Benedikt XVI. und Papst Franziskus | © KNA
Schweiz
Benedikt XVI. und Papst Franziskus | © KNA

«Geheimgruppen» veranlassen Bistum St. Gallen zu Reaktion

«Geheime Papstwahl in St. Gallen» titelte das St. Galler Radio «FM1 Today» heute online und verwies auf Aussagen in einer eben erschienenen Biografie des belgischen Kardinals Godfried Danneels zum Rücktritt von Papst Benedikt im Jahr 2013. Kurz darauf musste das Portal zurückkrebsen und festhalten, dass es in St. Gallen zwar Treffen von Bischöfen und Kardinälen gegeben habe. Diese seien aber nicht geheim gewesen und hätten bei der Wahl des gegenwärtigen Papstes gar nicht mehr stattgefunden.

Es sind starke Worte, die «FM1 Today» wählt: Verschwörungstheorie, Geheimgruppe, innerkirchliche Mafia. An den St. Galler Treffen habe eine «ominöse Gruppe» hochrangiger Kirchenvertreter den «Sturz» von Papst Benedikt geplant. Zwar nahm der Bericht auf eine Buchpräsentation in Brüssel Bezug, aber diese Meldung war den Verantwortlichen im Bistum St. Gallen doch zuviel. Wie Sabine Rüthemann, Kommunikationsbeauftragte des Bistums, in einer Mitteilung schreibt, habe es in den Jahren 1996 bis 2006 einen privaten Freundeskreis von kirchlichen Würdenträgern gegeben, die sich regelmässig in St. Gallen zum Austausch getroffen habe. Angeregt worden war die Gruppe durch den bereits verstorbenen italienischen Kardinal Carlo Maria Martini und Ivo Fürer, den damaligen Bischof von St. Gallen.

Austausch vor der Papstwahl

Dass bei den Treffen in St. Gallen über Päpste diskutiert wurde, bestätigt die Meldung aus dem Bistum St. Gallen. Doch habe man sich angesichts des schlechten Gesundheitszustands von Papst Johannes Paul II. über die Anforderungen an einen Nachfolger unterhalten. Die Kardinäle, welche zum St. Galler Freundeskreis gehörten, hätten sich bei der Papstwahl 2005, nach dem Tod von Johannes Paul II. denn auch ausgetauscht und dem Vernehmen nach soll Jorge Bergoglio, der heutige Papst Franziskus, bereits damals «eine bedeutende Zahl von Stimmen» auf sich vereint haben, wie das Bistum schreibt. Gewählt wurde aber Joseph Ratzinger.

Die Wahl des Argentiniers Bergoglio im Jahr 2013 habe tatsächlich der Haltung der St. Galler Gruppe entsprochen, wie es in der Daneels-Biografie heisst. Dies bestätigt in der Meldung aus St. Gallen auch der zurückgetretene Bischof Ivo Fürer, der aus seiner Freude über die Wahl Papst Franziskus’ nie ein Geheimnis gemacht habe. Den St. Galler Freundeskreis aber mit dem Rücktritt von Papst Benedikt in Verbindung zu bringen sei falsch, schreibt das Bistum St. Gallen. Joseph Ratzinger habe seinen Rücktritt als Papst 2013 bekanntgegeben, der Freundeskreis tagte aber bereits seit 2006 nicht mehr. (ms)

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