Schweiz

«Wir müssen mehr tun, um zu zeigen, dass nicht alle Moscheen so sind»

Zürich, 3.11.16 (kath.ch) Razzien in der An’Nur-Moschee in Winterthur sorgen derzeit für negative Schlagzeilen. Welche Konsequenzen dies für den «Tag der Offenen Moscheen» im Kanton Zürich (12./13. November) hat, erklärt Muris Begovic, Sekretär der Vereinigung der islamischen Organisationen in Zürich (Vioz) im Gespräch mit kath.ch.

Sylvia Stam

«Wir müssen mehr tun, um zu zeigen, dass nicht alle Moscheen so sind. Das, was in Winterthur passiert ist, ist eine Ausnahme und keine Regel.», nennt Begovic als eine wichtige Konsequenz aus dem Wirbel um die Moschee An’Nur. Wie dies konkret geschehen kann, steht derzeit noch nicht fest. In Diskussion sei etwa, «vermehrt auf die Leute zuzugehen und mehr Werbung für den Tag der Offenen Moscheen zu machen», so Begovic gegenüber kath.ch.

Keine Antwort der An’Nur-Moschee

Für diesen Anlass, der im Rahmen der «Woche der Religionen» des Zürcher Forums der Religionen stattfindet, habe die Vioz alle Moscheen, die der Vereinigung angeschlossen sind, angefragt. Unter den elf Moscheen, die ihre Türen öffnen, ist auch der Türkisch Islamische Verein Winterthur, nicht jedoch die An’Nur Moschee. Diese habe auf die Anfrage der Vioz gar nicht geantwortet, sagt Begovic und fügt hinzu, dass weitere Moscheen, die nicht im Programm aufgeführt sind, andere Verpflichtungen geltend gemacht hätten.

Es sei kein Thema, aufgrund der Ereignisse in Winterthur doch noch weitere Moscheen zur Teilnahme aufzufordern, erklärt Begovic. «Das wäre zu kurzfristig, und als Dachverband haben wir auch nicht die Kompetenz, unseren Mitgliedern etwas vorzuschreiben.»

Stabile Verständigungsbrücke

Am Tag der offenen Moscheen vom 12. und 13. November lädt die Vioz die Bevölkerung ein, Moscheen im Kanton Zürich zu besuchen. «Unser Bestreben besteht darin, eine stabile Verständigungsbrücke zwischen den Menschen aller Religionen und Kulturen aufzubauen und einen respektvollen Umgang gegenseitig zu fördern», sagt Begovic. Laut Ausschreibung stehen die Imame und Vorsteher der Moscheevereine für Fragen zur Verfügung.

Ob der Trägerverein der An’Nur-Moschee aus der Vioz ausgeschlossen wird, stehe noch keineswegs fest. Begovic wehrt sich gegen entsprechende Medienaussagen. «Wir prüfen derzeit, ob der Moscheeverein An’Nur gegen unsere Statuten verstossen hat. Nur wenn dies der Fall ist, wäre ein Ausschluss ein Thema.» Ein Verstoss gegen die Statuten wäre beispielsweise dann gegeben, wenn der Vorstand gegen die Regeln der Rechtsstaatlichkeit verstossen hätte. «Die Vioz plädiert klar dafür, dass ihre Mitglieder den Regeln der Rechtstaatlichkeit unterstehen.»

Fahrlässig oder naiv?

Zu klären sei auch die Frage, ob sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen einzelne Personen oder gegen den Moscheeverein richteten. Anders gefragt: «Hat der Vorstand bewusst fahrlässig gehandelt oder war es schlicht Naivität?», fragt Begovic.

Auch die Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (Fids) hat mit grosser Bestürzung auf die «höchst verwerflichen Aussagen des Imams der An-Nur Moschee in Winterthur»  reagiert. «Ein Aufruf zu Mord und Denunziantentum an Muslimen, die nicht am gemeinsamen Gebet teilnehmen, hat weder Platz in der islamischen Tradition, noch in der schweizerischen Rechtsprechung. Diese Überzeugung beziehe sich auf jeden Mord- oder Gewaltaufruf aus religiösen Gründen, heisst es in einer Mitteilung des grössten islamischen Dachverbands der Schweiz.

In der An’Nur-Moschee in Winterthur wurde am Mittwoch, 2. November, ein Imam verhaftet, wie verschiedene Medien berichten. Ihm wird vorgeworfen, in einer Predigt zum Mord an Gläubigen aufgerufen zu haben, die nicht in der Moschee beteten. Es kam ausserdem zu Hausdurchsuchungen beim aktuellen Präsidenten des Trägervereins der Moschee sowie bei seinem Vorgänger. Im Haus eines dritten Exponenten der Moschee stellte die Polizei Unterlagen sicher. Des Weiteren wurden vier Männer festgenommen, die in der Moschee übernachtet hatten.

Muris Begovic, Sekretär der Vioz | © zVg
3. November 2016 | 14:51
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