Vatikan-Experte: «Kurienreform ist schwierige Sache»

Rom/Linz, 12.1.14 (Kipa) Im Hinblick auf die anstehende Kurienreform warnt der Rektor des römischen Priesterseminars «Anima», Franz Xaver Brandmayr, vor allzu grossen Erwartungen. Der Papst werde sicher initiativ werden, so Brandmayr im Interview der österreichischen Tageszeitung «Kurier» (Sonntag), «aber so eine Reform ist eine schwierige Sache. Wie ändert man einen sehr eingesessenen Apparat?»

Der Papst habe zwar die Macht, viele neue Personen in die Kurie zu bringen, «aber in der Struktur braucht man doch erfahrene Leute, die sich auskennen. Dann sickern die alten immer wieder ein.» Zudem sei die Änderung eines Apparats bei laufendem Betrieb «wie eine Operation am offenen Herzen». Franziskus habe hervorragende Leute von aussen geholt. Aber von diesen kenne keiner die Kurie von innen. Brandmayr: «An der Kurie ist der Widerstand von jenen, die ohnehin weg gehören, gross.» Eine weitere Gefahr laut Brandmayr: «Als guter Jesuit glaubt Franziskus, er schafft das auch alleine. Jesuiten sind Einzelkämpfer. Er braucht ein gutes Team in der Kurie. Er hat einen hervorragenden Kardinalstaatssekretär bestellt. Aber dieser steht auch alleine. Sein Vorgänger Bertone hat diese Erfahrung schmerzvoll machen müssen. Er kam von aussen und sie haben ihn dumm sterben lassen.»

Subsidaritätsprinzip

Zuversichtlicher zeigte sich der Anima-Rektor, dass nationale und kontinentale Bischofskonferenzen künftig stärker aufgewertet werden. «Das wäre vernünftig. Muss eine Kongregation in Rom in der Liturgie über alle Fragen entscheiden? Hier sollte man das Subsidiaritätsprinzip umsetzen.» Das sei immer eine Riesenfrage: «Gilt das Subsidiaritätsprinzip, ein Grundprinzip der katholischen Soziallehre, innerhalb der Kirche? Das ist theoretisch immer wieder bestritten worden.»

Brandmayr verwies auf den Münchner Kardinal Reinhard Marx. Dieser habe seine Doktorarbeit darüber geschrieben, dass das Subsidiaritätsprinzip innerhalb der Kirche gilt. Er sei nun auch Mitglied der Kurienreformkommission. Brandmayr: «Franziskus schätzt Marx, vor allem auch deshalb, weil er so gut organisiert ist. Wenn wir das Subsidiaritätsprinzip in der Kirche umsetzen können, ist der Rest schon gewonnen. Mein Ansatz ist, dass man die Kurie nach dem Prinzip reformiert, was die Diözesen brauchen.»

Laien und Pflichtzölibat

Laien werden künftig in der Kirche eine wesentlich stärkere Bedeutung spielen, zeigte sich Brandmayr überzeugt: «Das erste Jahrtausend der Kirche war das der Wanderprediger. Das zweite Jahrtausend war das der Mönche. Aus jeder Krise kamen neue Orden. Daraus resultiert auch das Zölibat. Das 20. Jahrhundert hat viele Laienbewegungen hervorgebracht. Meine Vermutung ist, dass das dritte Jahrtausend das der Laien wird.» Die Priester sollten in ihrer Dienstfunktion «viel stärker in die Laien und in die Pfarren eingegliedert sein», so Brandmayr: «Das würde auch zu einer stärkeren Beheimatung der Priester führen.»

Dass der Pflichtzölibat abgeschafft wird, glaube er eher nicht, so der Rektor weiter mit Verweis auf Papst Franziskus. Dieser sei von seinem Priesterbild her «ganz stark der Jesuit». Der Papst verlange «von jedem Priester das, was man von einem Jesuiten verlangt. Mit diesem starken Anspruch kann ich es mir eigentlich nicht vorstellen, dass er entgegenkommt.»

Angesprochen auf die kirchliche Sexualmoral meinte Brandmayr: «Man kann immer hohe Ziele setzen. Aber wenn man das hohe Ziel zur absoluten Norm macht, verbaut man sich die Möglichkeiten. Genau das hat man im sexuellen Bereich gemacht. Die höchste ideale Norm wurde zur absoluten Norm. Man muss den Menschen einen Weg eröffnen, den sie Richtung Ideal gehen können. Das ist ganz die Linie des Papstes.» (kipa/kap/am)

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