«Im politischen Alltag weht verbaler Weihrauch»

In der Rubrik «Salzkorn» im St. Galler Tagblatt, 23.2.15, nimmt der Autor die vielen Absegnungen auf die Schippe. Nur aus Chur vermisst er sie.

«Die Schweiz ist ein religiös grundiertes Land. Ihre Bundesverfassung beginnt mit dem An- und Ausruf «Im Namen Gottes des Allmächtigen!». Und auch viele Kantonsverfassungen streben nach Höherem. Das Ausserrhoder Grundgesetz beispielsweise betont einleitend das «Vertrauen auf Gott», das st. gallische das «Bewusstsein unserer Verantwortung vor Gott».

Da braucht es nicht zu erstaunen, dass im politischen Alltag manchmal verbaler Weihrauch weht. Der Staatsvoranschlag 2015 sei vom Parlament abgesegnet worden, konnte man nach der Budgetsitzung des Thurgauer Grossen Rates etwa lesen. Und in St. Gallen hätten SVP-Kantonsräte mehrere personelle Wechsel in ihrer Fraktion abgesegnet. Oder im Fall einer Schaukel am Waldrand ober- halb der Stadt St. Gallen: Auch sie sei abgesegnet worden – und zwar von einem Experten für Sicherheitsfragen.

Bloss im Bistum Chur läuft das anders. Da will der Bischof das Handeln des Pfarrers, der ein lesbisches Paar gesegnet hat, partout nicht absegnen.» (stb)

Weihrauchfass | © Georges Scherrer
24. Februar 2015 | 11:34
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