Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson.
Vatikan

Hört Kardinal Turkson auf?

Kardinal Peter Turkson (73) ist Leiter der Vatikan-Entwicklungsbehörde. Er war öfter in der Schweiz – etwa auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Laut Medienberichten verlässt er das Dikasterium.

Der Leiter der vatikanischen Entwicklungsbehörde, Kardinal Peter Turkson (73), verlässt Medienberichten zufolge sein Dikasterium. Am Freitag habe er sich bereits von seinen Mitarbeitern verabschiedet, meldeten internationale Zeitungen übereinstimmend. Der Vatikan bestätigte dies zunächst nicht.

Am Sonntag schrieb Turkson auf Twitter:

Demnach ende nun sein Mandat nach fünf Jahren. «Jetzt muss eine neue Entscheidung des Papstes abgewartet werden», schrieb Turkson.

Vorwurf: Gravierende Führungsmängel

Genaue Gründe für die angebliche Demission werden in den Berichten nicht genannt. Finanzprobleme seien ausgeschlossen, hiess es. Eine jüngst beendete interne Rechnungsprüfung habe keine Unregelmässigkeiten ergeben. Allerdings soll es Leitungsschwierigkeiten in Turksons Behörde geben.

Kardinal Blase Joseph Cupich, Erzbischof von Chicago
Kardinal Blase Joseph Cupich, Erzbischof von Chicago

Im Juni hatte der Vatikan mitgeteilt, dass das Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen einer internen Visitation unterzogen werde. Damals hiess es, es handle sich um eine «normale Untersuchung der Aktivitäten». Berichten zufolge ergab der Abschlussbericht des Erzbischofs von Chicago, Kardinal Blase Cupich, gravierende Führungsmängel.

Mächtiger Kardinal Czerny

Das Dikasterium umfasst seit 2017 unter Kardinal Turkson die früheren Aufgabengebiete der Päpstlichen Räte für Gerechtigkeit und Frieden, für Migranten und für Gesundheit. Ebenfalls integriert wurde der Rat «Cor unum».

Papst Franziskus und Kardinal Michael Czerny (l.) im Petersdom (2019).
Papst Franziskus und Kardinal Michael Czerny (l.) im Petersdom (2019).

Papst Franziskus wollte mit der Zusammenlegung Synergien schaffen. Doch in Personalfragen soll die Umstrukturierung zu Spannungen geführt haben. Vor allem die für Migration zuständige Abteilung unter dem kanadischen Jesuiten Kardinal Michel Czerny führt anscheinend ein Eigenleben.

Viele Wechsel

Im Sommer verliess der Sekretär der Behörde, der französische Priester Bruno Marie Duffé (70), mit Ende seiner Amtszeit das Dikasterium und kehrte in seine Heimat zurück. Der beigeordnete Sekretär, der Argentinier Augusto Zampini (52), zog – ohne Angabe von Gründen – zurück nach Argentinien.

Sein Abgang sorgte in Rom für Verwunderung, da er 2020 als Leiter der vatikanischen Covid-Kommission Verantwortung übernommen hatte. Beide Posten übernahm «ad interim» die italienische Ordensfrau und Wirtschaftswissenschaftlerin Alessandra Smerilli (46), seit März 2021 Untersekretärin im Dikasterium. (kath.ch/cic)


Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson. | © KNA
19. Dezember 2021 | 18:15
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