Einzug in die Kathedrale St. Gallen
Schweiz

St. Gallen feiert Heilig-Jahr-Abschluss mit besonderem Gebet

Das Bistum St. Gallen hat am Sonntag das Heilige Jahr beendet. Beim Pontifikalamt erinnerte Bischof Beat Grögli, wie das Bistum St. Gallen das Jubeljahr begangen hat. Im Zentrum der Feier standen Josef und die Heilige Familie. Die Anwesenden sprachen das Gebet einer an Long-Covid erkrankten St. Gallerin.

Regula Pfeifer

Am Sonntag um 10.30 Uhr sitzen rund 120 Personen in den vorderen Kirchenbänken der grossen, schmucken Barock-Kathedrale in St. Gallen und blicken nach hinten. Ministrierende, Seelsorgende und Bischof Beat Grögli ziehen durch den Mittelgang ein – eine Seelsorgerin trägt ein breites Holzkreuz vorne mit. Die Liturgie-Beteiligten verteilen sich ruhig vorne im Altarraum.

Beat Grögli, Bischof von St. Gallen, beim Einzug in die Kathedrale
Beat Grögli, Bischof von St. Gallen, beim Einzug in die Kathedrale

Hymne zum Heiligen Jahr

Danach setzt eine Kantorin zum Gesang an. Es ist die Hymne zum Heiligen Jahr 2025. Das Pontifikalamt an diesem letzten Sonntag des Jahres 2025 bildet den offiziellen Abschluss des weltweiten Heiligen Jahres 2025. Dieses war von Papst Franziskus am 24. Dezember 2024 unter dem Motto «Pilger der Hoffnung» eröffnet worden. Auch andere Bischöfe und Äbte der Schweiz feiern gleichentags dasselbe, etwa Bischof Felix Gmür in Solothurn und Abt Urban Federer in Einsiedeln.

Hymne und Gebet zum Heiligen Jahr im Bistum St. Gallen
Hymne und Gebet zum Heiligen Jahr im Bistum St. Gallen

«Licht des Lebens, Flamme unserer Hoffnung! Dieses Lied, es steige auf zu dir. Deine Hand hält ewig uns geborgen. Voll vertrauen gehen wir mit dir.» Das sind die Worte des Refrains der Hymne zum Heiligen Jahr im Bistum St. Gallen. Diesen singen die Gottesdienstbesuchenden, sobald die Kantorin dazu das Handzeichen gibt. Es ist die offizielle Hymne zum Heiligen Jahr 2025, verfasst von Pierangelo Sequeri, wie auf der vatikanischen Jubiläumswebseite zu lesen ist.

Nationale Wallfahrt nach Einsiedeln

Bischof Beat Grögli leitet den Gottesdienst – und bleibt auffallend zurückhaltend. Er bleibt stehen im Halbkreis der Priester und Ministrierenden, als er ans Heilige Jahr zurückerinnert, das Papst Franziskus an Heiligabend vor einem Jahr eröffnete.

«Wir haben den Ball aufgenommen, in der Schweiz und im Bistum St. Gallen.»

Bischof Beat Grögli

«Wir haben den Ball aufgenommen, in der Schweiz und im Bistum St. Gallen», sagt er. «Wir waren auf der nationalen Pilgerfahrt nach Einsiedeln. Und wir haben einen besonderen Ort geschaffen – mit einem Kreuz aus Holz und der Anschrift: Gott ist da für uns.» Der Andachtsort war unter der Empore in der Kathedrale. Dort lagen neben dem im Gottesdienst mitgetragenen Holzkreuz viele Mini-Varianten davon. 6000 solcher Mini-Holzkreuze wurden im Heiligen Jahr verkauft, ist bei der Bistumskommunikation zu erfahren.

Priester und Ministrierende im Halbkreis - Bischof Beat Grögli in der Mitte
Priester und Ministrierende im Halbkreis - Bischof Beat Grögli in der Mitte

Im Gottesdienst sagt der St. Galler Bischof über das Heilige Jahr: «Wir haben immer wieder ein Gebet gebetet, in dem der Heilige Josef vorkommt – als Pilger der Hoffnung.» Die Heilige Familie seien Pilgernde der Hoffnung gewesen, so Grögli. Er fordert die Gläubigen auf, auf ihre eigene Familie, auf ihr persönliches Umfeld zu achten.

Von der Erschaffung des Menschen zur Heiligen Familie

Nachdem Generalvikar Sebastian Wetter aus der Bibel über Josefs Niederlassung in Nazareth gelesen hat, spricht Marjan Paloka in seiner Predigt von der Heiligen Familie. «Die Heilige Familie bringt zum Ausdruck und zur Vollendung, was Gott im Sinne hatte, als er am sechsten Tag den Menschen erschuf», sagt er. Mit der Heiligen Familie zeige Gott, dass er einen Menschen wolle, der «befähigt ist zur Beziehung».

Generalvikar Sebastian Wetter im Gottesdienst
Generalvikar Sebastian Wetter im Gottesdienst

Gott habe den Menschen gottähnlich geschaffen. Und so seien auch Josef und Maria «Ebenbild Gottes, das wir betrachten dürfen». Das Besondere an den beiden sei, so Paloka : «Sie haben sich eingelassen mit Gott, der sie gerufen hat, um seinen Plan auszuführen.»

«Maria lässt sich vom Wort Gottes befruchten.»

Marjan Paloka

Maria lässt sich laut dem St. Galler Priester auf die Worte Gottes ein. «Sie lässt sich vom Wort Gottes befruchten.» Und Josef lasse sich auf einen Dialog mit Gott ein, indem er der Aufforderung der Engel folge, die ihm im Traum erschienen seien, und zu Maria gehe.

Marjan Paloka
Marjan Paloka

Mit Blick auf das Jubiläum der Hoffnung sagt Paloka: «Unsere Hoffnung beginnt mit der Geburt Jesu.» Er ermuntert die Gläubigen: «Lassen wir uns durch Gott befruchten durch das Wort, das in Jesus Christus gewachsen ist.»

Krippe in der Kathedrale St. Gallen
Krippe in der Kathedrale St. Gallen

Bistumeigenes Gebet zum Heiligen Jahr

Nahe am Höhepunkt des Pontifikalamts, der Wandlung, ist ein Gebet angesiedelt. Bischof Beat Grögli bittet die Anwesenden, das «St. Galler Gebet zum Heiligen Jahr – Pilger der Hoffnung» mitzusprechen. Es ist wie auf dem kleinen Liedblatt nachzulesen, das beim Kathedrale-Eingang neben Kirchgesangsbüchern aufgelegt ist. Die Gläubigen sprechen das Gebet engagiert mit.

«Gott, du weisst um meine Freunde und die Liebe in meinem Herzen.
Du kennst aber auch die Stellen brüchigen Bodens
Unter meinen Füssen
Und die Last der Sorgen, die ich trage.

Erfülle mich wie einst Josef mit dem Vertrauen auf Dich,
um mutig meinen Weg zu gehen.
Gibt mir die Kraft, auf dem Pfad des Lebens zu bleiben,
auch wenn ich einmal scheitere.
Lass mich die Zeichen Deiner Gegenwart erkennen,
die mich stärken und erfreuen,
die mich in tiefem Glauben, mit Hoffnung und Dankbarkeit
weitergehen lassen.

Schenke mir deinen Segen, Gott, Vater und Mutter,
damit ich mich allumfassend in Deinem Lichte
und Deiner Liebe behütet weiss. Amen.»

Verfasst hat das Gebet Eveline Strübi, wie auf dem Liedblatt in Klammern angemerkt ist. Die St. Gallerin ist 2022 an Long-Covid erkrankt und berichtet auf Instagram und im «Fadegrad»-Podcast, wie die Krankheit sich auf Leben und Glauben auswirkt. Strübi verlor ihre Stelle beim Kanton und musste ihr Theologiestudium abbrechen. Sie erhielt im Mai 2025 für ihre authentischen Berichte den katholischen Medienpreis der Schweizer Bischofskonferenz.

Die Familie feiern

Die meisten Anwesenden sind an diesem Tag zum üblichen Sonntagsgottesdienst gekommen, wie eine kleine kath.ch-Umfrage ergibt. Und nicht speziell zum Abschluss des Heiligen Jahres. Es sei ihr aber bewusst, dass damit auch das Ende des Heiligen Jahres gefeiert werde, betont eine Frau, während eine andere nichts davon weiss.

Gottesdienst-Besuchende zum Abschluss des Heiligen Jahres in der Kathedrale St. Gallen
Gottesdienst-Besuchende zum Abschluss des Heiligen Jahres in der Kathedrale St. Gallen

Ein älterer Mann, der mit Frau und einem jungen Mann teilnimmt, findet: Wichtiger als das Heilige Jahr sei ihm der Festtag der Heiligen Familie, der gleichzeitig gefeiert werde.

Trotz offizieller Abschlussfeier – ganz zu Ende ist das weltweite Heilige Jahr «Pilger der Hoffnung» noch nicht. Zwar sind auch in Rom inzwischen drei der vier Heiligen Pforten an den Papstbasiliken geschlossen worden, jene beim Petersdom ist hingegen noch offen, bis auch sie am 6. Januar schliesst – anlässlich einer Feier unter der Leitung von Papst Leo XIV. (korrigiert am 30.12.25, 9 Uhr)

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Einzug in die Kathedrale St. Gallen | © Regula Pfeifer
29. Dezember 2025 | 17:00
Lesezeit : ca. 4  Min.
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