Die Kirche von Ernen im Wallis.
Schweiz

«Die Epiphaniekollekte gehört zu den höchsten im Jahr.»

Zug, 7.1.17 (kath.ch) An diesem Wochenende wird in den katholischen Pfarreien in der Schweiz das Epiphanie-Opfer aufgenommen. – Epiphanie ist der kirchliche Name für das Dreikönigsfest. Und wie diese Weisen aus dem Morgenland Geschenke an die Krippe in Bethlehem brachten, werden mit den Geldern aus der Kollekte Kirchensanierungen in der Schweiz mitfinanziert.

Martin Spilker

Eine Kollekte aufnehmen für Kirchenrenovationen – in der reichen Schweiz? Das mag man sich fragen, wenn am nächsten Sonntag in den Kirchen die Verwendung des Opfers bekanntgegeben wird. Urban Fink, Geschäftsführer der Inländischen Mission (IM, siehe Beitrag rechts) kann solche Bedenken nachvollziehen. Aber nur, um gleich zu einem Überblick anzusetzen, wie gross die finanziellen Unterschiede in der römisch-katholischen Kirche in der Schweiz sind.

Mission im ursprünglichen Sinn

Heute wird das Wort Mission mehrheitlich mit «Fremdenmission» durch Christen auf anderen Kontinenten in Verbindung gebracht. Bei der 1863 gegründeten Inländischen Mission geht der Name auf den ursprünglichen Begriff des lateinischen «missio», Verbreitung des Glaubens, zurück. «Anfangs ging es darum, die Pfarreien dort, wo die katholische Kirche in der Minderheit und noch nicht anerkannt war, so auszustatten, dass selbstständiges Pfarreileben überhaupt möglich wurde», erklärt Urban Fink gegenüber kath.ch.

Frühere «Missionen» in den Kantonen Zürich oder Waadt oder in der Stadt Bern gehören inzwischen allerdings zu Gemeinden mit hohen Steuererträgen. Bis heute ist die katholische Kirche auch in der Schweiz aber nicht überall öffentlich-rechtlich anerkannt. So kennen die Kantone Genf und Neuenburg eine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat, und im Tessin gibt es keine Kirchensteuer, ebensowenig im Wallis. Damit sind sie voll und ganz auf freiwillige Zuwendungen von Privaten, Unternehmen oder Institutionen angewiesen, oder im Wallis auf die Unterstützung durch die Einwohnergemeinde.

Anspruchsvolle Auflagen für Empfängergemeinden

Entsprechend werden die Gelder der Inländischen Mission bis heute für kirchliche pastorale Projekte und Bauten in finanziell stark herausgeforderten Gemeinden eingesetzt. Die Vorschläge für die Epiphaniekollekte kommen von den Bistumsleitungen und werden durch die IM begutachtet. Aus dem diesjährigen Epiphanie-Opfer erhalten die Kirchgemeinden Ernen im Wallis, Surcuolm in Graubünden und Boudry im Kanton Neuenburg Unterstützung für ihre Kirchen.

Nur die Hälfte des Betrages wird den Empfängergemeinden allerdings einfach so ausbezahlt. Den Rest erhalten sie als zinsfreies Darlehen. Und bereits bei der Auswahl der Projekte wird sehr genau hingeschaut, wie und wofür dort bislang Geldmittel eingesetzt wurden. «Die Gemeinden, die solche Unterstützung erhalten, haben eine sehr hohe Sensibilität für den sorgfältigen Umgang mit den Finanzen», weiss Urban Fink.

Hat es nicht zu viele Kirchen?

Doch müssten die Kirchgemeinden heute nicht vielmehr überlegen, welche Gebäude als Kirchenräume aufgegeben werden müssten? Schliesslich gibt es zahlreiche Orte, gerade in ländlich geprägten Gegenden, deren Pfarreileben stetig zurückgeht. Urban Fink muss nicht lange überlegen: «Das erste Kriterium für eine Unterstützung bei uns lautet: Wird die Kirche genutzt?» Doch für den IM-Geschäftsführer ist klar, dass die Verantwortlichen in der Kirche sowohl für die Seelsorge wie für die Bauten nicht um die Frage herumkommen werden, zukünftig Kirchenimmobilien zu veräussern.

Und dies sieht Fink nicht nur bei Wohn- und Bürogebäuden so, sondern auch bei sakralen Räumen. «Das aber braucht Mut», sagt Urban Fink, der auch bereit ist, laut über den Abriss von Kapellen nachzudenken. Er fügt aber – ganz Geschäftsführer eines Hilfswerks – sofort hinzu: «Solche Überlegungen sind nötig, solange die betroffenen Kirchgemeinden finanziell noch handlungsfähig sind.» Fink kann hier aus eigener Anschauung berichten: Er lebt in der Gemeinde Oberdorf bei Solothurn. Die Kirchgemeinde Oberdorf muss bei 2400 Kirchgemeindemitgliedern drei Pfarrkirchen unterhalten, was keine leichte Aufgabe ist.

Spendenbereitschaft steigt

Der Inländischen Mission wird die Arbeit dennoch nicht ausgehen. Nebst dem finanziell aufwändigen Unterhalt von Sakralbauten gibt es im Inland auch bei den Ressourcen für die Pfarreiarbeit grosse Unterschiede. Dies betrifft beispielsweise die Gehälter der Priester, die in den verschiedenen Landesteilen auf ganz unterschiedlichem Niveau liegen. Und weiter bietet die IM Kirchgemeinden professionelle Beratung bei Mittelbeschaffungen an.

Fink stellt aber auch fest, dass die Spendenbereitschaft für die Arbeit der IM durchaus vorhanden ist: «Die Epiphaniekollekte gehört zu den höchsten im Jahr.» Und gar steigend sind die privaten Spenden, die direkt bei der IM eingehen. Er zieht daraus den Schluss: «Das ist doch ein gutes Zeichen, dass die Zukunft der Kirchenräume den Leuten ein Anliegen ist!»

Die Kirche von Ernen im Wallis. | © zVg
7. Januar 2017 | 13:00
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Neuer Web-Auftritt der Inländischen Mission

Im Internet führt die Inländische Mission (IM) seit kurzem unter www.im-mi.ch eine neue Homepage, die ständig erweitert wird. Die Seite bietet einen raschen Überblick über Tätigkeiten, Projekte und Publikationen. Die IM ist in der ganzen Schweiz tätig, entsprechend ist der Internetauftritt dreisprachig gehalten.

Die Tätigkeiten der IM werden durch zwei gesamtschweizerische Kirchenopfer finanziert. Die sogenannte Epiphaniekollekte (am Sonntag nach dem 6. Januar, dem Dreikönigstag) wird zugunsten von finanziell benachteiligten Kirchgemeinden für Kirchenrenovationen eingesetzt, die Bettagskollekte (am dritten Sonntag im September) für Seelsorgeprojekte in der ganzen Schweiz.

Seit Anfang Mai 2016 wird die Geschäftsstelle der Inländischen Mission von Urban Fink geleitet. Der Solothurner Historiker und Theologe war zwölf Jahre Redaktionsleiter der Schweizerischen Kirchenzeitung und ist Teil des Autorenteams des Bruder-Klaus-Blogs. Rechtlich ist das mit über 150 Jahren älteste Hilfswerk der katholischen Kirche als gemeinnütziger Verein organisiert. Präsident ist der Nidwaldner Alt-Ständerat Paul Niederberger.

Zum 150-Jahr-Jubiläum 2013 ist eine vom heutigen Geschäftsführer Urban Fink herausgegebene Festschrift erschienen, die auf der Geschäftsstelle der IM gratis bezogen werden kann. (ms)