Gipfeli backen und Güsel entsorgen: Ehepaar Schwitter hilft bei der Schweizergarde aus
Stephan Schwitter (68) und seine Frau Beatrix haben kürzlich als Freiwillige die Schweizergarde in Rom unterstützt. An Ostern und im Herbst wollen sie nochmals Hand anlegen. Im Interview sagt der Katholik aus Horgen, wie es dazu kam, worin die Arbeit bestand, was er an den freien Tagen unternommen hat – und wie er das Durchschreiten der Heiligen Pforte erlebt hat.
Barbara Ludwig
Herr Schwitter, Sie haben sich kürzlich als freiwilliger Helfer in Rom engagiert. Wie lange dauerte Ihr Einsatz?
Stephan Schwitter*: Wir, das heisst meine Frau und ich, waren fünf Wochen im Einsatz, von Mitte Dezember bis Mitte Januar. Wir haben am 24. Dezember, nach der Eröffnung der Heiligen Pforte durch Papst Franziskus, die Heilige Messe im Petersdom mitgefeiert.
Eine Behörde der italienischen Regierung hat im vergangenen Jahr zirka 600 junge Freiwillige fürs Heilige Jahr gesucht. Welche offizielle Stelle hat Sie engagiert?
Schwitter: Das Kommando der Schweizergarde.
Wie kam es dazu?
Schwitter: Die Garde sucht seit einigen Jahren aktiv nach Freiwilligen, die sie in der Logistik unterstützen. Im «Messaggero», den Mitteilungen der Päpstlichen Schweizergarde, sah ich im vorletzten Jahr eine entsprechende Ausschreibung für den Dienst in Küche, Mensa und Kantine. Meine Frau und ich haben uns bereits im Januar 2024 zwei Wochen zur Verfügung gestellt.
Was hat Sie denn motiviert, als Freiwillige nach Rom zu gehen?
Schwitter: Zum einen haben dies meine langjährigen Verbindungen zur Schweizergarde nahegelegt. Als Bereichsleiter der Migrantenseelsorge bei der Römisch-katholischen Körperschaft des Kantons Zürich hatte ich regelmässig Kontakt mit dem Kommandanten, dem Gardekaplan und dem Rekrutierungsverantwortlichen. Sie kamen jedes Jahr ins Centrum 66 (u.a. Sitz des Synodalrats, d. Red.), um Gespräche mit potentiellen Rekruten zu führen. Zum anderen sind wir beide pensioniert und haben die nötige Affinität zur Kirche.
Nun waren Sie aber schon wieder im Einsatz.
Schwitter: Nach unserem ersten Einsatz hat sich abgezeichnet, dass es mehr Bedarf an Helferinnen und Helfern gibt wegen des bevorstehenden Heiligen Jahres. Weil es uns sehr gefallen hat, wollten wir uns für eine längere Dauer verpflichten. Und so haben wir gleich drei Einsätze gebucht. Der erste ist nun vorbei. Im April werden wir drei Wochen über Ostern im Einsatz sein und im Oktober nochmals drei Wochen. Die Garde ist froh, wenn sich Leute zur Verfügung stellen, die bereits Erfahrung haben.
Worin bestand Ihre Arbeit?
Schwitter: Ich habe zum Beispiel mitgearbeitet beim Bereitstellen des Frühstücksbuffets. Das heisst: Gipfeli backen, den Kaffeeautomaten einrichten, Kühlaggregate in Betrieb setzen, das Buffet aufbauen, Getränke auftischen und die Waschmaschine starten. Die Küche braucht ständig Nachschub an Vorräten, die in die Regale gefüllt werden müssen. Die tägliche Reinigung der Küche und des Speisesaals gehört ebenfalls zu unseren Aufgaben. Und so habe ich unter anderem Böden gewischt und Fenster geputzt.
Zum Dienst gehört nebst der Bereitstellung der Verpflegung für die Truppe zudem die Abfallentsorgung: Küchenabfälle, Plastik, Glas, Metalle und Karton werden gesammelt und zum Ulmenhof gebracht. Dort werden sie von der Müllabfuhr abgeholt. Verpflegungsreste werden teils zur Obdachlosenstelle nebenan in den Kolonnaden des Petersdoms gebracht.
In welchem Bereich hat Ihre Frau gearbeitet?
Schwitter: Meine Frau war vorwiegend in der Küche aktiv, wo sie die Ordensfrauen beim Kochen unterstützte.
Wie lange war Ihr Arbeitstag?
Schwitter: Die Regelarbeitszeit beträgt zwischen acht und neun Stunden pro Tag – im Dreischichtbetrieb. Der Frühdienst – Turnus A – beginnt um halb fünf Uhr morgens. Da muss man früh aus den Federn, glattrasiert – wie die Gardisten – und in sauberer Kleidung erscheinen. Auf drei Tage Arbeit in Turnus A, B und C folgen in der Regel zwei freie Tage.
Was haben Sie an den freien Tagen gemacht?
Schwitter: Ich schätze das spirituelle Leben, das man während der Einsätze in Rom pflegen kann. Im Petersdom werden jeden Tag sieben bis acht Messen gefeiert. Man ist aber auch Tourist. Ich habe lange Strecken zurückgelegt in der Stadt, meist zu Fuss. Da entdeckt man sehr viel mehr. In Rom gibt es über 700 Kirchen, in diesen fünf Wochen habe ich mindestens 50 davon besucht. Was ich auch sehr schätze: Frühmorgens kann man die Kuppel des Petersdoms besteigen und von dort den Sonnenaufgang erleben. Um halb acht Uhr öffnet die Kuppel. Da ist man noch ganz alleine, das ist einfach fantastisch.
Wie haben Sie die Stadt erlebt? Ist Rom im Heiligen Jahr so voll wie man erwartet oder befürchtet?
Schwitter: Ich war schon etliche Male in Rom. Dieses Mal aber war ich überwältigt von der Vielzahl der Menschen – vor allem über Weihnachten und Neujahr. Es war einfach nur schwarz vor lauter Menschen auf dem Petersplatz. Ich dachte, halb Italien ist in Rom – auch wegen des Anno Santo – und will die Heilige Pforte durchschreiten.
Haben Sie selbst auch die Heilige Pforte durchschritten?
Schwitter: Mehrfach diejenige im Petersdom, aber auch die Heiligen Pforten der anderen Papstbasiliken: Sankt Paul vor den Mauern, die Lateranbasilika und Santa Maria Maggiore. An Heiligabend habe ich es das erste Mal im Petersdom gemacht als Teilnehmer des Gottesdienstes.
«Ich erwarte nicht, dass beim Durchschreiten der Heiligen Pforte ein Riesenstein vom Herzen fällt.»
Wie haben Sie das erlebt?
Schwitter: Es war ein erhebendes Gefühl. Ich erwarte nicht, dass dabei ein Riesenstein vom Herzen fällt – und das noch hörbar. Das Durchschreiten ist mit Demut verbunden, einer Erinnerung an das, was schief gelaufen ist im Leben, und der Hoffnung auf Gnade.
Wo haben Sie gewohnt?
Schwitter: Die Freiwilligen wohnen in der Kaserne, Frauen und Männer getrennt. Ehepaare bekommen ein gemeinsames Zimmer in der Abteilung, wo auch die Offiziere und Unteroffiziere untergebracht sind.
Bekamen Sie einen Lohn?
Schwitter: Nein. Freiwilligenarbeit wird nicht entlöhnt. Für Kost und Logis kommt die Garde auf. Anfahrt und Heimreise wiederum gehen auf eigene Kosten. Wir sind mit dem Zug gereist.
An Ostern sind Sie wieder im Einsatz. Worauf freuen Sie sich besonders?
Schwitter: Dieses Jahr fallen mein Engagement als Sänger und meine Arbeit als Freiwilliger in der Schweizergarde zusammen. Das gibt Synergien. Ich singe seit 1988 mit im Chor des ehemaligen Päpstlichen Collegiums Russicum, der jeweils den Ostergottesdienst des Papstes im Petersdom oder auf dem Petersplatz mitgestaltet, wenn Ostern der Ostkirchen und der Westkirchen zusammenfallen. Dies ist heuer wieder der Fall.
*Stephan Schwitter (68) wohnt in Horgen ZH. Von 2013 bis 2021 war er Bereichsleiter der Migrantenseelsorge der Römisch-Katholischen Körperschaft des Kantons Zürich.
Schweizergarde: Aussergewöhnliche Einsätze im Heiligen Jahr
Im Heiligen Jahr pilgern noch mehr Menschen nach Rom als gewöhnlich. Für die Schweizergarde bedeute es «eine verstärkte Präsenz sowie aussergewöhnliche Einsätze, die eine detaillierte und präzise Personalplanung notwendig machen», teilt Eliah Cinotti auf Anfrage von kath.ch mit. Cinotti ist Medienverantwortlicher der Päpstlichen Schweizergarde in Rom.
Aussergewöhnliche Einsätze fallen bei verschiedenen Anlässen an: unter anderem bei Jubiläumsmessen, Jubiläumsaudienzen, aber auch bei Generalaudienzen, bei Festmessen, Begegnungen mit Pilgern oder bei Staatsbesuchen im Vatikan.
Die Sicherheit soll auch bei grossem Andrang von Pilgerinnen und Pilgern gewährleistet sein. «Wir konzentrieren uns auf unsere Aufgaben und arbeiten mit der vatikanischen Gendarmerie sowie den italienischen Behörden zusammen, um den Personenfluss bei den grossen Jubiläumsveranstaltungen zu gewährleisten», erklärt Cinotti. Ausserhalb von Veranstaltungen in Anwesenheit des Papstes werde der Petersplatz jedoch von der italienischen Polizei verwaltet, die dort über eine eigene Dienststelle verfüge.
Für Gardisten sei es im Übrigen «eine besondere Ehre, während dieses Jahres zu dienen», so der Medienverantwortliche weiter. Während des «Anno Santo» ist die Garde stärker auf Freiwillige angewiesen. Ihr Einsatz ermögliche es den aktiven Gardisten, sich vollständig auf ihren Dienst zu konzentrieren.
Die Freiwilligen werden ausschliesslich in der Küche und im Mensadienst beschäftigt, Sicherheits- und Repräsentationsaufgaben gehören nicht dazu. «Sie können in der Küche helfen oder die aktiven Gardisten beim Essenservieren unterstützen.» Bei den Freiwilligen handle es sich um ehemalige Gardisten oder Personen, die eine Verbindung zur Garde haben (siehe Interview im Hauptbeitrag). (bal)
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