"Esaus rote Linsensosse"
Keine Kochrezepte in der Bibel - aber viele Bibelkochbücher
Von Timm Maximilian Hirscher / Kipa
9.02.03 (Kipa) "Gib mir doch etwas zu essen von dem Roten, von dem Roten da, ich bin ganz erschöpft", sagt der hungrige Esau zu Jakob im Buch Genesis, dem ersten Buch der Bibel. Für ein Linsengericht verkauft Esau sein Erstgeburtsrecht an seinen Zwillingsbruder. Rote Linsen, also geschälte, müssen es gewesen sein.
Im Alten und Neuen Testament geht es an vielen Stellen ums Essen und Trinken. Da gibt es etwa die Speisung der Menschenmenge mit Brot und Fisch oder die wunderbare Mehrung des Weins durch Jesus bei der Hochzeit von Kana. Da sind vor allem auch die jüdischen Speisegesetze mit beispielsweise dem Verbot, Fleisch und Milch zusammenzubringen, oder der Unterscheidung zwischen "reinen" und "unreinen" Tieren. Kochrezepte finden sich allerdings im Buch der Bücher nicht.
"Heuschrecken und wilder Honig"
Für viele Menschen ist dies offenbar ein schwerer Mangel. Zahlreiche Autorinnen und Autoren haben die Lücke gefüllt. Derzeit finden sich auf dem Büchermarkt Werke mit Titeln wie "Bibelkochbuch. Koch- und Lesebuch zum Alten und Neuen Testament", "Mahlzeit, Prost und Halleluja. Essen und Trinken in der Bibel" oder auch "Heuschrecken und wilder Honig. Essen und Trinken im Neuen Testament".
So steht im Neuen Testament natürlich auch kein Originalrezept von Johannes dem Täufer. Vielleicht röstete er die Heuschrecken, vielleicht begnügte er sich mit Rohkost. Gleichviel: "Die Ernährung der Menschen in biblischen Zeiten war ausgewogen und vollwertig", hebt der österreichische Verlag Ennsthaler zu dem bei ihm erschienenen Werk "Bibelkochbuch" von Eleonore Schmitt hervor. Die Autorin trug zahlreiche Hinweise und Ratschläge in der Bibel für eine gesunde Ernährung zusammen und verwandelte sie "unter Berücksichtigung der Erkenntnisse der modernen Ernährungswissenschaft in schmackhafte Rezepte".
Knochen kochen
Als Zutaten für "Esaus rote Linsensosse" empfiehlt Schmitt neben roten Linsen unter anderem Kichererbsen, Zwiebel, Knoblauch und eine Reihe von Gewürzen. Kurz geschmort und eine halbe Stunde in Wasser gekocht, ergibt sich laut Rezept ein hellbrauner bis orangebrauner sämiger Brei, den man als Sosse zu Gerichten reichen oder mit Fladenbrot essen kann. Offen bleibt, mit welcher Linsenkreation wohl Jakob den Esau betörte.
Doch nicht nur in Kochbüchern wird der Interessierte fündig. Im Internet sind beispielsweise unter www.mittelalterlich-kochen.de historische Rezepte verzeichnet. Besondere Links gibt es da zu "Essen und Trinken in der Bibel" und zu "Kochen mit biblischen Zutaten".
Das Schlagwort "kochen" selbst gibt es allerdings in der Bibel bei weitem nicht so häufig, wie die Zahl der Kochbücher und die Hinweise im Internet vermuten lassen. Zu finden sind Stellen wie "Das Junge einer Ziege sollst du nicht in der Milch seiner Mutter kochen" im alttestamentlichen Buch Exodus oder Hinweise für symbolische Handlungen wie "Nimm auserlesene Schafe! Auch Brennholz leg ringsum unter den Kessel! Lass die Fleischstücke kochen! Auch die Knochen koch mit!" im Buch Ezechiel.
(kipa/b/job)
Kipa, 09.02.2003
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