungsleiter Hans Hager auf den 10. Juni. Dann steht die Neuwahl des Kirchenrats an. Er hoffe auf ebenso zahlreiches Erscheinen, sagt Hager.
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