Vatikan

Vatikan bekräftigt traditionelle Strukturen gegen Reformpläne

Ungeachtet der Reformbestrebungen deutscher Bistümer hat der Vatikan die traditionelle Ordnung von Pfarreien bekräftigt. Laien bleiben von der Gemeindeleitung ausgeschlossen.

Für die Aufhebung oder Zusammenlegung von Pfarreien, wie sie vielerorts geplant werden, verlangt ein am Montag veröffentlichtes Dokument jeweils begründete Einzelfallentscheidungen von den Bischöfen. Der Aufgabe von Kirchengebäuden wegen Finanzknappheit oder Bevölkerungsrückgang erteilt der Vatikan eine Absage. Gläubige werden vielmehr zu Spenden angehalten; eine Rechenschaftspflicht für Pfarrer gegenüber ihren Gemeinden besteht nicht.

Instruktion in deutscher Sprache

Das auch auf Deutsch veröffentlichte Schreiben der Kleruskongregation mit dem Titel «Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche» hat die Form einer Instruktion. Diese klärt als eine Art Verwaltungsanweisung die Anwendung kirchenrechtlicher Normen. Papst Franziskus billigte das Dokument.

Ausdrücklich stärkt der Text Pfarrer, wenn es um die Frage von Herabstufungen oder Entpflichtungen im Zusammenhang mit Pfarreizusammenschlüssen geht. Die Wahrung ihrer Zukunftsperspektiven dürfe «nicht mit der Berufung auf unumgängliche Reformnotwendigkeiten oder gar mit dem Verweis auf den priesterlichen Gehorsam abgetan werden», heisst es in einem Begleitschreiben der Kleruskongregation.

Nichtpriester nur in ausserordentlichen Fällen in der Leitung

Bestrebungen, das Amt des Pfarrers einem Team aus Priestern und Laien anzuvertrauen, widerspricht die Instruktion deutlich. Laien dürfen «auch nicht im Falle des Priestermangels» den Titel oder Funktionen eines Pfarrers annehmen. Zwar können als ausserordentliche Massnahme Nichtpriester «an der Ausübung der Hirtensorge einer Pfarrei beteiligt» werden; dabei ist laut dem Schreiben auf Bezeichnungen wie «Leitungsteam» zu verzichten.

Als Zweck des Schreibens nennt der Vatikan eine Antwort auf Strukturreformen, die «wegen tiefgehender sozialer und kultureller Veränderungen in nicht wenigen Diözesen vorbereitet werden oder durchgeführt worden sind». Dabei mahnt die Instruktion, eine «Klerikalisierung der Pastoral» zu überwinden. Laien bleiben indessen auf «die Übernahme ihnen entsprechender Verpflichtungen» beschränkt.

Die Deutsche Bischofskonferenz will das überraschend veröffentlichte Dokument nach Aussage ihres Pressesprechers sorgfältig studieren und beim nächsten Treffen der Diözesanbischöfe erörtern. «Daher kann ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Kommentar geben», fügte Matthias Kopp, Pressesprecher der deutschen Bischöfe, auf Anfrage hinzu. (cic/kna)

Demonstranten in Trier stimmen ab bei der Protestaktion «5 vor 12» gegen Grosspfarreien der Initiative «Kirche vor Ort» im Oktober 2018. | © KNA
20. Juli 2020 | 13:49
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Gemeindeleitung in der Schweiz

In Schweizer Bistümern können im Unterschied zu Deutschland nicht geweihte Seelsorgerinnen und Seelsorger in Pfarreien der Gemeinde vorstehen. Sie erhalten dafür vom Ortsbischof eine ausdrückliche Beauftragung.

Je nach Grösse der Pfarrei oder des Seelsorgeraumes stehen in einem Leitungsteam sowohl Gemeindeseelsorger wie Priester miteinander im Einsatz. Diese Form der Gemeindeleitung wird vor allem in den deutschsprachigen Bistümern angewandt. (ms)