Schweiz

St. Galler Bischof erstattet Anzeige gegen Priester wegen Missbrauch

St. Gallen, 28.8.19 (kath.ch) Der Bischof von St. Gallen, Markus Büchel, hat eine Strafanzeige gegen einen 78- jährigen pensionierten Priester erstattet. Die sexuellen Übergriffe des Priesters fanden von 1987 bis 1996 statt. Das Opfer war zum Zeitpunkt der ersten Taten 13 Jahre alt.

Dem Priester, der noch regelmässig in der Region Goldach aushalf, wurde jede seelsorgerliche Tätigkeit per sofort untersagt, schreibt das Bistum in einer Medienmitteilung von Mittwoch. Nachdem Bischof Markus Büchel vom «Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe im Bistum St. Gallen» im April 2019 von den Verbrechen erfahren hatte, erstattete er umgehend Anzeige bei der Staatsanwaltschaft. Der Priester habe die damaligen sexuellen Übergriffe gegen den heute 46-jährigen Mann zugegeben, teilt das Bistum weiter mit.

Strafanzeige ist notwendig

Jeder Fall, in welchem ein Minderjähriger involviert ist, werde der Staatsanwaltschaft gemeldet, sagte Büchel gegenüber kath.ch. An dieser liege es, in einem entsprechenden Verfahren festzustellen, ob die Tat verjährt sei oder nicht – oder ob eventuell Massnahmen angebracht seien. Es gehe auch darum zu prüfen, ob der Beschuldigte mit anderen Straftaten im Zusammenhang stehe.

Gleichzeitig hat der Bischof Anzeige in Rom erstattet, wo ein kirchenrechtliches Verfahren eröffnet wurde, da die Tat auch nach kirchlichem Recht eine Straftat darstelle. Bischof Büchel geht davon aus, dass Rom eher harte Strafmassnahmen anwenden werde. Im vorliegenden Fall heisst das, dass der Vatikan dem Beschuldigten die priesterlichen Vollmachten entzieht. Das Bistum könnte ihm dann keine Aufträge mehr erteilen oder ihn irgendwie beschäftigen, erklärte Büchel weiter.

Kontakt mit dem Opfer

Der beschuldigte Priester sei heute im Ruhestand und lebe von seiner Rente, sagte der Bischof weiter. Der Täter bereue sein Handeln zutiefst, schreibt das Bistum. Bis heute hätten sich keine weiteren Opfer gemeldet. Im aktuellen Fall wird laut Büchel dem Opfer eine Genugtuung im vorgesehenen Maximalbetrag von 20’000 Franken zugesprochen.

Bis zum Zeitpunkt der Meldung durch das Fachgremium lagen zudem dem Bistum «keinerlei Anhaltspunkte oder Meldungen für ein Fehlverhalten seitens des Priesters vor», so das Communiqué.

Über das Fachgremium werde das Opfer betreut und weiter begleitet. Markus Büchel habe in den vergangenen Wochen persönlich mit ihm gesprochen. Er habe als Vertreter der Kirche das Opfer um Verzeihung gebeten.

Gremium seit 2002

Im Bistum St. Gallen arbeitet seit 2002 das Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe, an welches sich Opfer wenden können. Besonders in den Bereichen Prävention und Sensibilisierung würden laufend Massnahmen umgesetzt. Das seien wesentliche Bausteine im Kampf gegen sexuelle Übergriffe im Bereich der Kirche, schreibt das Bistum. (gs)

Kathedrale St. Gallen | © pixabay.com CC0
28. August 2019 | 15:34
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