Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson  | © Christian Murer
Schweiz
Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson | © Christian Murer

Kardinal Turkson appelliert in Zürich an Wirtschaftsführer

Zürich, 9.9.16 (kath.ch) An einem Referat in Zürich legte Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson dar, wie nachhaltiges Wirtschaften aus Sicht der katholischen Soziallehre aussehen müsste. Bei seinen Ausführungen berief sich der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden auf zwei Publikationen aus dem Vatikan: das Handbuch «Zum Unternehmer berufen» und die Umweltenzyklika «Laudato sì».

Regula Pfeifer

Nach drei Prinzipien sollte sich die Wirtschaft richten, erklärte Turkson vor dem Publikum in einem Saal der Pädagogischen Hochschule Zürich. Sie sollte versuchen, gute Arbeit zu anzubieten, gute Produkte herzustellen und guten Profit, also Wohlstand zu generieren.

Mit guten Produkten seien Produkte gemeint, die den Menschen wirklich etwas nützten. Die Frage nach der Nützlichkeit hat laut Turkson eine ethische Dimension. Dabei gehe es um «Needs» (Notwendiges) und «Wants» (Erwünschtes). Wirklich gut sind also Güter, die für den täglichen Lebensunterhalt notwendig sind, etwa Getreide. Deutlich darunter in der ethischen Skala liegen hingegen Produkte der Unterhaltungsindustrie. Je nach Notwendigkeit herrsche bei den Produkten eine hierarchische Ordnung, sagte Turkson.

Gute Arbeit ist gemäss Turkson mehr als nur der Lohn, den die Arbeitnehmer erhalten und mit dem sie die Familie ernähren können. Arbeit bewirke auch eine kreative Herausforderung für den Arbeitenden und trage – sofern sie gut sei – zu dessen menschlichen Entwicklung bei.

Guter Profit wiederum basiert auf guter Arbeit, guten Produkten, auf einer gerechten Verteilung der Produkte und auf einem schonenden Umgang mit der Umwelt. Beachte ein Unternehmen diese Grundsätze, bleibe es längerfristig bestehen, zeigte sich der Kardinal überzeugt.

Bischof Felix Gmür als Schirmherr

Der Basler Bischof Felix Gmür trat als einer der Schirmherren der Veranstaltung auf. Er wünschte in seiner einleitenden Rede, etwas über die kulturellen und modernen Werte des Geldverdienens zu erfahren; das sei wichtig für die Schweiz. Am Schluss sagte er gegenüber kath.ch: Die drei Prinzipien gute Arbeit, gute Produkte, guter Profit seien die zentralste Aussage des Kardinals gewesen, die auch für die Schweiz Bedeutung habe. Diese und weitere Aussagen will Gmür zur Diskussion in die Kommission «Justitia et Pax» der Schweizer Bischofskonferenz einbringen.

Den Kardinal zum Referat eingeladen hatte der Ladanyi-Verein Zürich auf Initiative des Schwyzer Jesuitenpaters Stephan Rothlin. Dieser engagiert sich als Wirtschaftsethiker in Hongkong und Macau und ist Professor an der Internationalen Wirtschaftsuniversität in Peking. Der Ladanyi-Verein unterstützt den Jesuitenpater in seinem wirtschaftsethischen Engagement im asiatischen Raum.

Goldrausch der Chinesen in Ghana

Während dem Referat erwähnte Turkson dann auch, dass das Handbuch «Zum Unternehmer berufen – eine Ermutigung für Führungskräfte in der Wirtschaft» nun neuerdings auch auf Chinesisch erhältlich sei. Dass chinesische Unternehmer im Moment eher Chancen packen statt ethische Aspekte zu berücksichtigen, weiss der Kardinal, der aus Ghana stammt. In seinem Land gebe es Gold bis an die Bodenoberfläche. Das interessiere die Chinesen. Und für dessen Gewinnung würden fruchtbarer Boden und Kokospalmen zum Opfer fallen.

Herausgegeben hat es der Päpstliche Rat für Gerechtigkeit und Frieden. Das Wort Berufung im Buchtitel habe nicht nur für die Berufswahl eines Priesters oder einer Nonne eine Bedeutung, erklärte der Kardinal. Auch der Wirtschaftsführer habe eine Berufung: Das was er tue, spiele eine Rolle in Gottes Plan für die Menschen. Er müsse sich also fragen, ob sein Handeln zu diesen Plan passe.

Die Grundlage für eine Ethik im Sinne des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden nannte Kardinal Turkson eine dreifache Beziehung, in der sich der Mensch befinde. Er sei in Beziehung zu Gott, den anderen Menschen und der Schöpfung. Alle diese Beziehungen seien miteinander verbunden und voneinander abhängig.

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