Fall des Spitzturms beim Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris am 15. April 2019. | © KNA
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Fall des Spitzturms beim Brand der Kathedrale Notre-Dame in Paris am 15. April 2019. | © KNA

«Wir werden diese Kathedrale wieder aufbauen»

Paris, 16.4.19 (kath.ch) Es sind die Stunden nach der Katastrophe. Der Brand in Notre-Dame hat Paris, Frankreich, ja ganz Europa erschüttert. Doch das Weltkulturerbe wird  «mit den grössten Künstlern und Talenten» wiederaufgebaut. Die ersten 100 Millionen dafür fliessen schon.

Alexander Brüggemann

Mitternacht war die Stunde des Pathos, genährt durch Entsetzen wie durch Erleichterung. Nachdem Einsatzleiter Jean-Claude Gallet mitgeteilt hatte, dass die brennende Kathedrale Notre-Dame gerettet werden kann, trat Staatspräsident Emmanuel Macron vor die Mikrofone und versicherte der schockierten Nation: «Wir werden diese Kathedrale gemeinsam wieder aufbauen», und zwar mit den grössten Künstlern und Talenten, die man finden könne. Das sei man diesem Wahrzeichen und Kristallisierungspunkt Frankreichs schuldig.

Riesige Schäden

Am Morgen schwankte die Stimmung weiter zwischen ungläubigem Kopfschütteln und Stossseufzern. Denn einerseits sind die Schäden riesig; andererseits fehlte nicht viel, dass eine der wichtigsten Kirchen der Welt rettungslos verloren gewesen wäre. Noch um 22 Uhr abends hatte Gallet erklärt, die Sache stehe Spitze auf Knopf; die nächsten 90 Minuten seien entscheidend. Eine Stunde danach: Entwarnung.

Brand von Notre-Dame Paris: Menschen sitzen und knien zusammen, manche beten. | © KNA

Am Morgen danach kommen die ersten Schadensaufnahmen. Der mittelalterliche Dachstuhl, die originale Eichenkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert: verloren. Teile der Gewölbekuppeln: eingestürzt.

Schäden auch durch Löschwasser

Einer der ersten Opfer war der 96 Meter hohe hölzerne Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert. Er brach unter den Flammen und dem Stöhnen der Bevölkerung am Seine-Ufer in sich zusammen. Temperaturen von bis zu 1000 Grad, Rauch, aber auch Löschwasser haben schwerste Schäden am Mauerwerk der Kirche verursacht.

Offenbar hat die Pariser Feuerwehr aber das allermeiste richtig gemacht. 400 Einsatzkräfte kämpften wie die Löwen. Die Feuerwehr konnte ein Übergreifen auf die umliegende Altstadt verhindern.

Eine grosse Schatzkammer

Gerettet wurden nicht nur das Gebäude mit seiner Gesamtstruktur, sondern auch wichtige Kunstschätze und Reliquien. Schliesslich ist die Pariser Kathedrale eine einzige Schatzkammer. Die als Dornenkrone Jesu Christi verehrte Hauptreliquie der Kirche; das Altarkreuz; das Goldgewand König Ludwigs des Heiligen; Gemälde; liturgische Geräte: gerettet.

Was von der Einrichtung verloren ging, ist noch nicht bekannt, ebenso der Zustand von Glasfenstern und Glocken.

Ein weiteres Glück im Unglück: Nur wenige Menschen kamen bei der Brandkatastrophe zu Schaden, und das trotz der extrem gefährlichen Löschbedingungen. Ein Feuerwehrmann wurde durch niederregnendes Blei von den geschmolzenen Dächern schwer verletzt.

Keine Brandstiftung

Zur Ursache des Grossfeuers hat sich die Staatsanwaltschaft schon in der Nacht festgelegt. Es gebe keine Hinweise auf einen Anschlag oder Brandstiftung. Ein Defekt oder Fehler bei den laufenden Renovierungsarbeiten habe den Brand ausgelöst. Eine bittere Ironie: Immer wieder brechen bei Restaurierungsarbeiten schwere Brände aus, die die Schäden am Gebäude am Ende vervielfachen.

So auch an Notre Dame. Bis 2027 sollte das Symbol europäischer Kultur umfassend restauriert werden; die Bauarbeiten hatten erst zu Jahresanfang begonnen. Statuen, Wände und Stützbögen hatten über die Jahrhunderte stark gelitten; die Pfeilerstruktur wies Rostschäden auf. Auf 150 Millionen Euro waren die Baukosten zuletzt angesetzt worden. Nun wird es ein Vielfaches werden; eine Milliardenkatastrophe.

Nach der Feuerwehr die Kunstexperten

Noch in der Nacht ging die erste Grossspendenzusage ein: Die Milliardärsfamilie Pinault, zu deren Firmenkonsortium unter anderem die Modemarken Gucci und Yves Saint-Laurent gehören, versprach 100 Millionen Euro für den Wiederaufbau. Nach der Feuerwehr schlägt nun wieder die Stunde der Kunstexperten und Restauratoren – nun in noch viel grösserem Massstab. (kna)

Spendenaufruf für die Kathedrale Notre-Dame in Paris


Immense Schäden nach Brand in Pariser Kathedrale Notre-Dame

Brand von Notre-Dame Paris: Menschen sitzen und knien zusammen, manche beten. | © KNA
Brand von Notre-Dame Paris: Menschen sitzen und knien zusammen, manche beten. | © KNA
Blick über die Seine auf den Brand der Kathedrale Notre-Dame. | © KNA
Blick über die Seine auf den Brand der Kathedrale Notre-Dame. | © KNA
Menschen stehen und blicken auf den Brand der Kathedrale Notre-Dame. | © KNA
Menschen stehen und blicken auf den Brand der Kathedrale Notre-Dame. | © KNA
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