Traditionalisten dürfen keine Priesterweihen vornehmen

Deutscher Ortsbischof mahnt

Regensburg, 6.2.09 (Kipa) Als zuständiger Ortsbischof hat der Regensburger Oberhirte Gerhard Ludwig Müller die Traditionalisten davor gewarnt, in ihrem Priesterseminar in Zaitzkofen weiter Priester und Diakone zu weihen. In einem Interview mit der Presseagentur Kipa erklärte Müller am Freitag, 6. Februar, die von der Priesterbruderschaft Pius X. in Zaitzkofen bereits terminierten Weihen für verboten. Er sagte zudem, wie der Umgang mit traditionalistischen Geistlichen geregelt werden könnte.

«Das Kirchenrecht schreibt vor, dass der Ortsbischof in solchen Fällen um Erlaubnis gefragt werden muss.» Suspendierte Bischöfe dürften ohnehin keine Weihen erteilen. «Erkennen die Bischöfe der Pius-Bruderschaft den Primat des Papstes an, müssen sie sich auch an das Kirchenrecht halten, das er erlassen hat», betonte Müller.

Schisma geht weiter

Der Obere der Pius-Bruderschaft, Bischof Bernard Fellay, hatte noch am vergangenen Sonntag, 1. Februar, in Zaitzkofen die im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils abgeschafften «Niederen Weihen» erteilt. Dies deute eher darauf hin, «dass das Schisma weitergeht», sagte der Regensburger Bischof. «Aber vielleicht haben die noch gar nicht richtig verstanden, was sie da unterschrieben haben», fügte er hinzu. Bis Juni stehen in dem Seminar weitere Diakon- und Priesterweihen an.

Müller sprach sich dafür aus, mit den Amtsträgern der Pius-Bruderschaft nach dem Vorbild der alten Kirche zu verfahren. «Wenn jemand illegal die Weihe empfangen hat, muss er degradiert werden.» Die Bischöfe der Traditionalisten könnten demnach künftig nur noch als einfache Priester tätig sein, etwa als Kategorialseelsorger in Altenheimen.

Bischof Richard Williamson habe sich mit seiner Leugnung des Holocaust unmöglich gemacht und gehöre aus dem Klerikerstand entfernt.

Traditionalistische Geistliche einzeln überprüfen

Mit Blick auf die Wiedereingliederung der traditionalistischen Geistlichen in die katholische Kirche sprach sich Müller für eine Einzelfallüberprüfung aus. Bei der Aufhebung der Exkommunikation ihrer Bischöfe habe der Vatikan offenbar den Fehler gemacht, nur mit ihrem Oberen zu verhandeln. Die anderen drei Bischöfe seien im Schlepptau mitgezogen worden. «Mindestens einer von denen war ein trojanisches Pferd», sagte der Bischof unter Anspielung auf Williamson.

Volle Aussöhnung unwahrscheinlich

Müller äusserte sich erneut skeptisch über die Aussichten einer vollen Aussöhnung. Bisher sehe er dafür keine Bewegung bei den Traditionalisten. «Wenn einer ihrer Bischöfe sagt, dass jetzt die katholische Kirche sich in Richtung dieser Irrlehren bewegt, ist das lächerlich und zeugt von Masslosigkeit und Selbstüberschätzung.» Er hoffe, dass es «unter ihren Priestern einige Vernünftige gibt, die sich aus dieser Gemeinschaft lösen und sich dem Apostolischen Stuhl beziehungsweise dem Ortsbischof unterstellen».

(kipa/b/bal/job)

6. Februar 2009 | 15:58
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