Anna Rosenwasser: «Es ist eine bewusste Entscheidung, ob man queere Menschen akzeptieren möchte»
Anna Rosenwasser (31) ist LGBTQ-Expertin und feministische Autorin. Für sie steht fest: «Man hat die Freiheit, den Glauben so auszulegen, dass er den eigenen Werten entspricht.»
Für Rosenwasser war es keine bewusste Entscheidung, sich auf Social Media für queere und feministische Themen stark zu machen. «Mit 24 habe ich zu einer Organisation namens ‹Milchjugend› gefunden», sagt die Feministin. «Diese Jugend-Organisation ist für junge Menschen, die aus der klassischen Geschlechternorm herausfallen.» Dort hat Rosenwasser Gemeinschaft und Solidarität erfahren. Aber auch gelernt sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren.
«Vieles, was mir passiert ist, sind keine Einzelerlebnisse.»
«Ich habe dort gemerkt, dass Vieles, was mir passiert ist, nicht einfach Einzelerlebnisse sind, sondern System haben.» Wenn ein System nicht gerecht sei, müsse man sich dagegen wehren, sagt Rosenwasser.
Die LGBTQ-Expertin nutzt Social Media, um Menschen zu erreichen, die «keine Zeitung lesen oder Nachrichten im Fernsehen verfolgen». Dort könne etwas in Bewegung gesetzt werden, ist Rosenwasser überzeugt.
«Glaube und eine LGBTQ-Identität sind auf jeden Fall miteinander vereinba.r»
Rosenwasser bezeichnet sich als Atheistin. «Ich habe aber das Glück, das ich in sehr schönen Kontexten mit religiösen Traditionen in Kontakt komme.» Für Rosenwasser ist klar: «Glaube und eine LGBTQ-Identität sind auf jeden Fall miteinander vereinbar. Sie kenne viele Menschen innerhalb der queeren Community, deren Glauben ihnen viel Kraft gebe. «Das ist schön zu sehen.»
Ebenso freut sie sich, dass «viele verschiedene religiöse Gemeinschaften die bewusste Entscheidung getroffen haben, nicht nur knapp zu tolerieren, sondern von ganzem Herzen zu akzeptieren, dass es unterschiedliche sexuelle Orientierungen und verschiedene Geschlechtsidentitäten gibt». Es sei eine bewusste Entscheidung, ob man queere Menschen akzeptieren möchte oder nicht. «Und ob man den eigenen Glauben so ausleben möchte, dass er queer-freundlich ist.»
«Christliche Haltungen sind so heterogen, dass sie nicht in einer einzigen Partei Platz haben.»
Während der Bachelorarbeit erhielt die Politikwissenschaftlerin Einblicke in das Spannungsfeld politischer Haltungen und religiösem Einfluss. «Ich kam zur Erkenntnis, dass eine christliche Haltung gar nicht innerhalb von einer Partei vereint werden kann. Weil christliche Haltungen so heterogen sind, dass sie nicht in einer einzigen Partei Platz haben.» Sie denke nicht, dass der eigene Glauben einem vorschreibe, zu welchen politischen Haltungen man kommen soll. «Man hat eine Freiheit, das so auszulegen, dass es den eigenen Werten entspricht.» (jas)
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