23'000 Unterschriften zur Rettung der Westschweizer Religionssendungen
Lausanne, 8.1.16 (kath.ch) Eine Petition zur Unterstützung der Religionssendungen wurde heute der Direktion des Westschweizer Radios und Fernsehens (RTS) in Lausanne überreicht, wie cath.ch meldet. Innerhalb von drei Monaten sind 23’000 Unterschriften zustande gekommen. Die Unterzeichnenden protestieren damit gegen die Streichung der Religionssendungen ab 2017.
Unterzeichnet haben laut dem Unterstützungskomitee «Soutenons RTS-Religion.info» Menschen unterschiedlichster Religion und Weltanschauung, Vertreter aus Politik und Wirtschaft ebenso wie aus Bildung und Kultur. 23’000 Unterschriften innerhalb von weniger als drei Monaten seien ein Zeichen dafür, wie wichtig der Westschweizer Öffentlichkeit die Sendungen seien, sagte Jean-François Mayer, Freiburger Historiker und treibende Kraft des Unterstützungskomitees, anlässlich einer Pressekonferenz zur Petitionsübergabe vom 8. Januar in Lausanne.
Eine Petition sei für das Komitee die einzige Möglichkeit gewesen, sich zu wehren, nachdem RTS ihren Entscheid im November bekannt gegeben hatte. «RTS hat einen Fehler begangen. Es gibt keinen Grund, dies nicht zuzugeben und den Fehler zu korrigieren. Die Unterzeichnenden protestieren gegen einen Entscheid von RTS, aber sie setzen sich ein für eine RTS mit Qualität», unterstreicht Mayer. Die Reduktion des Budgets von 2,8 auf 1,6 Millionen Franken verunmögliche jedoch eine qualitativ hochstehende Arbeit, selbst wenn die Dauer und die Anzahl Sendungen reduziert würden.
Solide Information über Religionen wichtig
In einer Zeit, in der fundierte und ausgeglichene Informationen über Religionen immer wichtiger würden, beraube sich RTS einer einzigartigen Monopolstellung innerhalb der französischsprachigen Welt, wenn es die Religionssendungen kappe. Für das Komitee ist dies ein gravierender strategischer Fehler.
Für Dominique de Buman, Freiburger CVP-Nationalrat, hat RTS mit seiner Entscheidung ein Eigengoal geschossen, das seine eigene Existenz gefährden könnte. Wenn RTS ihre Entscheidungen aus kommerziellen Gründen nur aufgrund von Einschaltquoten treffe, verrate es seinen Auftrag, für den sozialen Frieden im Land einzustehen.
Jacques-André Maire, Neuenburger SP-Nationalrat, kritisiert, dass der Entscheid gefällt wurde, ohne Rücksprache zu nehmen mit Cath-Info (die Westschweizer Partnerorganisation des Katholischen Medienzentrums in Zürich) und Médias-pro (die reformierten Medien der Romandie). Diese beiden Institutionen unterstützen RTS-Religion zu 40 Prozent, was 1,2 Millionen Franken entspricht. «Es ist inakzeptabel, eine solch langjährige Zusammenarbeit auf diese Weise in Frage zu stellen.»
Auch Atheisten und Andersgläubige haben unterzeichnet
Claude Ruey, ehemaliges Mitglied im Grossen Rat des Kantons Waadt (FDP) und im Direktionskomitee von RTS, wehrt sich gegen das Argument, dass Religion eine Privatangelegenheit sei, die keinen Platz in den staatlichen Medien haben soll. «Die Trennung von Kirche und Staat ist wichtig und nötig, aber das bedeutet nicht, dass die Bevölkerung keine spirituellen Bedürfnisse hat und die Kirchen keine Rolle spielen.» Unter den Unterzeichnenden seien auch Nicht-Gläubige, Atheisten oder Angehörige anderer Religionen. «Bevor man den Bereich Religion und Kultur dezimiert, sollte man sich zuerst die Frage stellen, was die Angebote leisten.»
Als Reaktion hat das Unterstützungskomitee laut cath.ch bisher nur eine formelle Antwort seitens der Direktion von RTS erhalten, ohne überzeugende Argumente. «Ich habe den Eindruck, dass jeder diese heisse Kartoffel weitergibt», sagt Dominique de Buman dazu.
RTS hatte am 17. November 2015, mitgeteilt, dass sie einschneidende Sparmassnahmen durchführen will: RTS muss drei Prozent ihrer Kosten einsparen. Für den Bereich Religion werden 50 Prozent der Gelder gestrichen, was zu einer Streichung aller religiösen Magazin-Sendungen ab 2017 führt. Aufrecht erhalten wird die Übertragung von Gottesdiensten. Gemeinsam mit RTS trugen bisher die religiösen Unternehmen und Cath-Info und Médias-pro die Verantwortung für die Sendungen. Betroffen sind zwei Radio-Sendungen – «A vue d’Esprit» und «Hautes Fréquences» – und eine am Fernsehen – «Faut pas croire». (cath.ch/sys)
Westschweizer Fernsehen und Radio streicht Religionssendungen
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