Bischofssynode zu Ehe, Familie und Sexualität. Beginn der Beratungen am 6. Oktober 2014 | © Mazur/catholicnews.org.uk
Schweiz
Bischofssynode zu Ehe, Familie und Sexualität. Beginn der Beratungen am 6. Oktober 2014 | © Mazur/catholicnews.org.uk

«Synodengespräche» – Nur St. Galler Bischof sucht Austausch mit Kirchenbasis

Zürich, 27.1.15 (kath.ch) Zwei Monate lang haben die Schweizer Katholiken Gelegenheit, über die heissen Eisen und andere Themen der Familiensynode zu diskutieren. In allen Diözesen sollen sogenannte Synodengespräche stattfinden. Die Dialogtreffen werden meist nur auf lokaler Ebene organisiert, wie eine Umfrage von kath.ch zeigt. Eine Ausnahme ist das «kleine» Bistum St. Gallen.

Barbara Ludwig

Der St. Galler Bischof Markus Büchel trifft die Gläubigen seiner Diözese am ehesten, wenn er junge Katholiken firmt. Bei solchen Anlässen gebe es allerdings kaum Zeit, vertieft über kirchliche Themen zu sprechen, sagte die Kommunikationsbeauftragte Sabine Rüthemann gegenüber kath.ch. Weil es dem Bischof aber wichtig sei, «mit der Kirchenbasis auch über die Themen der Synode ins Gespräch zu kommen», habe man sich entschieden, in drei Regionen des Bistums öffentliche Diskussionsabende anzubieten. Hier wird Bischof Markus präsent sein.  Die Gespräche finden in der Linthebene (Uznach SG), im St. Galler Rheintal (Widnau SG) und in St. Gallen-Neudorf statt. Der St. Galler Bischof nahm als Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) im letzten Herbst an der ersten Synode zur Familienpastoral in Rom teil.

St. Gallen: Frauen liefern fachliche Inputs

Nebst der Präsenz des Bischofs seien aber auch die Einführungsreferate wichtig, so Rüthemann. «Es gibt nicht oft die Möglichkeit, Eva-Maria Faber zu hören.» Die Churer Dogmatikprofessorin wird die Synodendokumente und die Arbeitspapiere für die Synode 2015 kommentieren, die «theologischen und kirchlichen Baustellen benennen und entscheidende Glaubensfragen stellen», heisst es in der Einladung zu den Gesprächen. Madeleine Winterhalter, Leiterin der Fachstelle für Partnerschaft-Ehe-Familie, wird die «pastorale Wirklichkeit» im Bistum aufzeigen.

Die überschaubare Grösse des Bistums sei sicher ein Vorteil, wenn es darum gehe, auf diözesaner Ebene Synodengespräche anzubieten, räumte Rüthemann ein. Nicht alle Diözesen hätten diesen Vorteil. Die Kommunikationsbeauftragte betonte aber, bei den öffentlichen Anlässen mit Bischof Büchel handle es um «eine Form» von Synodengesprächen. Daneben soll es auch Dialogtreffen auf lokaler Ebene geben. Rüthemann erwähnt Pfadigruppen, Frauenvereine, Seelsorgeeinheiten und Dekanatsversammlungen, die als Organisatoren in Frage kommen.

Bistum Basel: Dekane sind aktiv

In den übrigen Diözesen verzichten die Bischöfe auf den direkten Austausch mit den Gläubigen über die Synodenthemen. «Wir lassen diese Gespräche auf der Ebene der Dekanate und Pfarreien organisieren», teilte der Basler Generalvikar Markus Thürig mit. Das Bistum Basel hat sich aber bereits am 21. Januar an der Konferenz der Dekane und Dekanatsleiter mit der Synode 2015 befasst. «Dabei haben wir auch Ideen für Gespräche ausgetauscht.» Die Verantwortlichen sollen nun diese Ideen weitertragen in ihre Dekanate und Pfarreien. Ende Februar werde zudem der Priesterrat und der Rat der Diakone und Laientheologen zusammen mit Bischof Felix Gmür zur Synode arbeiten.

Westschweiz: bestehende Strukturen nutzen

Im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg hat man das Thema an die Vikariate delegiert. Es stehe einfach sehr wenig Zeit zur Verfügung, begründete Bistumssprecherin Laure-Christine Grandjean den Entscheid. «Man muss bestehende Strukturen einbeziehen. Das ist einfacher und praktischer.» Es sei keine Frage des fehlenden Willens. Ein weiterer, aber weniger wichtiger Grund sei die Grösse des Bistums, das vier Kantone umfasst.

Das Bistum Sitten, obschon kleiner, sieht ebenfalls keine Synodengespräche im Beisein des Bischofs vor. Vergangene Woche habe der Bischofsrat entschieden, einen Brief mit zehn Fragen an Mitarbeiter, Seelsorgeteams und Pfarreiräte zu senden. «Darin schlagen wir den Verantwortlichen vor Ort vor, eine oder zwei dieser zehn Fragen zu diskutieren», sagte Richard Lehner, Generalvikar für den deutschsprachigen Teil des Bistums. «Wir hatten das Gefühl, es bringt wenig, die Synodendokumente aus Rom zu versenden.» Man werde jedoch auf die Webseite der Pastoralkommission der SBK hinweisen. Dort erhält man bereits jetzt Impulsmaterial und Informationen zur Gestaltung von Synodengesprächen. Für das Bistum Lugano bestätigte Sprecherin Chiara Gerosa, dass keine Treffen mit dem Bischof geplant sind.

Chur: Dialogprozess nicht mit Bischofs-Initiative überlagern

Das Bistum Chur strebt einen «möglichst breiten Dialog- und Konsultationsprozess» an. «Diesen möchte der Bischof nicht mit eigenen Initiativen überlagern, sondern sich entwickeln lassen», teilte Bistumssprecher Giuseppe Gracia mit. Josef Annen, Generalvikar für die Kantone Zürich und Glarus, betonte: «Die Pfarreien sind eigenständig. Wir können nicht mehr machen, als sie zum Gespräch zu ermuntern.» Falls nötig und sinnvoll, leiste man als übergeordnete Stelle Unterstützung. Im Moment sei noch offen, in welcher Form dies geschehen würde. (bal)

News ›
Medienspiegel ›
Katholisches Medienzentrum