Walliser Gemeinde betet neu gegen die Klimaerwärmung

Fiescher Gelübde vom Papst abgeändert

Fiesch VS, 28.11.10 (Kipa) Die Fiescher dürfen von nun an für das Wachsen des Grossen Aletschgletschers beten. Papst Benedikt XVI. hat einer entsprechenden Abänderung eines Gelübdes von 1678 zugestimmt, das eine Prozession für den Schutz vor Naturgefahren festlegt. Neu gilt die jährliche Prozession auch dem Gebet gegen das weitere Wegschmelzen der Gletscher.

Der Grosse Aletschgletscher und der Märjelensee hatten im 17., 18. und 19. Jahrhundert in der Pfarrei Fiesch-Fieschertal, insbesondere im Dorf Fieschertal, unzählige schwere Naturkatastrophen ausgelöst. Eine Medienmitteilung des Präfekten des Bezirks Goms, Herbert Volken, spricht von Geröll- und Schlammlawinen und gewaltigen Überschwemmungen. «Aus dieser Not legte die Bevölkerung von Fieschertal und Fiesch 1678 ein Gelübde ab, das von Papst Innozenz XI. genehmigt wurde.» Es wurde mehrfach verändert, zuletzt 1862: Immer am Tag des Heiligen Ignatius (31. Juli) findet seither eine Prozession zur Muttergottes-Kapelle in den Ernerwald statt.

Gletscher um 3,5 Kilometer geschrumpft

Der Weg führt von der Pfarreikirche Fiesch über Ernen zur hochgelegenen Kapelle «Maria Heimsuchung». Rund 100 Personen nehmen jeweils an diesem Aufstieg teil, der fünf bis sechs Stunden dauert. Doch seit der ersten Prozession der Gläubigen von Fiesch im Jahr 1678 hat sich der Aletschgletscher bis heute um 3,5 Kilometer zurückgezogen.

Nun soll das Gelübde «den gegenwärtigen Launen der Natur angepasst werden», so die Mitteilung. Denn: «Ohne Gletscher versiegen die Quellen und die Bäche trocknen aus. Alpen und Weiden verganden. Die Nutzung der Wasserkraft wird zunichtegemacht und die Touristen bleiben fern. Menschen und Tiere geraten in arge Not. Dörfer sterben aus.»

Gebet um Schutz vor Naturgefahren und gegen Gletscherschmelze

Die Prozession soll nun weiterhin durchgeführt werden. Das Gebet um Schutz der Dörfer vor Naturkatastrophen soll bleiben. «Aber in dieses Gebet muss zwingend mit eingeschlossen werden, dass die Gletscher nicht noch weiter wegschmelzen. Dem Klimawandel, der Erderwärmung und dem Gletscherschwund muss Einhalt geboten werden. Die Gletscher müssen wieder wachsen und das zum Leben wichtigste Gut, das Wasser, in richtigem Mass erhalten bleiben.»

Volken war 2009 nach Rom gereist, um beim Papst persönlich um eine entsprechende Änderung des Gelübdes zu ersuchen. Und dieser hat das Gesuch nun bewilligt. In Zukunft werden die Erderwärmung, der Klimawandel und die Gletscherschmelze in die jährlichen Prozessions-Fürbitten eingeschlossen.

(kipa/com/arch/pem)

28. November 2010 | 18:05
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!