«Zukunftsforum» der Katholischen Kirche Bern und Umgebung zur vatikanischen Familiensynode am 20. März | © 2015 zVg
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«Zukunftsforum» der Katholischen Kirche Bern und Umgebung zur vatikanischen Familiensynode am 20. März | © 2015 zVg

Synodengespräch in Bern: «Mehr Demut und weniger Arroganz» fordern die Beteiligten von der Kirche

Bern, 21.3.15 (kath.ch) «So geht’s nicht», war das Fazit, das aus den Voten der Anwesenden zum Ausdruck kam. Die Kirche müsse ihre Grundhaltung ändern. Das berichtete Ludwig Spirig-Huber, Kommunikationsbeauftragter der Katholischen Kirche Region Bern über das Synodengespräch vom Freitag, 20. März im Pfarreizentrum Dreifaltigkeit in Bern.

Rund 35 Personen im Alter zwischen 40 und 80 Jahren, laut Spirig mehrheitlich Pfarreiangestellte und im Pfarreileben engagierte Personen, trafen sich am Freitagabend zum Synodengespräch, dem so genannten «Zukunftsforum» in Bern. Sie diskutierten die Fragen der Bischofssynode vom kommenden Herbst und nahmen dabei die Aufforderung von Papst Franziskus auf, sich bereits zum zweiten Mal zu Familienfragen zu äussern. «Ein bisher einmaliger Vorgang», schrieb die Katholische Kirche Region Bern anerkennend in ihrer Einladung. «Mit der ganzen Kirche können wir nach Antworten suchen für die vielen Fragen, die sich angesichts der heutigen Realität von Ehe, Partnerschaft und Familie stellen.»

Als Diskussionsgrundlage verteilten die Organisatoren den Text, der bereits für die Vorbereitungen zur Familiensynode im letzten Herbst im Vatikan gedient hatte. Dazu stellten sie die Frage: «Wie schaut die Kirche auf die Lebenswirklichkeiten von Ehe und Familie?» Und sie gaben die Stichworte: «andere Familien- und Beziehungsformen», wiederverheiratete Geschiedene, «Homosexualität», «Kinder und Glaubensweitergabe».

Kirche zeigt abschätzende Haltung

Ludwig Spirig-Huber erlebte die Reaktionen der Beteiligten als erstaunlich einhellig. An allen Tischen zeigten sich die Anwesenden irritiert über die in ihren Augen arrogante Haltung der Kirche, die aus den Texten hervorging. Die Kirche gebe vor, das einzig Wahre zu verkünden, kritisierten viele. Gleichzeitig zeige sie eine abschätzige Haltung vielen Formen der Beziehung und der Sexualität gegenüber. «Mehr Demut», forderten sie deshalb von der Kirche.

Die Kirche schaue nicht richtig hin auf die Lebensrealität der Menschen, waren sich die Diskutierenden einig. Die Kirche sollte Werte wie Treue und gegenseitigen Respekt ernst nehmen und die Menschen ihn ihrem Ringen darum unterstützen, fanden viele. Dabei dürfe sie auch das Scheitern nicht mit einem «so geht das nicht» abtun, sondern müsse es ernst nehmen.

Sakrament der Ehe muss neu definiert werden

Das Sakrament der Ehe müsse neu definiert werden, forderten die Diskutierenden. Das Anliegen fand vor allem den anwesenden wiederverheirateten Geschiedenen Anklang, wie Ludwig Spirig-Huber erzählt. Diese erwähnten aus persönlicher Betroffenheit, wie wichtig es ihnen wäre, auch ihre neue Beziehung unter den Segen Gottes stellen zu können.

«Es war sonnenklar, dass die Anwesenden verschiedene Lebensformen gutheissen», sagt Spirig-Huber. Entsprechend waren viele dafür, homosexuelle Beziehungen als gleichwertig zu anerkennen. «Hauptsache ist doch die Qualität der Beziehung», sagt Spirig-Huber in Anlehnung an die Voten der Gesprächsrunde. «Es geht um die Suche nach Treue und gegenseitigen Respekt, nicht darum, wie genau er oder sie mit einem Partner zusammenlebt und was für Papiere dieses Zusammenleben dokumentieren.»

Wie weiter mit diesen Stellungnahmen? Dekanatsleiter Bernhard Waldmüller wird die Resultate zusammenstellen und ins Formular des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts (SPI) eintragen, so Spirig-Huber. Das SPI in St. Gallen wird die von allen Seiten eingehenden Stellungnahmen sammeln und zusammengefasst dem Bischof von Sitten, Jean-Marie Lovey übermitteln, der die Schweizer Bischofskonferenz an die Familiensynode vertritt. «Was dabei mit unseren einzelnen Aussagen passiert, wissen wir nicht», sagt Spirig-Huber. (rp)

"Zukunftsforum" der Katholischen Kirche Bern und Umgebung zur vatikanischen Familiensynode am 20. März | © 2015 zVg
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