Schweiz

Vatikan schliesst pädophilen Kapuziner Joël Allaz vom Orden aus

Luzern, 23.6.17 (kath.ch) Die Glaubenskongregation hat den pädophilen Kapuziner Joël Allaz von den Ordensgelübden entbunden und aus dem Klerikerstand entlassen. Dies teilt die Schweizer Kapuzinerprovinz am 23. Juni mit.

Der Ausschluss erfolgte laut Mitteilung bereits am 20. Mai. Allaz, der sich sexueller Übergriffe an Dutzenden Kindern schuldig gemacht hat, ist damit nicht mehr Mitglied des Kapuzinerordens und kein Priester mehr. Die Kapuziner wollen den 77-jährigen Allaz, der inzwischen krank und gebrechlich sei, dennoch «nicht einfach auf die Strasse stellen».

Gemäss «den Ansprüchen des Evangeliums, welches Gerechtigkeit und Barmherzigkeit fordert, gewährt ihm der Orden weiterhin Unterkunft in einem seiner Häuser», schreiben die Kapuziner. Allaz, der zuletzt durch die Erscheinung des Buchs «Mon Père, je vous pardonne» von Daniel Pittet im Februar dieses Jahres in die Schlagzeilen geriet, wohnt aktuell im Kapuzinerkloster Wil SG.

Kapuziner überrascht von harter Massnahme

Die Schweizer Kapuziner sind überrascht von der Härte dieser Massnahme, insbesondere vom Ordensausschluss, wie deren Sprecher Willi Anderau gegenüber kath.ch sagte. Dass Allaz aus dem Klerikerstand entlassen werde, sei verständlich angesichts der Tatsache, dass die Kapuziner ihm schon seit Jahren ein Berufsverbot auferlegt hätten.

Da jedoch auch die Ordensgemeinschaften vom Papst anerkannt seien, könne dieser einen solchen Ausschluss verfügen, wie es nun geschehen sei. Gemäss Anderau muss der Papst dem Entscheid der Glaubenskongregation zugestimmt haben.

«Für die Kapuziner ändert sich de facto nichts», so Anderau. «Wir werden weiter für ihn aufkommen. Die christliche Nächstenliebe gebietet das.»

Dreimal vor Gericht

Allaz stand für seine Taten dreimal vor Gericht: 1995 wurde eine erste Anklage erhoben, auf die aber infolge Verjährung der Fälle nicht weiter eingegangen werden konnte.

2008 kam es zu einer weiteren gerichtlichen Voruntersuchung, dabei waren 22 Opfer identifiziert worden, die Fälle waren aber ebenfalls verjährt. Allaz habe während dieser Untersuchungen zwei weitere Opfer genannt, die zwischen 1992 und 1995 in Frankreich missbraucht worden seien. Das Dossier sei daraufhin an die Staatsanwaltschaft von Grenoble (F) weitergeleitet worden. 2012 wurde er in Grenoble zu einer Haft von zwei Jahren bedingt schuldig gesprochen.

Im Buch «Mon Père, je vous pardonne», welches im Februar auf Französisch erschien, schildert Daniel Pittet, wie er als Ministrant während vier Jahren von Allaz sexuell missbraucht wurde. Papst Franziskus hat das Vorwort zum Buch geschrieben. Der autobiagrafische Text erscheint im August im Herder-Verlag auf Deutsch. (sys)


 

 

 

Enthüllungsbuch von Daniel Pittet | © Maurice Page
23. Juni 2017 | 16:42
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