Trump als Jesus: Seine Fans gehen auf Distanz
Mit grossem Spott reagiert das Internet auf Donald Trumps KI-Jesus-Bild. Doch die Sache könnte für den Präsidenten durchaus ernste Auswirkungen haben. Ein Teil seiner Unterstützer rückt von ihm ab.
Christoph Arens (KNA)
War das jetzt die rote Linie, die Donald Trump überschritten hat? Ist jetzt die «Götterdämmerung» im Weissen Haus angebrochen, wie die «Wirtschaftswoche» am Dienstag mit Blick auf Trumps «Jesus-Fiasko» titelte? Selbst Hardcore-Fans und evangelikale Christen in den USA gehen auf Distanz zum Präsidenten. Dass Trump ein im Internet veröffentlichtes Bild von sich zurückzieht, ist äusserst selten.
Die mit künstlicher Intelligenz erstellte und am Sonntagabend veröffentlichte Ansicht steht in engem Zusammenhang mit Donald Trumps Attacken auf den Papst. Sie zeigt vor der US-Flagge einen gütig blickenden Trump in kitschiger rot-weisser Jesus-Kleidung: Er legt einem offenkundig kranken Mann die rechte Hand auf die Stirn, während Licht aus der linken Hand strahlt. Um ihn herum eine Krankenschwester, ein Soldat, am Himmel statt Engeln Jets.
Tabubrüche als Kommunikationsstil
Schon mehrfach hat der Präsident mit KI-Bildern Aufmerksamkeit gesucht – und auch Empörung hervorgerufen. Im Herbst stellte er sich als König dar, der vom Flugzeug aus Fäkalien auf Demonstranten regnen liess. Vor der Papstwahl im vergangenen Mai liess er sich selber als Papst darstellen. Solche Tabubrüche gehören zu seinem Kommunikationsstil. Der Mann giert nach Aufmerksamkeit.
Doch der Präsident als Jesus – das können selbst Trump-Getreue nicht tolerieren. Die frühere republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene verurteilte das Bild in den Sozialen Medien als Gotteslästerung und sagte, sie bete «dagegen».
Welche Substanzen hat Trump genommen?
Die konservative christliche Autorin Megan Basham teilte auf X mit, sie wisse nicht, ob der Präsident witzig sein wollte oder unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen stehe, aber er müsse diesen Beitrag sofort löschen und das amerikanische Volk – und Gott – um Vergebung bitten.
Auch die Fox-Moderatorin und lautstarke Trump-Unterstützerin Riley Gaines kritisierte, Gott dürfe nicht verspottet werden und ein wenig Bescheidenheit würde Trump guttun. Sie könne nicht verstehen, wieso der Präsident das Bild gepostet habe. Allerdings: Nachdem Trump sie dann in seiner typischen Manier abbürstete – «Ich bin kein grosser Fan von Riley» – bekundete sie wieder ihre Unterstützung für den Präsidenten.
Der Präsident als Arzt
Die Empörung war so gross, dass das Bild am Montagvormittag wieder vom offiziellen Account verschwunden war. Auch wenn Vizepräsident JD Vance den Präsidenten in Schutz nahm und von einem Witz sprach: Donald Trump sah sich zu einer mehr als windigen Erklärung gezwungen.
Die Medien hätten das Bild falsch interpretiert. Das Bild habe ihn nicht als Jesus zeigen wollen. «Es sollte mich als Arzt zeigen», sagte der US-Präsident. Denn er mache «Menschen sehr viel gesünder».
Trump selbst gilt nicht als sonderlich gläubig. Ein Interview aus dem Jahr 2019, in dem er keinen einzigen Bibelvers nennen konnte, sorgt vor dem Hintergrund des neuen KI-Bildes derzeit erneut für Aufsehen.
Insbesondere evangelikale Christen zählen jedoch bislang zu seinen treuesten Wählergruppen. Nicht wenige sprachen nach dem Attentat auf Trump 2024 von einer göttlichen Fügung, die ihn habe überleben lassen.
Flut von Spott und Witzen
Der Journalist und Demokratieforscher Alexander Görlach sieht dennoch eine rote Linie überschritten. «Der Angriff auf den Papst – in Teilen des protestantischen Amerikas historisch tief verankert – wäre für Trump noch ein kalkulierbares Risiko gewesen», schreibt er auf merkur.de. Die Selbstinszenierung als Christusfigur werde jedoch bis weit in den evangelikalen Bereich hinein als Sakrileg empfunden.
Zugleich hat Trumps Ausrede, er habe sich als Arzt darstellen wollen, in den Sozialen Netzwerken eine Flut aus Spott, Witzen und Memes ausgelöst. Der Präsident wird gnadenlos durch den Kakao gezogen: Da greift Jesus-Trump dem Kranken, den er mit einer Hand zu heilen vorgibt, mit der anderen Hand zum Portemonnaie. Da schwebt in einem KI-generierten Video der echte Jesus vom Himmel herab und schleudert einen schreienden Trump in die Tiefen der Hölle.
Und da sitzt in dem berühmten Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci ein Jesus in blauer OP-Kleidung, mit Gummihandschuhen und Stethoskop. Auch die US-Late-Night-Talker liessen sich die Sache nicht entgehen. Jimmy Kimmel etwa äusserte die Vermutung, dass der auf dem Trump-Jesus-Bild dargestellte Kranke Jeffrey Epstein sei.
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