Katholische Messgewänder (Fastenzeit) | © KNA
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Katholische Messgewänder (Fastenzeit) | © KNA

Zeitung: Papst denkt an Verheiratete als Leiter von Messfeier

Hamburg, 25.10.17 (kath.ch) Papst Franziskus prüft einem Medienbericht zufolge Vorschläge, wonach auch verheiratete Männer der Heiligen Messe vorstehen können. Sogenannte viri probati sollen demnach Aufgaben zölibatär lebender Priester übernehmen dürfen, wie die «Zeit» am Mittwoch vorab berichtete.

Damit wolle Franziskus dem Priestermangel etwa im weitläufigen Amazonasgebiet begegnen. Der langjährige Amazonas-Bischof Erwin Kräutler (78) habe ein entsprechendes Papier mit vorbereitet, das «bereits auf dem Schreibtisch des Papstes» liege.

Als «viri probati» werden in der kirchlichen Debatte Männer bezeichnet, die sich in Ehe und Gemeinde bewährt haben sollen. Das Thema ist in der katholischen Kirche stark umstritten. Sie hält grundsätzlich am Zölibat als verpflichtender Lebensform für Priester fest. Verheiratete Priester gibt es nur in wenigen Ausnahmefällen – etwa, wenn ein Geistlicher einer anderen Konfession zum Katholizismus übertritt.

Der aus Österreich stammende Bischof Kräutler sorgt seit Jahrzehnten mit Vorstößen zu Zugangsbedingungen zum Priesteramt für Aufsehen. Seinen altersbedingten Rücktritt als Oberhirte in Brasilien nahm der Papst vor zwei Jahren an.

Wunsch des Papstes

Wiederholt rief Kräutler dazu auf, über Alternativen zum Zölibat zu diskutieren. «Jede und Jeder hat den Auftrag, nachzudenken», sagte er etwa im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur 2016 in Würzburg. Franziskus selbst habe ihn aufgefordert, mutige Vorschläge zu machen. Der Papst werde jedoch nicht in eigener Regie von heute auf morgen etwas ändern.

Der Bischof bezeichnete die Messfeier als Zentrum des katholischen Glaubens und fügte hinzu: «In erster Linie steht nicht der Zölibat zur Diskussion, sondern die von der sonntäglichen Eucharistiefeier ausgeschlossenen Gemeinden.» Dies sei zwar zunächst ein Problem in Amazonien, aber das Zusammenlegen von Gemeinden in Deutschland sei auch nicht unbedingt die Lösung.

In dem Interview bewertete Kräutler die mögliche Einführung sogenannter viri probati als problematisch. «Was macht denn einen Mann zum ‘vir probatus’ und wer oder welches Forum befindet darüber, ob einem dieses Attribut zugesprochen werden kann oder nicht?» Zudem sei hierbei von vornherein die Möglichkeit ausgeschlossen, dass eine Frau einer Eucharistiefeier vorstehen könne.

Brasilianischer Vorstoss?

Laut Kräutler soll eine Kommission der Bischofskonferenz in Brasilien dem Papst Vorschläge für eine Reform machen. Zugleich erinnerte der Bischof an ein Dokument von Papst Johannes Paul II. von 1994, wonach die Kirche keine Frauen zu Priestern weihen könne. «Dieses Wort hat sicher nachhaltige Wirkung, ist aber dennoch kein Glaubenssatz, kein Dogma.»

Für 2019 plant der Vatikan eine Amazonien-Synode. Sie wird sich nach Kräutlers Worten auch mit neuen Formen der Gemeindearbeit befassen. Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof der flächenmässig grössten Diözese Brasiliens mitten im Amazonasgebiet. Der 78-Jährige ist weiterhin Sekretär der brasilianischen Bischöflichen Kommission für Amazonien. (kna)

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