Synodalratspräsident Raphael Meyer: «Ich hoffe das Beste, stelle mich aber auf Schlimmes ein»
Raphael Meyer ist neuer Zürcher Synodalratspräsident. Franziska Driessen-Reding ist für ihn «ein Ansporn, selber eine super Leistung hinzulegen». Von der Weltsynode hofft er, dass sie «die Anliegen der Menschen auch aus unseren Breitengraden ernst nimmt». Und der Veröffentlichung der Missbrauchs-Vorstudie im September schaut er mit Anspannung entgegen.
Regula Pfeifer
Sie haben die Wahl zum Synodalratspräsidenten gewonnen, wie ist das für Sie?
Raphael Meyer*: Ich freue mich sehr über die Wahl zum Synodalratspräsidenten. Und sehe das als grosses Zeichen der Anerkennung für meine Arbeit an.
«Dass ich als bisheriger Synodalrat angetreten bin, war sicher ein Vorteil.»
Sie sind bereits Synodalrat, war das ein Vorteil?
Meyer: Dass ich als bisheriger Synodalrat angetreten bin, war sicher ein Vorteil. Denn die Synode kannte meine Arbeit bereits.
Ihr Gegenkandidat wollte Grenzen im dualen System auflockern. War das ein zu heikler Vorschlag?
Meyer: Lorenz Schmid hat thematisiert, man sollte die Grenzen des dualen Systems mehr lockern. Ich hörte mal die Aussage «mehr dreinreden». Es kann sein, dass das einzelne Synodale erschreckt hat. Ich glaube aber nicht, dass das ausschlaggebend war für die Nichtwahl.
«In die Fussstapfen einer grossen Vorgängerin zu treten, ist eine Herausforderung.»
Sie treten in die Fussstapfen von Franziska Driessen-Reding, wie ist das?
Meyer: In die Fussstapfen einer grossen Vorgängerin oder eines grossen Vorgängers zu treten, ist immer eine Herausforderung. Es kann aber auch ein Ansporn sein, selber eine super Leistung hinzulegen, so wie das Franziska Driessen-Reding auch getan hat.
Haben Sie als Vizepräsident bereits etwas von ihr mitbekommen?
Meyer: Als Vizepräsident habe ich sie bereits vertreten müssen, wenn sie mal verhindert war. Dann leitete ich die Sitzungen oder bereitete Geschäfte vor. Ich habe sie auch im Rekurswesen explizit unterstützt, da ich ja Jurist bin.
Jetzt werden Sie viele öffentliche Auftritte haben. Haben Sie ein Coaching geplant?
Meyer: Jeder Auftritt wird ein Training sein, man lernt ja jedes Mal etwas dazu. Ich habe ein tolles Team in der Kommunikation, das mich coacht und jeweils darauf vorbereitet.
Was sind Ihre Ziele bei der Leitung der Zürcher Kirche?
Meyer: Ich sehe drei Schwerpunkte für die Kirche im Kanton Zürich: Das ist einerseits die Fortsetzung einer konsequenten und glaubwürdigen Präventionsarbeit. Dann die Sicherung und Sichtbarmachung der sozialen Leistungen, die wir im Kanton erbringen. Und ein Beitrag zum friedlichen Zusammenleben durch einen intensiven interreligiösen Austausch.
«Ich habe in der Vorbereitungsgruppe der neuen Kirchenordnung mitgearbeitet und stehe absolut dahinter.»
Unlängst wurde eine neue Kirchenordnung der Zürcher Kantonalkirche angenommen, wie stehen Sie dazu?
Meyer: Ich habe in der Vorbereitungsgruppe der neuen Kirchenordnung mitgearbeitet. Deshalb stehe ich absolut hinter den eingeführten Änderungen. Ich bin überzeugt, dass sie zur guten Weiterentwicklung der katholischen Kirche im Kanton Zürich beitragen wird.
Momentan läuft der weltweite synodale Prozess, den Papst Franziskus angestossen hat. Haben Sie diesbezüglich Hoffnungen?
Meyer: Ich sehe dem Abschluss des synodalen Prozesses mit Interesse entgegen. Meine Hoffnung ist, dass man die Anliegen der Menschen auch aus unseren Breitengraden ernst nimmt. Aber: Ich nehme, was kommt.
«Wichtig ist, dass wir aus der Missbrauchsstudie lernen.»
Im September wird die schweizerische Pilotstudie zum Missbrauch in der Kirche veröffentlicht. Bereitet Ihnen das Kopfschmerzen?
Meyer: Wir sehen der Publikation der Missbrauchsstudie am 12. September mit Anspannung entgegen. Ich hoffe das Beste, stelle mich aber auf sehr Schlimmes ein. Wichtig ist, dass wir aus der Studie lernen.
*Raphael Meyer (41) ist Jurist und Mitte-Politker. Er ist seit acht Jahren im Synodalrat, zuletzt in der Funktion des Ressortleiters Personal.
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