Schweiz

Weltjugendtag-Macher Iten: «Treffen in Freiburg soll Etappenziel sein auf dem Lebensweg»

Freiburg i.Ü., 20.4.15 (kath.ch) Martin Iten freut sich auf den ersten nationalen Weltjugendtag in Freiburg und hofft, dass die Teilnehmenden ähnlich eindrückliche Glaubenserfahrungen machen können, wie er es bisher konnte. Dies erzählt der Polygraf aus Zug im Gespräch mit kath.ch. Iten ist  im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft ARGE Weltjugendtag für das Fundraising zuständig und im OK in Fribourg für das Festival und die Werbung. Der nationale Weltjugendtag findet vom 1. bis 3. Mai statt.

Regula Pfeifer

Mit was für Gefühlen sehen Sie den Weltjugendtag in Freiburg auf sich zukommen?

Martin Iten: Ich freue mich, es wird eine tolle Sache. Erstmals haben wir ein nationales Treffen, an dem alle vier Landessprachen vertreten sind. Das ist zwar eine organisatorische Herausforderung, aber wir profitieren viel voneinander.

Weshalb haben Sie den Weltjugendtag national organisiert?

Iten: In der Schweiz gibt es seit Jahren in der Romandie, in der Deutschschweiz und im Tessin einen Weltjugendtreffen. Wir Verantwortlichen treffen uns im sogenannten Nationalkomitee und hatten schon lange den Wunsch, ein gemeinsames Treffen zu organisieren. Die Initiative geht auch stark auf einen Wunsch des ehemaligen Schweizer Jugendbischofs Denis Theurillat zurück.

Freiburg ist ideal dafür, die Stadt liegt mitten auf der Sprachgrenze. Ein nationaler Weltjugendtag in der Schweiz widerspiegelt wegen seiner schweizerischen Mehrsprachigkeit auch ein bisschen den internationalen Weltjugendtag. Die Jungen können hier sehen, dass Jugendliche aus anderen Sprachregionen ebenso am Suchen sind wie sie selbst.

Was für Erinnerungen und Gefühle haben Sie an den letzten Weltjugendtag in der Deutschschweiz und jenen in Brasilien?

Iten: 2014 in Schwyz war eine sehr schöne Erfahrung. Wir konnten rund 800 junge Menschen empfangen. Das sehr junge Organisationsteam blühte auf und bewies Kreativität und Leidenschaft. Auch die Gastfreundschaft von Schwyz war gross.

Brasilien hinterliess gemischte Gefühle. An den Tagen, bevor der Papst kam, herrschte ein organisatorisches Chaos. Auch wetterbedingt war die Stimmung nicht so gut. Es regnete die ganze Zeit, und ich lag ein paar Tage krank und frierend im Bett. Doch das Beten mit drei Millionen jungen Menschen an der Copacabana und die Erfahrungen mit Gott in den stillen Momenten waren sehr berührend. Vor und nach dem Weltjugendtag bereisten wir das Land und trafen viele engagierte Christen, etwa die Mutter-Theresa-Schwestern in den Favelas. Davon zehre ich bis heute, es hat mich ermutigt und inspiriert, mein Christ-Sein in der Schweiz zu leben.

Wie viele und welche Menschen sind an der Organisation beteiligt?

Iten: Im OK sind rund 18 Personen dabei. Doch insgesamt sind viel mehr Jungendliche an der Organisation beteiligt, alle ehrenamtlich. Es ist ein Anlass von Jungen für Junge.

Was ist das Ziel des Weltjugendtags in Freiburg?

Iten: Die Teilnehmer sind zwischen 16 und 24 Jahre alt. Viele von ihnen haben keine eigentliche kirchliche Sozialisierung. Wir wollen ihnen ermöglichen, den Glauben so dynamisch zu erfahren, wie wir es selbst konnten. Wir wollen Raum schaffen, damit die jungen Menschen in Berührung mit dem lebendigen Gott kommen können. Es soll ein Etappenziel auf ihrem Lebensweg sein. Die Hoffnung und Freude am Glauben, die wir selber empfangen haben, wollen wir weitergeben.

Was, denken Sie, wird den Teilnehmenden besonders gefallen?

Iten: Ich freue mich, dass wir – da die Kirche das Jahr des geweihten Lebens ausgerufen hat – eine junge katholische Gemeinschaft zu Gast haben. Die Gemeinschaft von Jerusalem kommt aus Tarbes in Frankreich. Drei ihrer Ordensleute, die in der Schweiz aufgewachsen sind, sprechen am Weltjugendtag mehrmals zu den Jungen. Das ist eines von vielen Highlights.

Bringt der Anlass die Jugendlichen zurück in die Kirche oder nicht?

Iten: Für uns sind nicht volle Kirchen das wichtigste Ziel. Wir möchten den Jungen ermöglichen, ein Umfeld zu finden, in dem sie eine Beziehung mit Gott eingehen oder vertiefen können.

Aus der Vergangenheit weiss ich, dass der Weltjugendtag Früchte trägt für die Kirche und die Gesellschaft. Jugendliche übernehmen danach Verantwortung in der Pfarrei, gehen ihrer kirchlichen Berufung nach, sind in ihrem Umfeld, im Arbeitsalltag als überzeugte Christen unterwegs. Auch verschiedene Initiativen gehen auf den Weltjugendtag zurück. So die Adoray-Gebetsabende. Sie entstanden rund um den Weltjugendtag in Köln 2005. Inzwischen gibt es diese einstündigen, wöchentlichen Gebetsanlässe in über 15 Schweizer Städten.

Wo stehen die Vorbereitungen für Freiburg?

Iten: Es gibt viel zu tun, läuft aber und bleibt sicherlich spannend.

Sie organisieren auch privat für den Weltjugendtag in Freiburg? Wie das?

Iten: Ich bin zu 20 Prozent angestellt von der ARGE Weltjugendtag (Arbeitsgemeinschaft Weltjugendtag) und zwar hauptsächlich für die Sicherstellung der Finanzierung und das Fundraising, da wir ja zu 100 Prozent von Spenden leben. Daneben arbeite auch ich ehrenamtlich in den Vorbereitungsteams mit, so wie alle anderen auch. Ich engagiere mich ehrenamtlich, weil ich an den Weltjugendtreffen auf meinem Weg – ich bin nun 28 – sehr positive Erfahrungen gemacht habe. Ich helfe gern mit, damit andere dasselbe erleben können.

Zum Anlass in Freiburg: Was wäre der schönste und was der schlimmste Fall, der eintreten könnte?

Iten: Sehr toll wäre, wenn mir im Nachhinein eine oder mehrere Teilnehmende sagen, dass die Veranstaltung sehr wichtig war auf ihrem Lebensweg, dass es sie positiv weiter gebracht hat. Das Negativste wäre, wenn es am Samstag regnet. Wir haben dann ein Openair-Konzert geplant. Deshalb hoffe ich auf trockenes, möglichst warmes Wetter. (rp)

Martin Iten, Verantwortlicher Marketing und Fundraising am Weltjugendtag in Freiburg| © 2015 zVg
20. April 2015 | 18:51
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