ZöFra: «Einzelne Bischöfe danken uns für unsere Arbeit»

Freiburg i. Ü., 11.10.13 (Kipa) Einzelgespräche mit den Bischöfen seien neuerdings erfreulich fruchtbar, sagt Gabriella Loser Friedli, Gründerin und Präsidentin des Vereins vom Zölibat betroffener Frauen (ZöFra), gegenüber der Presseagentur Kipa. Immer öfter suchten nicht nur Frauen, sondern auch Priester Hilfe beim Verein, den es seit 13 Jahren gibt.

Einzelne Bischöfe hätten Vertrauen in die Arbeit der ZöFra, berichtet Gabriella Loser Friedli – «manchmal schreiben sie das auch und danken dafür». In einem aktuellen Fall, der sich äusserst schwierig gestalte, erfahre die ZöFra, dass der zuständige Bischof wirklich alle Möglichkeiten ausschöpfe, um eine Lösung zu finden – «kreativ, kompetent, transparent und ausserordentlich respektvoll».

Unterstützung von Bischof Huonder

Eingesetzt habe sich auch der Churer Bischof Vitus Huonder, berichtet die ZöFra-Präsidentin. Er habe dies in seiner Funktion als Delegierter der Bischofskonferenz in der Kommission Bischöfe-Priester getan. Nach einem Gespräch mit Vertreterinnen des Vereins im Dezember 2011 habe er der Bischofskonferenz im Juni 2012 die Anliegen der ZöFra vorgelegt. Er habe seinen Mitbrüdern konkret von der Arbeit des Vereins berichtet und ihnen auch dargelegt, wie schwierig es für Priester sei, wenn sie wegen einer Beziehung zu einer Frau plötzlich auf der Strasse stünden und mittel- und arbeitslos seien. Gabriella Loser Friedli: «Die Bischöfe waren sich wohl einig darüber, dass jeder sich besser um seine Priester kümmern soll, auch wenn er Entlassungen vornehmen ‘musste’.»

Dass sich die Schweizer Bischofskonferenz als Ganze sich in der Frage nicht weiter haben engagieren können, liege in der menschlichen, wirtschaftlichen oder interkulturellen Komplexität der Problematik, meint die ZöFra-Präsidentin. Hoffnung setzt sie in das neue Kirchenoberhaupt: «Vielleicht bringt uns da Papst Franziskus mit seiner licht- und hoffnungsvollen, menschenfreundlichen Art weiter. Er spricht die Wunden und Makel der Kirche an. Das könnte auch heissen, dass er vielleicht auch in der Zölibatsfrage neu denken kann, eventuell mit gangbaren Zwischenschritten.»

Derzeit begleitet die ZöFra zehn Frauen, die in einer Beziehung zu einem Priester stehen. Es handle sich dabei vielfach um komplexe Situationen, die «ein hohes Mass an Flexibilität, Fantasie und Einsatz» erforderlich machten, sagt die Präsidentin. Auch werden ferner vier Priester von der ZöFra begleitet.

Ein Buch in Vorbereitung

Im Frühjahr 2014 erscheint im Wörtersehverlag ein Buch von Gabriella Loser Friedli, in welchem sie 27 Lebensgeschichten von betroffenen Frauen und Priester nachzeichnet. Weitere Themen des Buches sind unter anderem Fragen wie «Schuld und Scham», «interkulturelle Beziehungen», «schuldlose Kinder» oder «Priesterpaare nach der Heimlichkeit». Auch zeichnet das Buch die Dialogversuche mit der kirchlichen Hierarchie zwischen 1997 bis 2013 nach und wartet mit Zahlenmaterial zur Situation in der Schweiz auf.

ZöFra-Gründerin Gabriella Loser Friedli ist seit 1994 mit Richard Friedli, einem ehemaligen Dominikaner, verheiratet, der seit 1974 ihr Lebenspartner ist. Sie ist Mutter eines heute 31-jährigen Sohnes.

Enstanden ist ZöFra bereits 1987 als loses Netzwerk. In seiner jetzigen Vereinsstruktur besteht ZöFra seit dem Jahr 2000. Nach Aussagen der Gründerin haben sich seit Beginn über 500 Frauen bei der ZöFra gemeldet. (kipa/arch/job)

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