Hindu-Frauen im Haus der Religionen| © 2014 Vera Rüttimann
Schweiz
Hindu-Frauen im Haus der Religionen| © 2014 Vera Rüttimann

Weltneuheit in Bern: Die ersten vier Hindu-Priesterinnen erhielten die Weihe

Bern, 4.2.15 (kath.ch) Die Hindugemeinschaft im Haus der Religionen in Bern hat am Sonntag vier Frauen zu Priesterinnen geweiht. Damit wagt sie weltweit einen neuen Kurs.

Regula Pfeifer

Das gebe es weder in Indien noch in Sri Lanka, sagt Sasikumar Tharmalingam. Der Priester der Hindugemeinschaft Saivanerikoodam im Haus der Religionen hat gemeinsam mit vier Gleichgesinnten neue Praktiken eingeführt, etwa das Frauenpriestertum.

Ausschlaggebend für sein Umdenken war die Auseinandersetzung mit der hiesigen Gesellschaft. Der mit 14 Jahren aus Sri Lanka immigrierte Mann und seine Kollegen hätten sich gefragt: Wie könne ein Gott das Kastensystem und die ungleiche Behandlung von Frau und Mann akzeptieren? Denn bei den Hindus konnten bisher nur Männer der Kaste der Brahmanen Hindu-Priester werden, andere nicht. Und Frauen schon gar nicht.

Heilige Schrift enthält kein Priesterinnen-Verbot

Jahrelang studierten Tharmalingam und seine Kollegen die heiligen Schriften des Hinduismus und fanden keinerlei Hinweise auf Vorschriften, die diese Praktiken unterstützen würden. Vielmehr stiessen sie auf Passagen, die besagten, Männer und Frauen seien gleich. Um sich sicher zu sein, unternahmen sie schliesslich eine Reise quer durch Indien und Sri Lanka und sprachen mit ortsansässigen Priestern.

Sie kamen zum Schluss: «Diese Praktiken haben nichts mit Religion zu tun, da haben die Menschen ihre Gedanken einfliessen lassen», wie Priester Tharmalingam sagt. So fühlten sie sich frei, sie in ihrer Hindu-Gemeinschaft nicht anzuwenden und suchten Frauen, die Priesterinnen werden wollten. Vier Frauen um die Vierzig zeigten Interesse. Sie wurden durch die Hindu-Priester der Gemeinschaft und einen Professor aus Indien ausgebildet und am vergangenen Sonntag im Haus der Religionen zu Priesterinnen geweiht.

In der tamilischen Gesellschaft stiess das nicht auf eitel Freude, wie Tharmalingam zugibt. Doch er bleibt beim Entscheid. «Das kommt schon gut mit der Zeit, sie werden sich daran gewöhnen», ist er überzeugt.

 

 

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