Carlo Maria Vigano | © KNA
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Carlo Maria Vigano | © KNA

US-Bischöfe uneins über neue Vertuschungsvorwürfe

Washington, 29.8.18 (kath.ch) In der katholischen Kirche in den USA gehen die Meinungen über die jüngsten Vertuschungsvorwürfe rund um den missbrauchsbeschuldigten Ex-Kardinal Theodore McCarrick auseinander.

Kardinal Joseph Tobin, Erzbischof von Newark, erklärte, der entsprechende Brief des früheren Apostolischen Nuntius Carlo Maria Vigano enthalte faktische Fehler und Anspielungen. Er habe das Schreiben, in dem Vigano hohen Kirchenvertretern bis hin zu Papst Franziskus Mitwisserschaft bei sexuellen Verfehlungen McCarricks vorwirft, schockiert und traurig zur Kenntnis genommen, so Tobin laut einem Bericht der Zeitschrift «National Catholic Reporter» (Dienstag). Welche «faktischen Fehler» der Kardinal genau meint, geht daraus nicht hervor.

Unterdessen kritisierte der Chicagoer Kardinal Blase Cupich seinen Amtsbruder Bischof Joseph Strickland, der Viganos elfseitiges Memorandum kurz nach dessen Veröffentlichung am Sonntag als «glaubwürdig» bezeichnet hatte. Ihn interessiere, worauf sich eine solche Aussage stütze, zitierte der «National Catholic Reporter» den Kardinal.

Unabhängige Untersuchung

Gleichwohl riet Cupich den US-Bischöfen, sich für Verfehlungen gegenseitig zur Rechenschaft zu ziehen. Er plädierte ausserdem dafür, bei der Aufarbeitung von Missbrauch Laienexperten einzubeziehen und mit der nötigen Unabhängigkeit auszustatten.

Derweil stellte sich der Bischof von Phoenix, Thomas Olmsted, hinter Vigano. Dessen Vorwürfe könne er zwar selbst nicht verifizieren, so der Bischof in einer Mitteilung auf der Internetseite seines Bistums. Doch Vigano, den er aus seiner Zeit im vatikanischen Staatssekretariat kenne, habe er stets als aufrichtigen und integren Mann erlebt.

Gründlich untersuchen

«Deshalb bitte ich, dass Erzbischof Viganos Zeugnis ernstgenommen und jeder von ihm erhobene Vorwurf gründlich untersucht wird.» Wer auch immer sexuellen Missbrauch gedeckt habe, müsse ans Licht kommen.

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz, Kardinal Daniel DiNardo, drängte unterdessen ebenfalls auf rasche und vollständige Aufklärung der Affäre McCarrick. «Ohne diese Antworten werden unschuldige Männer von den Anklagen beschmutzt und die schuldigen können die Sünden der Vergangenheit wiederholen», erklärte er am Montag.

Schärferes Vorgehen

Er hoffe auf eine baldige Audienz bei Papst Franziskus und dessen Zustimmung zu Plänen der US-Bischofskonferenz für ein schärferes Vorgehen gegen Bischöfe, die Missbrauch begangen oder vertuscht haben, so DiNardo.

Papst Franziskus wollte die Behauptung seines ehemaligen Botschafters in den USA, schon seit Jahren über Vorwürfe gegen Kardinal McCarrick Bescheid gewusst zu haben, bisher nicht weiter kommentieren. Das Dokument von Erzbischof Carlo Maria Vigano spreche für sich, sagte Franziskus am Sonntagabend auf dem Rückflug von einem zweitägigen Irland-Besuch nach Rom.

Vatikan war orientiert

Pennsylvanias Staatsanwalt Josh Shapiro hat nach eigenen Angaben Beweise, dass der Vatikan über Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der US-Kirche Bescheid gewusst habe. Er könne aber nicht überprüfen, ob Papst Franziskus selbst Kenntnis von den Verbrechen von Priestern gehabt habe, sagte Shapiro in der Sendung «Today» des Nachrichtensenders NBC von Dienstag).

Seit Bekanntmachung des Reports für die katholischen Bistümer im Bundesstaat Pennsylvania habe es über die Hotline rund 700 weitere Hinweise auf Sexualstraftaten gegeben. Die Grand Jury machte nach Shapiros Angaben handschriftliche Notizen ausfindig, in denen der Missbrauch in geheimen Archiven detailliert beschrieben worden sei.

Geheimarchive öffnen

Kleriker seien vom Bostoner Kardinal Bernard Law gezwungen worden, «alles» zu dokumentieren. Diese Politik bezeichnete der Staatsanwalt als «unerklärlich». Er beklagte, Kirchenführer hätten «Gemeindemitglieder am Sonntag belogen, die Öffentlichkeit belogen, die Täter vor der Öffentlichkeit geschützt, aber alles dokumentiert und es in Geheimarchive gelegt».

Nach dem, was die Täter den jungen Menschen angetan hätten, sei es bitter zu sehen, wie die Vertuschung vieler Fälle bis zur Verjährungsfrist gelungen sei, so der Generalstaatsanwalt. «Wenn wir irgendeinen Fall vor Gericht bringen können, gegen irgendeinen übergriffigen Priester oder irgendjemanden, der es vertuscht hat, werden wir es tun», sagte Shapiro. (kna)

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