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Synodaler Weg in Deutschland hat begonnen

Zum Beginn des neuen Kirchenjahres hat am Sonntag ein neuer Reformdialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland begonnen. In vielen grossen Kirchen wurde eine Kerze für den Synodalen Weg entzündet. Die deutsche Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) beantwortet wichtige Fragen rund um die Initiative, die einen Neuaufbruch im kirchlichen Leben anstrebt.

Joachim Heinz

Synodaler Weg – was heisst das eigentlich?

Eine Synode im klassischem Sinne soll der «Synodale Weg» nicht sein. Die begriffliche Nähe zur Synode drückt allerdings aus, dass der zunächst auf zwei Jahre befristete Reformdialog mehr sein soll als ein unverbindliches Gespräch. Die katholischen Bischöfe und Laien in Deutschland haben ihn ins Leben gerufen, die Regeln sind in einer Satzung festgelegt. Wie eine Synode hat der Synodale Weg eine beratende Funktion. In beiden Fällen entscheidet also der jeweilige Ortsbischof, ob er die dort gefassten Beschlüsse umsetzt.

Was soll der Dialog bringen?

«Der Synodale Weg der katholischen Kirche in Deutschland dient der gemeinsamen Suche nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses», heisst es in der Satzung. Die Formulierung nimmt einen Gedanken auf, den Papst Franziskus im Sommer in seinem Brief an das «pilgernde Volk Gottes in Deutschland» betonte. Darin mahnte er die Einheit mit der Weltkirche an und forderte, das Leitkriterium der Erneuerung müsse die Evangelisierung sein.

Mit konkreten Ergebnissen halten sich Bischöfe und Laien zurück.

Als Schwerpunktthemen stehen die Sexualmoral, die priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen in der Kirche auf der Agenda. Mit konkreten Ergebnissen und Erwartungen halten sich Bischöfe und Laien zurück. Aber denkbar wären etwa Schritte zum Aufbau von kirchlichen Verwaltungsgerichten mit weisungsunabhängigen Richtern, an die sich Katholiken wenden können, wenn sie sich durch Entscheidungen der Hierarchie benachteiligt fühlen.

Was sind die ersten Schritte?

Bis Mitte Dezember soll die Auswahl der aus mehr als 200 Teilnehmern bestehenden Synodalversammlung abgeschlossen sein. Die derzeit 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz sind bereits gesetzt, ebenso die 69 Teilnehmer aus den Reihen des ZdK: 31 Frauen und 38 Männer. Das höchste Gremium des Synodalen Weges wird erstmals vom 30. Januar bis zum 1. Februar in Frankfurt zusammentreffen. Diese Versammlung soll wie alle anderen Beratungen auch live im Internet übertragen werden.

Wie laufen die Diskussionen ab?

Vier Foren haben zu den Oberthemen des Synodalen Weges Arbeitspapiere erstellt. Sie liegen der Synodalversammlung zur Beratung vor. Ebenfalls auf ihrer ersten Sitzung wird die Synodalversammlung vier neue Foren einrichten, die den weiteren Verlauf der Diskussionen mitbestimmen. Diese Arbeitsgruppen sollen aus rund 30 Personen bestehen. Der Teilnehmerkreis rekrutiert sich aus den Mitgliedern der Synodalversammlung sowie aus externen Beratern.

Wie werden Beschlüsse gefasst?

Um Beschlüsse in der Synodalversammlung verabschieden zu können, ist eine doppelte Zweidrittelmehrheit erforderlich – aller anwesenden Mitglieder sowie der anwesenden Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz.

Wie verbindlich sind diese?

Es ist umstritten, wie verbindlich die Beschlüsse der Beratungen sein können. Viele Katholiken hoffen auf konkrete Veränderungen und sehen darin eine der letzten Chancen, die aktuelle Krise zu überwinden. Andere verweisen darauf, dass gerade die besonders strittigen Themen nicht in Deutschland entschieden werden könnten; dies könne nur zusammen mit dem Vatikan und mit Blick auf die Weltkirche geschehen.

Die Amazonas-Synode in Rom hat die Debatte um Reformen in der Weltkirche befeuert – was bedeutet das für den Synodalen Weg?

Die Amazonas-Synode könnte nach den Worten von Kardinal Reinhard Marx auch dem Reformdialog in Deutschland einen Schub verleihen. Eine mögliche Priesterweihe von verheirateten Männern und auch der Frauendiakonat seien häufiger und deutlicher angesprochen worden, als er selbst das erwartet habe. Spannend wird nun, welche Schlüsse Papst Franziskus aus dem im Oktober abgehaltenen Spitzentreffen zu Seelsorge und Umweltschutz in Lateinamerika zieht. Wann er sein sogenanntes postsynodales Schreiben veröffentlicht, steht noch nicht fest, Beobachter rechnen allerdings noch vor Weihnachten damit.

Kritiker stört, dass die Bischöfe das letzte Wort haben.

Gibt es Kritik am Synodalen Weg?

Manche Kritiker stossen sich daran, dass die Bischöfe das letzte Wort haben. Dies jedoch, so betonen Bischöfe und Laien, entspreche den kirchenrechtlichen Gepflogenheiten bei einer Synode.

Eine Minderheit der Bischöfe, darunter der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer, bekräftigte kurz vor dem Start noch einmal Vorbehalte gegenüber dem Synodalen Weg. Entscheidungen stünden letztlich allein den Bischöfen zu: «Es gilt schon, den Eindruck zu unterbinden, es ginge um eine quasi parlamentarische Abstimmung über den Glauben.»

Absehbar für Diskussionen sorgen wird auch die Auswahl der Teilnehmer. Gelingt es, sowohl Vertreter des liberalen wie auch konservativen Lagers angemessen einzubinden? Wie viele Männer und wie viele Frauen gehören der Synodalversammlung an? Sind gleichermassen junge wie ältere Katholiken vertreten? (kna)

Banner mit dem Logo zum Synodalen Weg in Deutschland | © KNA
1. Dezember 2019 | 13:06
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