Weihbischof Stübi: «Das war ein grossartiges Bild der Lebendigkeit unserer Weltkirche»
Wenn Afrikanerinnen und Afrikaner Gottesdienst feiern, geht es deutlich lebendiger und bunter zu als in Eucharistiefeiern hierzulande. Der Gottesdienst der Afrika-Wallfahrt vergangenes Wochenende im Kloster Einsiedeln hat auch Weihbischof Josef Stübi begeistert, wie er im Interview nach dem Gottesdienst bekennt.
Wolfgang Holz
Herr Weihbischof Stübi, wie haben Sie jüngst persönlich den Gottesdienst der Afrikanischen Wallfahrt in Einsiedeln erlebt?
Weihbischof Josef Stübi*: Es war toll. Diese ansteckende Glaubensfreude – Musik, Gesang, liturgisches Tanzen! Alt und Jung waren da. Es feierten Katholikinnen und Katholiken aus unterschiedlichen Regionen Afrikas – illustriert auch durch Kleider, Sprache, Gesänge.
Und dies auch noch in der Klosterkirche Einsiedeln mit einem Schweizer Weihbischof. Dies hat ein grossartiges Bild der Lebendigkeit unserer Weltkirche gegeben. Und in der Mitte stand Christus mit seiner Botschaft.
Was sagen Sie zum Ablauf der Liturgie, die war ja sehr bunt und ausladend…
Stübi: Der Ablauf ging entlang unserer klassischen Messliturgie – aber manche Elemente wurden besonders ausgestaltet. Eindrücklich war für mich zum Beispiel die Gabenbereitung: Neben Brot und Wein für die Eucharistie habe ich in einer tanzenden Prozession zuerst von Kindern viele Zeichnungen erhalten.
Anschliessend wurden Nahrungsmittel zum Weitergeben gebracht. Diese wurden dann vor dem Altar hingelegt. Es war für mich eine Ehre und eine grosse Freude, diesem Gottesdienst vorstehen zu dürfen. Er stand ja unter dem Thema: «Frieden – Peace – La paix».
Was können klassische Pfarreien von solchen Gottesdiensten lernen?
Stübi: Wir können vor allem die gelebte Glaubensfreude im Gottesdienst übernehmen. Die lebendige und spürbare Freude an Gott und an der Gemeinschaft ist so lebendig, dass sie ansteckend wirkt. Der Gottesdienst in Einsiedeln war in sich stimmig. Einzelne Teile einfach eins zu eins in unsere Gottesdienste zu implementieren, wäre aber wohl eher schwierig.
Warum?
Stübi: Es gibt schon grosse kulturelle Unterschiede. Obwohl das für mich nicht das Entscheidende ist, denke ich dabei auch an die Dauer: Der Gottesdienst der Afrika-Wallfahrt im Kloster Einsiedeln dauerte zweieinhalb Stunden. Aber nichtsdestotrotz, wir können und sollen zusammenrücken und voneinander lernen – und im Sinne eines vermehrten Miteinanders als Glaubensgemeinschaft auch voneinander profitieren.
Wie blicken Sie generell auf die Missionen?
Stübi: Ich nehme an, Sie sprechen die Arbeit der Menschen in den früher so genannten «Missionsgebieten» an. Jesu Anweisung, in die Welt hinauszugehen und die frohe Botschaft zu verkünden, wurde ernst genommen – und war an vielen Orten erfolgreich. Wo früher Missionarinnen und Missionare tätig waren, existieren heute lebendige, kraftvolle und eigenständige Kirchen als Teil unserer Weltkirche.
Die Feiernden beim Gottesdienst anlässlich der Afrikanischen Wallfahrt in Einsiedeln entstammen alle solchen Teilkirchen. Der Auftrag Jesu an seine Jüngerinnen und Jünger gilt heute noch. Aber nicht mehr so sehr in dem Sinne, dass Menschen von hier in die Welt hinausgehen. Denn die Schweizer Bistümer profitieren immer mehr durch engagierte Gläubige aus anderen Teilen Europas und der Welt.
*Das Interview wurde schriftlich geführt.
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