Schweiz

Zisterzienserinnen aus Wurmsbach als Video-Stars

11 Videoclips aus der Reihe «Sie fragen – wir antworten» sind seit Juni dieses Jahres veröffentlicht worden auf der Website und dem Youtube-Kanal der Zisterzienserinnen-Abtei Mariazell Wurmsbach. Damit wollen die Ordensfrauen mit Klischees übers Klosterleben aufräumen.

Vera Rüttimann

In den kurzen Videoclips gehen die Ordensfrauen durch den Kreuzgang der Zisterzienserinnen-Abtei Mariazell Wurmsbach in Rapperswil-Jona. Die Kamera begleitet sie durchs Klostergebäude, durch den Klostergarten oder in die Klosterküche. Unterlegt sind die Bewegtbilder von den Gesängen der Schwestern. Die Ordensfrauen geben vor der Kamera Einblick in den Alltag des Klosters am Ufer des Oberen Zürichsees.

Sie antworten auf Fragen wie: «Warum ist das Ordenskleid der Zisterzienserinnen schwarz-weiss», «Nonnen haben keine Ferien, oder?» und «Zisterzienser – ein schwieriges Wort?». Schwester Andrea Fux, Leiterin des Mädcheninternats, geht der Frage nach: «Sind Klöster eigentlich von gestern?».

Zisterzienserinnen bekannt machen

Die Hauptmotivation für die Videos seien die vielen Klischees, die über Orden und Klöster verbreitet sind. Andrea Fux berichtet: «Wir sassen am Küchentisch und haben uns gefragt, welche wir schon gehört haben. Da wurde die Idee geboren, in kurzen Video-Statements Antwort zu geben auf die falschen Vorstellungen.»

Schwester Andrea Fux, die Leiterin des Mädcheninternats der Zisterzienserinnen-Abtei Mariazell Wurmsbach, wird in der Klosterkirche von der Videografin Dolores Rupa gefilmt.

«Dies ist eine Möglichkeit, Menschen, denen unsere Welt fremd ist, auf Augenhöhe zu begegnen», sagt Äbtissin Monika Thumm. «Die Leute kennen Benediktinerinnen oder Franziskaner. Hingegen sind Zisterzienserinnen für viele unbekannt.» Die Gemeinschaft möchte aufzeigen, «dass man als Gast hier Impulse erhalten kann für sein geistiges Leben und dass diese Lebensform durchaus erfüllend ist.»

Die Schwestern haben vor Dreh-Beginn viele Videos anderer Klöster angeschaut, um zu sehen, wie andere das machen. Für die Umsetzung der Videos konnten sie Dolores Rupa gewinnen. Die Churerin hatte zuvor schon Fotos gemacht für die Imagebroschüre die Internatsschule.

Drehbeginn am Tag des Lockdowns

Der erste Drehtag fiel ausgerechnet auf den 13. März, den Beginn des Lockdowns. «An diesem Tag, an dem wir plötzlich die Schule schliessen mussten, hatten wir eigentlich kaum Zeit dafür», erinnert sich Andrea Fux. Zudem mussten die Schwestern erst lernen, wie man sich vor einer Kamera verhält. Ihr selbst falle es als Leiterin der Internatsschule eher leicht, vor der Kamera zu «performen». «Für andere kostet es schon Überwindung. Aber alle sind voll dabei.» Unlängst haben sich die Schwestern gemeinsam alle Videoclips auf der grossen Leinwand im Gemeinschaftsraum angeschaut.

Aufnahmen im Klosterladen

Wider alle Klischees

Für Dolores Rupa war das Kloster ein neues, ungewohntes Arbeitsfeld. Speziell für sie war, «dass nichts speziell ist hier.» Sie habe zuerst gedacht, Schwestern anzutreffen, die den neuen Medien gegenüber nicht offen seien. «Ich fand hier genau das Gegenteil vor», sagt die Videografin.

Sie sei selbst mit den Klischees konfrontiert worden, als sie in ihrem Umfeld von ihrer Arbeit mit den Schwestern zu erzählen begonnen habe. Sie schätzt dieses ganz andere Tempo hier, um in inspirierender Ruhe ihre Fotos und Videos gedeihen lassen zu können.

Ein grosser Teil ihres Jobs in der freien Wirtschaft sei es, etwas «lässiger» darzustellen als es in Wirklichkeit ist. «Hier ist es genau andersrum. Ich hatte fast Angst, dass ich all das nicht zeigen kann, was ich hier an ästhetisch Schönem gesehen habe». Die Einstellungen und die visuelle Aufmachung wollen darum durchaus auch einem künstlerischen Anspruch gerecht werden.

Vielfältige Reaktionen

Auf die Videos gibt es im Netz viele Rückmeldungen. Vor allem auf der Facebook-Seite, auf die die Videos gestellt sind und die unter anderem von Andrea Fux gepflegt wird. «Positiv finden viele User, dass es vor allem wir Schwestern selbst sind, die Einblick geben in unseren Alltag», sagt sie. «Jede einzelne Ordensfrau hat hier eine Stimme.»

Immer wieder sind Menschen überrascht über ihren Auftritt. «Sie werden neugierig und kommen zum Beispiel in die Sonntagsgottesdienste, sogar aus der Innerschweiz», freut sich Sr. Andrea. Ihre Spiritualität, ihre Gesänge und die Gestaltung der Liturgie würden auch die Besucher im Gästehaus «Lichthof» beeindrucken. Die Videos machen die Vielfalt dieses Klosters sichtbar. «So kommen für unser Angebot «Lerntage» junge Erwachsene sogar von München oder Hannover», sagt Andrea Fux.

Videografin Dolores Rupa hat das Kloster Wurmsbach schätzten gelernt.

Zukünftige Perspektiven

Nach 11 Videos ziehen die Schwestern Bilanz. Nicht alle Inhalte eignen sich für ein kurzes Video-Statement. Zur Vermittlung von vertiefenden spirituellen Inputs bedarf es längerer Videos. Deshalb werde auch über ein Interview-Format nachgedacht, wo man einer Frage ausführlicher nachgehen könne.

Die Videografin Dolores Rupa jedenfalls würde sich freuen auf weitere Videos für die Serie «Sie fragen – wir antworten». Sie hat diesen Ort schätzen gelernt. Als sie erstmals vor den Mauern dieses Klosters stand, hatte die Anlage für sie etwas Abweisendes. Sie fügt an: «Als ich dann aber eintrat, war ich baff.»

Äbtissin Monika lacht: «Und mich freut es besonders, dass die Videoclips ein Gemeinschaftswerk waren, bei dem sich alle eingebracht haben. Gerade das gemeinsame Ideensammeln hat enorm Spass gemacht. Wer weiss, was in Zukunft noch entstehen wird …».

Schwester Andrea Fux, die Leiterin des Mädcheninternats der Zisterzienserinnen-Abtei Mariazell Wurmsbach, und die Videografin Dolores Rupa filmen mit einer Drohne für ihr Video-Projekt «Sie fragen – wir antworten» im Garten des Klosters. | © Vera Rüttimann
21. August 2020 | 16:31
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