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Pfarrer von Murg fordert Rücktritt - M. J. verteidigt sich   

Während der Kirchenratspräsident von Murg (SG) den im Kirchenrat sitzenden Pädophilen M. J. als «sensibel und rücksichtsvoll» lobt, hat der Pfarrer von Murg ihn aufgefordert, zurückzutreten. Doch J. denkt nicht daran. Er sei in den letzten Tagen gewissenlos in den Dreck gezogen worden, lässt er «kath.ch» wissen. Unverständlich ist für ihn auch die Stellungnahme der katholischen Administration St. Gallen, die seine Funktion als Kirchenrat problematisch findet. Der offensive Umgang mit seiner pädophilen Neigung soll zeigen, dass nicht alle Pädophilen gleichzeitig Sextäter seien, sagt der Kirchenmitarbeiter. Ausgelöst hat diese ganze Lawine der am 7. August veröffentlichte Blick-Artikel «Bekennender Pädophiler hat Kirchenamt».

Katholische Kirche Murg
M. J., der als Goldschmid arbeitet, beschreibt sich auf seiner privaten Website «tinjo.ch» unter dem gleichnamigen Pseudonym als «lebenserfahrenen Pädophilen». Es finden sich unzählige Berichte über Pädophilie und Kommentare. Das Brisante dabei: J. hat ein kirchliches Amt. In der katholischen Pfarrei Murg am Walensee wirkt er als Webmaster und Aktuar im Kirchenverwaltungsrat.

Dem Willen des Pfarrers nicht folgen

Am Samstag, 9. August, erreichte «kath.ch» ein Mail, in dem Pfarrer Emil Hobi von Murg den besagten Kirchenrat auffordert, das Amt niederzulegen. Schriftlich teilt der Kirchenmann Pfarrer Hobi mit: «Ich bin in mein Amt gewählt worden und habe gelobt, dieses für eine Amtsperiode gewissenhaft auszuführen und habe mir meines Wissen nichts zuschulden kommen lassen. Ich steige Dir nicht auf den Opferaltar, werde mich aber dem Volk stellen. Wenn es mich steinigen will, dann mag es Gottes Wille sein.» Auf den Willen des Volkes vertraue er, nicht aber auf den des Pfarrers.

Schützenhilfe erhält J. vom Kirchenratspräsidenten Urs Lachenmeier. Er erachte den Verbleib von M. J. im Rat immer noch als vertretbar, wird er in der «Südostschweiz» zitiert. Der Betroffene sei sensibel und rücksichtsvoll und leiste gute Arbeit.

Der Betroffene begründet

Auf Anfrage von «kath.ch» bestätigt J. seine pädophilen Neigungen. Er stehe dazu. Und seine Website sei wie folgt einzuordnen: «Die Absicht, die ich mit meiner Homepage verfolge, ist einerseits ein Beratungsangebot und anderseits eine kritische Betrachtung von Medienmitteilungen zum Thema «Pädophilie», das in der Regel nur dann zur Sprache kommt, wenn es um Täter und Opfer geht, oder wenn Experten über «die Pädophilie» reden.» Den Pädophilen selbst werde kaum je die Möglichkeit geboten, sich zu äussern und aufzuzeigen, dass es nicht wenige gebe, die ihr Leben ohne Schädigung von Kindern meisterten. «Pädokriminelle Taten toleriere ich in keiner Weise», so M. J.

Kirche von Murg
Kirchenmitarbeiter versus Administrationsrat

Der ganze Wirbel hat auch den Administrationsrat des katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen in Sorge versetzt. Einen bekennenden und auf einer eigenen Internet-Seite publizistisch aktiven pädophilen Menschen in ein öffentliches Amt zu wählen sei problematisch, heisst es in einer schriftlichen Mitteilung. Der Administrationsrat fürchtet um den Ruf des Bistums. «Eine differenzierte Betrachtung ist in der Öffentlichkeit kaum möglich. Sie kann von der Bevölkerung auch nicht erwartet werden. Missverständnisse und Vorurteile sind programmiert.»

J. ist wütend ob dieser Reaktion. Die «Hetz-Kampagne» des Boulevard-Journalisten würde mit keinem Wort erwähnt. Ausserdem würden nicht alle Menschen ihre geistige Nahrung dem «Blick» entnehmen und eine differenzierende Betrachtung in der Öffentlichkeit sei sehr wohl möglich.

Administrationsrat: Aufsichtsbehörde ohne Einfluss

In der Stellungnahme des Administrationsrates ist weiter zu erfahren, warum dieser als Aufsichtsbehörde keinen Einfluss auf die Wahl von Kirchenräten nehmen kann. Die katholischen Kirchgemeinden seien innerhalb der gesetzlichen Schranken autonome öffentlich-rechtliche Körperschaften. Daraus folge: «Das Volk ist bei der Bestellung der Behörden (Präsidium, Verwaltungsrat, Geschäftsprüfungskommission) innerhalb der gesetzlichen Schranken völlig frei. Der Administrationsrat als Aufsichtsbehörde hat keinerlei Einflussmöglichkeit, auch nicht bei der Kandidatensuche.» Diese sei Sache der örtlichen Behörden und der Bürgerinnen und Bürger, schreibt der Administrationsrat.

Pädophiler Kirchenrat in Murg sorgt für Wirbel
Im Kirchenrat von Murg (SG) sitzt mit M.J. ein Pädophiler, schrieb der Blick am Donnerstag, 7. August. Kurz darauf berichtete auch das Schweizer Fernsehen. Der Betroffene steht zu seiner Neigung, hat sich nach eigenen Angaben aber noch nichts zuschulden kommen lassen.
(rf)

kath.ch, 13.08.2008


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