Pfarrer Ivan Machuzhak bei seiner Predigt
Schweiz

Ukrainer-Wallfahrt zu Bruder Klaus: «Frieden braucht innere Umkehr»

Jüngst fand die Wallfahrt des Friedens der Ukrainer aus dem Kanton Zürich nach Flüeli/Sachseln statt. In seiner Predigt thematisierte Pfarrer Ivan Machuzshak die Notwendigkeit des Friedens, ausgehend von den Lehren und der Lebenswelt des  heiligen Bruder Klaus.

Wolfgang Holz

Das ukrainische Volk macht schwere Zeiten durch. Schon seit vier Jahren tobt der russische Angriffskrieg in dem osteuropäischen Land. Die ukrainischen Flüchtlinge in der Schweiz, die in ständigem Kontakt mit ihren Angehörigen in ihrer Heimat stehen, leiden mit aus der Ferne. Da sind spritituelle Angebote willkommen, die den Menschen Hoffnung schenken.

Die ukrainischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Wallfahrt
Die ukrainischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Wallfahrt

Jüngst nahmen mehr als 70 Ukrainerinnen und Ukrainer an der Wallfahrt nach Flüeli/Sachseln zum Heiligen Bruder Klaus teil. Zuerst feierten sie die Liturgie mit Pfarrer Ivan Machuzhak-Loepfe. Danach wurde das Geburtshaus und das Wohnhaus von Bruder Klaus besichtigt. Anschliessend betete man in der Andacht für den Frieden in der Kriegszeit in der Wallfahrtskirche Sachseln.

Zerbrechlichkeit des Friedens

In seiner Predigt wies Machuzhak auf die Zerbrechlichkeit des Friedens hin. «Wir sind heute nach Sachseln und Flüeli gekommen, um an einem Ort zu beten, der seit Jahrhunderten mit dem Frieden verbunden ist», so Machuzhak laut Predigttext. «Wir sind hierhergekommen in einer Zeit, in der das Wort Frieden für viele Menschen beinahe schmerzlich geworden ist. Wir sprechen viel vom Frieden, wir beten um Frieden, wir hoffen auf Frieden. Und doch erleben wir, wie schwer es ist, ihn zu erreichen, wie zerbrechlich er bleibt und wie schnell er zerstört werden kann.»

Ivan Machuzhak (rechts) beim Gottesdienst in Flüeli
Ivan Machuzhak (rechts) beim Gottesdienst in Flüeli

Der Friede beginne bei jedem Menschen, dürfe aber nicht bei der persönlichen Haltung stehen bleiben. Das betonte Machuzhak in seiner Predigt. Im Zentrum stand für die Teilnehmenden die Friedensbotschaft des heiligen Bruder Klaus, die angesichts des Krieges in der Ukraine eine besondere Aktualität erhält.

Friede hat tiefsten Ursprung in Gott

«Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried», schrieb Bruder Klaus am 4. Dezember 1482 an den Rat von Bern. Der Friede habe seinen tiefsten Ursprung in Gott und sei mehr als ein politischer Vertrag oder das Ende von Kampfhandlungen, hiess es in der Predigt. Mit den Worten Jesu «Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch» (Joh 14,27) wurde daran erinnert, dass christlicher Friede auch in Zeiten von Leid und Bedrohung möglich bleibe.

Bruder Klaus habe, so Machuzhak, die Wirklichkeit politischer Konflikte aus eigener Erfahrung gekannt. Vor seinem Rückzug in die Einsiedelei im Ranft war er Bauer, Ehemann, Vater von zehn Kindern, Ratsherr und Soldat. Während der politischen Krise der Eidgenossenschaft im Jahr 1481 wurde sein Rat im Zusammenhang mit der Tagsatzung von Stans eingeholt. Seine Vermittlung habe gezeigt, dass nicht Macht, sondern moralische Autorität und innere Freiheit Vertrauen schaffen könnten.

Statue von Niklaus von Flüe.
Statue von Niklaus von Flüe.

Eigenen Egoismus überwinden

Ein wesentlicher Schlüssel zum Frieden sei die Bereitschaft, den eigenen Egoismus zu überwinden. Im Gebet «Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir» komme diese Haltung besonders deutlich zum Ausdruck, so Machuzhak. Sie bedeute nicht, die eigene Persönlichkeit aufzugeben, sondern sich von Stolz, Zorn, Angst und dem Drang zu befreien, andere beherrschen zu wollen. Diese innere Umkehr sei keine Flucht vor der Welt, sondern eine Voraussetzung dafür, Verantwortung ohne Herrschsucht wahrzunehmen.

«Für die Ukraine zu beten bedeutet deshalb, nicht nur ein Ende der Kampfhandlungen, sondern einen gerechten Frieden zu erbitten, der Freiheit und Menschenwürde achtet.»

Zugleich sei Frieden untrennbar mit Gerechtigkeit verbunden, so der ukrainische Seelsorger in seiner Predigt. Bruder Klaus habe in seinem Brief an die Berner Obrigkeit dazu aufgerufen, Witwen und Waisen zu schützen und der Gerechtigkeit beizustehen. Ein Friede, der die Opfer vergesse oder die Würde der Schwachen den Interessen der Mächtigen opfere, sei kein wirklicher Friede. «Für die Ukraine zu beten bedeutet deshalb, nicht nur ein Ende der Kampfhandlungen, sondern einen gerechten Frieden zu erbitten, der Freiheit und Menschenwürde achtet».

Würde des Menschen verteidigen

Seine Predigt betonte zudem, dass die Nähe zu Gott nicht gleichgültig gegenüber dem Schicksal anderer Menschen mache. Auch wenn Einzelne den Kriegsverlauf nicht unmittelbar beeinflussen könnten, könnten sie die Würde des Menschen verteidigen, Hass zurückweisen, Verwundeten beistehen und Trauernde trösten.

Papst Johannes Paul II. (r.) wird nach der Landung in Flüeli-Ranft vom Churer Bischof Johannes Vonderach empfangen, 14. Juni 1984.
Papst Johannes Paul II. (r.) wird nach der Landung in Flüeli-Ranft vom Churer Bischof Johannes Vonderach empfangen, 14. Juni 1984.

Ein Wort von Papst Johannes Paul II., der 1984 in Flüeli-Ranft predigte, fasste die Botschaft zusammen: «Der Friede muss erarbeitet, erlitten, erbetet werden.» Frieden verlange Mut, Gerechtigkeit und Ausdauer, aber auch Geduld und das Gebet um die Heilung menschlicher Herzen.

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Zum Abschluss lud Ivan Machuzhak dazu ein, die eigene Haltung zu hinterfragen: Was müsse Gott im Menschen verändern, damit durch ihn mehr Frieden in die Welt komme? Die Fürsprache des heiligen Bruder Klaus gelte der Ukraine, allen unter Krieg und Gewalt leidenden Völkern sowie jenen, die Verantwortung für Frieden und Gerechtigkeit tragen.


Pfarrer Ivan Machuzhak bei seiner Predigt | © zVg
27. Oktober 2026 | 16:00
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