Schweiz

Theologe fordert differenzierte Stellungnahmen von Kirchen

Zürich, 11.1.19 (kath.ch) Nun meldet sich auch der reformierte Zürcher Theologe Ralph Kunz zum neuen Thinktank «Kirche/Politik». Eine Einmischung der Kirchen in die Politik lehnt er keineswegs ab. Aber Kunz, selber Mitglied im Thinktank, warnt im Interview mit dem Portal «ref.ch» (10. Januar) vor einer «Schlagwortpolitik».

Der Thinktank «Kirche/Politik», dessen Gründung der Zürcher «Tages-Anzeiger» am Montag publik machte, sei kein Instrument, «um die Einmischung der Kirche in die Politik zu verhindern», so Ralph Kunz. Es gehe im Gegenteil um die Frage, wie die Kirchen «auf konstruktive Weise mitmischen».

«Die Kirchen sind zu Meinungsmaschinen geworden.»

«Die Kirchen, die reformierte Kirche im speziellen, sollten in erster Linie Diskursgemeinschaften sein», findet der Theologe, der an der Universität Zürich lehrt. Er habe jedoch den Eindruck, dass dieser Diskurs steckengeblieben sei. Man begnüge sich damit, «moralische oder gesinnungsethische Parolen abzugeben», kritisiert Kunz und stellt fest: «Die Kirchen sind zu Meinungsmaschinen geworden.»

Im Thinktank «Kirche/Politik», den CVP-Präsident Gerhard Pfister und die Freiburger FDP-Politikerin und Theologin Béatrice Acklin Zimmermann gegründet haben, stelle man sich daher die Frage, wie politische Sachfragen von der Kirche aufgegriffen werden und in der Öffentlichkeit kommuniziert werden können, «damit es nicht bei Parolen, Meinungsäusserungen und einem blossen Schlagabtausch bleibt».

Unterschiedliche Haltungen möglich

Kunz erwartet von Kirchenvertretern, dass sie ihre politischen Überlegungen verantwortungsvoll zum Ausdruck bringen. Man sei sonst schnell bei einer «Schlagwortpolitik», wenn man nur herausposaune, was man für richtig und falsch halte, warnt der Theologe. Pfarrpersonen dürften nicht vergessen, dass es aus christlicher Perspektive zu vielen Fragen unterschiedliche Haltungen geben könne.

Für Barmherzigkeit werben in der Migrationspolitik

Der Theologieprofessor findet nicht, dass sich die Kirchen aus der Migrationspolitik heraushalten sollten. Es sei «extrem wichtig», dass sich die Kirche in diesem Bereich für die Barmherzigkeit stark mache. Dabei solle sie aber nicht die Menschen, «die aufgrund der Migration um ihre Identität fürchten, aufs rassistische Abstellgleis» verbannen. (bal)


Der Zürcher Theologe Ralph Kunz
11. Januar 2019 | 15:07
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