Kardinal Jose Tolentino de Mendonca, Leiter des Dikasteriums für Bildung und Kultur, vor dem Vatikan-Pavillon der Biennale Venedig, April 2024
Vatikan

Vatikan mit Sozialprojekt bei Architektur-Biennale in Venedig

Mit seinem Kunstprojekt im Frauengefängnis hat der Vatikan bei der Biennale 2024 für Aufsehen gesorgt. In diesem Jahr steht in Venedig die Architektur im Zentrum – auch diesmal mit einem besonderen Beitrag des Vatikans.

Umweltschutz und kollektive Weisheit statt Verschwendung und Einsamkeit: Mit einem Kunst- und Sozialprojekt im Komplex Santa Maria Ausiliatrice beteiligt sich der Vatikan an der Architektur-Biennale (10. Mai bis 23. November) in Venedig.

«Opera Aperta» wird zum offenen Ort der Begegnung

Unter dem Titel «Opera Aperta» soll das frühere Kirchengelände zum offenen Ort der Begegnung zwischen Kunstschaffenden, Besuchern und der Stadtbevölkerung werden, sagte Kardinal José Tolentino de Mendonça am Mittwoch vor Journalisten im Vatikan.

«Der Papst inspiriert die Kirche weiterhin von Grund auf, und dieser Pavillon ist der lebende Beweis, wie sein Wort wirkt.»

Dabei wolle man auch die wachsende Einsamkeit in der Gesellschaft bekämpfen und die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz betonen, wie sie Papst Franziskus in der Umweltenzyklika «Laudato si» von 2015 formulierte, so der Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für Kultur und Bildung. «Der Papst inspiriert die Kirche weiterhin von Grund auf, und dieser Pavillon ist der lebende Beweis, wie sein Wort wirkt», sagte Mendonça zur Frage nach dem Einfluss des derzeit erkrankten Kirchenoberhaupts auf das Projekt.

Kirche als Ort für kulturelle Aktivitäten

Die 19. Internationale Architektur-Biennale 2025 unter dem Motto «Intelligens. Natural. Artificial. Collective» wird kuratiert von dem italienischen Architekten Carlo Ratti. Die Stadt Venedig hat dem Heiligen Stuhl das Gebäude im Stadtteil Castello, zwischen «Giardini» und «Arsenale» der Biennale, für kulturelle Aktivitäten bis 2028 überlassen, so der Vatikan.

Pavillon der Ausstellung "Mario Botta. Spazio Sacro" in Locarno.
Pavillon der Ausstellung "Mario Botta. Spazio Sacro" in Locarno.

Die ehemaligen Kirchenräume werden im Rahmen des Projekts auch restauriert, sagte die spanische Architektin Marina Otero Verzier, zusammen mit der Venezianerin Giovanna Zabotti Kuratorin des Vatikan-Pavillons. Dabei liege der Fokus im Sinne der Nachhaltigkeit auf «Reparieren» statt erneuern und dem Schlagwort «Care and repair»: Es gehe um Respekt für bestehende Materialien und der Leistung von Künstlern und Architekten früherer Generationen, so die Expertin für «Social Design».

Gemeinschaftsküche zum Plaudern

«Wir wollen dem Gebäude und der Umgebung neues Leben verleihen», erklärte Otero Verzier. «Es wird eine Plattform für Dialog und frische Ideen der Menschen vor Ort.» Dazu soll auch eine Gemeinschaftsküche beitragen, die zweimal pro Woche für Biennale-Besucher und Anwohner als Raum für Austausch bei gemeinsamem Essen öffnet. Das Konservatorium «Benedetto Marcello» bietet Musikern Proberäume und Instrumente, die stundenweise reserviert werden können.

Im vergangenen Jahr hatte sich der Vatikan mit einem Kunstprojekt im Frauengefängnis Giudecca an der 60. Kunst-Biennale beteiligt. Die ungewöhnliche Aktion, bei der Gefangene durch die Ausstellung führten, lockte 20.000 Besucher an. Im April 2024 hatte Franziskus als erster Papst überhaupt die Biennale besucht. (cic)


Kardinal Jose Tolentino de Mendonca, Leiter des Dikasteriums für Bildung und Kultur, vor dem Vatikan-Pavillon der Biennale Venedig, April 2024 | © KNA
14. April 2025 | 10:00
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