Radiopredigerin Andrea Meier: Warum mir die Adventszeit nicht «too much» ist
28.11. Andrea Meier, Bern
«Ich bin eine Gutgenugistin.» Diesen Satz schreibt Michèle Rothen in ihrem Buch «Wie Mutter sein». Mir hat dieser Satz sehr gefallen, denn auch ich versuche immer mehr eine Gutgenugistin zu werden. Nicht eine, die alles perfekt macht, aber auch nicht eine, der alles egal ist. Ich versuche das Beste zu machen. Ich versuche es gut genug zu machen. Denn gut genug ist gut genug. Mit genügend Liebe, genügend Zeit, genügend Sorgfalt – hoffentlich. Und weil ich davon nicht immer ganz genug habe, vertraue ich auf Freundinnen, Nachbarinnen, Mitbewohner und auf meine Familie. Denn zusammen kriegen wir es hin. Weihnachts-Apero, Kerzenziehen, Plätzchen backen und Wichteln. Wir gehen zum Geschichtenabend, in die Roratefeier und begleiten die Kinder in die Proben vom Krippenspiel. Denn: Wäre es Advent ohne all das? Ist es nicht diese Opulenz, die freudige Geschäftigkeit, dieses Taumeln zwischen Geschenkideen, Glühwein und Adventskalendersprüchen, die den Zauber ausmachen? Dass die Adventszeit ein bisschen «too much» ist, ist eine gute Übung für «Gutgenugistinnen». Nicht perfekt und nicht allein. Sonden gut genug und zusammen: Das stärkt mich, jedes Jahr neu.
Andrea Meier ist röm.-kath. Radiopredigerin
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