Thomas Boutellier: Die Jugend muss im synodalen Prozess gehört werden
Thomas Boutellier ist Präses des Verbands Katholischer Pfadi (VKP). Er begrüsst die Entscheidung von Papst Franziskus, den synodalen Prozess zu verlängern. Seine Forderung: Die Jugend müsse besser gehört werden. Andere Bistümer sollten sich am Jugendrat des Bistums Chur ein Beispiel nehmen.
«Als Vertreter einer Jugendorganisation begrüsse ich die Entscheidung von Papst Franziskus ausdrücklich. Es zeigt einmal mehr, dass der Papst einen Plan und eine Agenda hat. Er hält Kurs und lässt seine Neuausrichtung der katholischen Kirche nicht von konservativen Bischöfen oder der Kurie verhindern.
«Die Jugend ist das Jetzt Gottes»
Bis heute ist die Frage nicht geklärt, inwiefern sich die Jugend im synodalen Prozess an der Bischofssynode in Rom engagieren kann. Die Jugend fühlt sich nicht gehört! Mit der Verlängerung und der Aussicht auf eine zweite Synodenversammlung im Jahr 2024 ergeben sich mehr Optionen.
Auch wenn die Bischöfe selbst einmal jung waren, machen wir immer wieder die Erfahrung: Wir werden zwar eingeladen, um die Jugend zu vertreten. In den Dokumenten und wenn es dann um die Umsetzung geht, werden die Verantwortlichen der Jugendpastoral aber schnell wieder vergessen. Dabei ist die Jugend «das Jetzt Gottes», wie Papst Franziskus in «Christus Vivit» betont.
Jugendrat des Bistums Chur
Der neue Zeitplan hat folgenden Vorteil: Die Resultate der Synode 23 können ein Jahr lang in der Praxis diskutiert werden, bis es zur Synode 24 kommt.
Um die Lebenswelt der Jugendlichen besser einzubringen, ist nun eine Anpassung der synodalen Prozesse in den Diözesen nötig. Wie in Chur sollten sich die Bistümer verbindliche Foren überlegen wie die Jugend, die noch kirchlich interessiert ist, in ihrer gesamten Breite gehört werden kann.
Die «Zeichen der Zeit» erkennen
Und auch auf Ebene der Schweizer Bischofskonferenz ergeben sich weitere Optionen. Ein dauernder Synodaler Rat zum Beispiel, der die Resultate und Bedürfnisse der Menschen und der diözesanen Gremien zusammenbringen kann. Synodalität ist immer auch im Wandel und nie abgeschlossen.
Sich ein Jahr länger Zeit zu geben heisst auch, die «Zeichen der Zeit» im Missbrauchsskandal der katholischen Kirche besser sehen und begreifen zu können. Bis im Jahr 2024 werden viele Aufarbeitungsstudien – auch in der Schweiz – fortgeschritten sein.
Prävention ernster nehmen
Für die Kirche der Zukunft wird es existentiell sein, dass die Bischofssynode 24 aufzeigen kann, was warum und wie gemacht wird, damit das Leid anerkannt, soweit möglich gemildert und vor allem präventiv verhindert wird. Westeuropa und auch die Schweiz können, nein sie müssen hier Vorbild sein.»
* Thomas Boutellier (42) ist Verbandspräses des Verbands Katholischer Pfadi. Er äussert sich gegenüber kath.ch zum neuen Zeitplan des synodalen Prozesses: statt bis 2023 dauert dieser bis 2024. (rr)
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