Bischof Joseph Maria Bonnemain lässt der Theologischen Hochschule Chur die nötigen Freiräume.
Schweiz

Wenn Fussball-Nati Europameister wird, lädt Bischof Bonnemain Xhaka & Co in Churer Rittersaal zum Empfang

Erst der Segen, dann die Gratulation: In Österreich wird die bislang so erfolgreiche Fussballelf nicht nur vom Volk euphorisch gefeiert. Die katholischen Bischöfe im Alpenland befeuern die Triumphe der Austria-Elf ganz explizit. Und in der Schweiz? Auch der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain drückt der Nati die Daumen – und erweist sich als Fussball-Aficionado der besonderen Art. Bischof Jean-Marie Lovey gibt sich derweil fast philosophisch in Sachen Fussball.

Wolfgang Holz/KAP

«Selbstverständlich fiebert Bischof Bonnemain mit der Schweiz mit. Da er sehr oft unterwegs und beschäftigt ist, kann er nicht jedes Match sehen», teilt Churs Bistumssprecherin Nicole Büchel auf Anfrage von kath.ch mit. Er informiere sich aber während des Spiels über den Verlauf und freue sich, wenn die Schweizer Nati erfolgreich spiele.

«Bischof Bonnemain geht davon aus, dass im Herzen Gottes der Wunsch besteht, dass alle, ausnahmslos, Sieger werden.»

Nicole Büchel, Kommunikationsverantwortliche Bistum Chur

Dass die Verbundenheit zu einer Mannschaft durch einen Segen zum Ausdruck gebracht werden kann, verstehe Bischof Bonnemain, so Nicole Büchel. «Dennoch geht er davon aus, dass im Herzen Gottes der Wunsch besteht, dass alle, ausnahmslos, Sieger werden. Das kann man mit der menschlichen Logik, mit Sportgeist, nur schwer verstehen, doch es gehört zum Geheimnis der unendlichen, göttlichen Liebe.»

Nati nach Chur eingeladen, wenn sie EM gewinnt

Sagts und lässt einen sensationellen Überraschungsballon steigen. «Sollte die Schweiz Europameister werden, lädt Bischof Joseph Maria heute schon die Schweizer Nationalmannschaft nach Chur ein – ein Empfang im Rittersaal macht den Segen mehr als wett», erklärt Nicole Büchel.

Blick auf Chur mit dem Priesterseminar des Bistums Chur, Sankt Luzi (l.), der Kathedrale Sankt Mariä Himmelfahrt und dem Bischöflichen Schloss (m.) sowie der evangelisch-reformierten Martinskirche (r.) am 20. Juli 2021 in Chur (Schweiz).
Blick auf Chur mit dem Priesterseminar des Bistums Chur, Sankt Luzi (l.), der Kathedrale Sankt Mariä Himmelfahrt und dem Bischöflichen Schloss (m.) sowie der evangelisch-reformierten Martinskirche (r.) am 20. Juli 2021 in Chur (Schweiz).

Bischof Joseph Maria wurde als Auslandschweizer in Barcelona geboren und kam bereits mit 18 Jahren fürs Studium in die Schweiz. «Er identifiziert sich voll und ganz mit der Schweiz, ohne seine katalanischen Wurzeln zu vergessen», so Büchel.

Österreichischer Bischof segnete Austria-Team per Video

Doch noch ist es längst nicht soweit. Derweil herrscht in Österreich besonders eitel Sonnenschein angesichts der überraschenden Siege von Austrias Fussballmannen bei der Europameisterschaft in Deutschland.

Kardinal Christoph Schönborn mit Alois Schwarz, Juni 2018
Kardinal Christoph Schönborn mit Alois Schwarz, Juni 2018

«Sportbischof» Alois Schwarz aus St. Pölten war nämlich rund um das letzte Vorrundenspiel der österreichischen Fussball-Nationalmannschaft im «Grosseinsatz»: Vor der entscheidenden Begegnung mit den Niederlanden sprach er der Rangnick-Elf via Instagram-Video seinen Segen aus und äusserte den Wunsch, «dass sie alle Kraft einsetzen, um zu gewinnen» und sportlich erfolgreich sind.

Kroatiens Elf nützte Papst-Audienz nichts

Und anders als das Team Kroatiens, das nach einer Audienz vor der Europameisterschaft in Deutschland mit Papst-Segen ins EM-Turnier ging, siegte Österreich am Dienstagabend und wurde sogar Gruppensieger.

Der Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler.
Der Bischof von Innsbruck, Hermann Glettler.

Nach dem «beeindruckenden 3:2-Sieg gegen die Niederland» meldete sich der St. Pöltner Bischof erneut mit einer «herzlichen Gratulation» zu Wort und wünschte den Spielern und dem gesamten Trainerstab auch für alle zukünftigen Spiele viel Erfolg. Er drücke fest die Daumen, versicherte Schwarz: «Weiter so, Österreich!»

«Geht’s noch?! Gewaltig!»

Als Fussball-Fan erwies sich auch der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler in einem Instagram-Posting. Auf dem verbreiteten Bild mit jubelnden Teilnehmern am Priesterrat der Diözese vor dem TV-Gerät im Bildungshaus St. Michael ist auch Glettler zu sehen, wie er lachend einen Fussball in die Höhe hält. Darunter die Worte: «Geht’s noch?! Gewaltig! Ganz grosse Emotion und Freude!»

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Schon im Vorfeld der EURO 2024 hatten Schwarz, Glettler sowie weitere Bischöfe Österreichs Team viel zugetraut. «Wie jeder Fan wünsche ich mir natürlich eine fussballerische Grosstat», sagte etwa der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, über die Chancen der Nationalmannschaft: Er könne sich «durchaus vorstellen, dass sie zumindest das Viertelfinale erreichen wird». Ähnlich optimistisch äusserte sich der Linzer Bischof Manfred Scheuer in einem Kathpress-Rundruf.

Bischof Jean-Marie Lovey von Sitten.
Bischof Jean-Marie Lovey von Sitten.

Besser friedlich auf Fussballfeld als Krieg auf Schlachtfeld

Bischof Jean-Marie Lovey vom Bistum Sitten gibt sich derweil philosophisch und bekennt, dass er die Fussballeuropameisterschaft in Deutschland nicht verfolge – wie Paul Martone, Mediensprecher des Bistums Sitten, in einer Mail auf Anfrage von kath.ch wissen lässt. «Ich habe heute morgen den Bischof in der Sakristei auf Ihre Frage angesprochen.»

Bischof Lovey sei jedoch froh, dass man an der Europameisterschaft friedlich auf dem Fussballfeld kämpfe: Denn das sei viel besser, als sich auf dem Schlachtfeld zu bekriegen.

Bischof Felix Gmür vom Bistum Basel drückt der Schweizer Fussballnationalmannschaft für den weiteren EM-Verlauf fest die Daumen, wünscht weiterhin viel Erfolg, begeisterte Fans und friedliche Spiele.


Bischof Joseph Maria Bonnemain lässt der Theologischen Hochschule Chur die nötigen Freiräume. | © Youtube / Bistum Chur
27. Juni 2024 | 09:00
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