Carlo Maria Viganò
Vatikan

Spanische Nonnen und Ex-Nuntius Viganò: Neue Splitter rechts von Rom

Was verbindet eine Gruppe spanischer Nonnen und den Ex-Nuntius Viganò? Sie bestreiten die Rechtmässigkeit von Papst Franziskus und lösen sich von der katholischen Kirche. Das Spektrum der Papstleugner wird immer bunter.

Ludwig Ring-Eifel

Zwei Abspaltungen von der katholischen Kirche «nach rechtsaussen» beschäftigen derzeit Kirchenspezialisten und Vatikan-Beobachter. Die eine betrifft eine Gruppe von Nonnen in Nord-Spanien. Der Bischof von Burgos, Mario Iceta, hat sie unlängst aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Zuvor hatten sie sich dem seit 2019 exkommunizierten spanischen «Bischof» Pablo de Rojas Sanchez-Franco angeschlossen.

Mario Iceta, Erzbischof von Burgos
Mario Iceta, Erzbischof von Burgos

Nonnen und Verschwörungstheoretiker

Der selbst ernannte Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches gründete 2005 die «Fromme Vereinigung des Heiligen Paulus» – ein exotisches Sammelbecken für Verschwörungstheoretiker und Autoritätenleugner.

Warum genau die spanischen Klarissen sich neuerdings an ihm orientieren, ist nicht ganz klar. Möglicherweise geht es nicht nur um Glauben und Gehorsam, sondern auch um Geld. Auch ist noch nicht bis ins Letzte geklärt, welche zivil- und kirchenrechtlichen Folgen die Exkommunikation der Ordensfrauen haben wird.

Ablehnung der «Bergoglio-Kirche»

Interessant aber ist ihre öffentliche Ansage, dass sie den Schritt des Bischofs von Burgos nicht anerkennen und sich in keiner Weise dem kirchenrechtlichen Verfahren stellen wollen. Zur Begründung geben sie an, dass sie die Legitimität der «Bergoglio-Kirche» schlicht ablehnen.

Die exkommunizierten Klarissen von Burgos - hier noch im Kloster als Patisserie-Herstellerinnen
Die exkommunizierten Klarissen von Burgos - hier noch im Kloster als Patisserie-Herstellerinnen

An diesem Punkt treffen sie sich mit einem anderen, recht prominenten Exkommunikanden, dem langjährigen Apostolischen Nuntius in den USA, Erzbischof Carlo Viganò (83). Auch dieser lehnt das kirchenrechtliche Verfahren, das zu seiner Exkommunikation angestrengt wurde, rundweg ab. Auch er bestreitet die Rechtgläubigkeit und zugleich auch die Rechtmässigkeit der «Bergoglio-Kirche».

Glaubensdikasterium zitiert Viganò

Viganò war vom Glaubensdikasterium mit Schreiben vom 11. Juni aufgefordert worden, persönlich dort zu erscheinen und die gegen ihn vorliegenden Anschuldigungen und Beweise zur Kenntnis zu nehmen, wonach er die Legitimität von Papst Franziskus öffentlich leugne und deshalb die kirchliche Gemeinschaft verlassen habe.

In seiner Antwort erklärte er am 21. Juni über Soziale Netzwerke: «Ich habe nicht die Absicht, am 28. Juni zum Heiligen Offizium zu gehen und ich habe dem Dikasterium, dessen Autorität ich nicht anerkenne, keine Erklärung oder ein Dokument zu meiner Verteidigung übergeben. Die Autorität seines Präfekten erkenne ich nicht an, und auch nicht die Autorität desjenigen, der ihn ernannt hat. Ich habe nicht die Absicht, mich einem Schauprozess zu unterwerfen, in dem diejenigen, die unparteiisch über mich urteilen sollten, um die katholische Rechtgläubigkeit zu verteidigen, gleichzeitig diejenigen sind, die ich der Ketzerei, des Verrats und des Machtmissbrauchs beschuldige.»

Piusbrüder distanzieren sich von Viganò

Die ebenfalls traditionalistische, aber mit Rom noch immer halbwegs verbundene Gemeinschaft der Piusbrüder, distanzierte sich am selben Tag in einer Stellungnahme von Viganò. In ihrer Mitteilung heisst es: «Weder Erzbischof Lefebvre noch die von ihm gegründete Bruderschaft haben es jemals akzeptiert, sich auf dieses Terrain zu wagen.»

Mit «diesem Terrain» ist offensichtlich das abschüssige Gelände des Sedisvakantismus gemeint. Dort sind – in unterschiedlichen Varianten – etliche Einzelpersonen und Gruppen unterwegs, die dem derzeit im Vatikan residierenden Papst die Rechtgläubigkeit und/oder die Legitimität absprechen.

Legitimität von Papst Franziskus bestritten

Doch während die «klassischen Sedisvakantisten» davon ausgehen, dass es seit dem Zweiten Vatikanum und seinen «modernistischen Irrlehren» keinen legitimen Petrusnachfolger mehr gebe, hat Viganò eine neue Spielart des Papstleugnens eingeführt. Er lässt sich nicht auf die Frage ein, seit wann der Stuhl Petri vakant sei, sondern begnügt sich damit, die Legitimität von Franziskus zu bestreiten.

Papst Franziskus
Papst Franziskus

Franziskus, so das neue Narrativ, sei schon deshalb kein rechtmässiger Papst, weil er selbst das Papstamt nur unvollständig angenommen habe. Deshalb fehle ihm der Lehr- und Jurisdiktionsprimat für die gesamte Kirche.

Viganò arbeitete für Benedikt XVI.

Die neue Negationsstrategie macht aus Viganòs Sicht durchaus Sinn: Da er selbst einst im Auftrag von Benedikt XVI. arbeitete und dessen Legitimität nie bestritt, wäre es für Viganò schwierig gewesen, die «klassische» Sedisvakantisten-Überzeugung zu übernehmen, wonach alle Päpste seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) modernistische Häretiker und somit keine gültigen Päpste waren. Denn dieses Verdikt würde dann auch auf Benedikt XVI. zutreffen.

Papst Benedikt XVI. im italienischen Aosta-Tal bei Les Combes am 18. Juli 2009.
Papst Benedikt XVI. im italienischen Aosta-Tal bei Les Combes am 18. Juli 2009.

Mit der neuen Negations-Strategie, die offenbar auch die rebellischen Nonnen in Spanien übernommen haben, ergeben sich am rechten Rand der katholischen Kirche neue Möglichkeiten: Man muss kein radikaler Sedisvakantist werden, um die Legitimität des amtierenden Papstes zu bestreiten. Und man muss auch nicht bei den gemässigteren Piusbrüdern andocken, die trotz aller Kritik an der Linie von Papst Franziskus diesen dennoch als Papst akzeptieren und für ihn in der Messe beten.

Neues Sammelbecken für Traditionalisten?

Vielmehr könnten sich unter dieser neuen Variante des Traditionalismus jene sammeln, die Benedikt XVI. – auch wegen seiner Wertschätzung für die Alte Messe – für einen akzeptablen Papst hielten, den theologischen, liturgischen und ekklesiologischen Kurs von Franziskus aber für katastrophal halten.

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Es ist möglich, dass sich hier ein neues Sammelbecken bildet. In ihm könnten bald auch jene Traditionalisten ihren Platz finden, die sich in der «Bergoglio-Kirche» nicht mehr willkommen fühlen, falls Papst Franziskus – wie von manchen Beobachtern vorhergesagt – demnächst ein strenges Verbot der Alten Messe durchsetzt.

Sorge im Vatikan

Dass diese Entwicklungen um Viganò im Vatikan mit einer gewissen Sorge gesehen wird, machte auch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin deutlich. Er kommentierte am vergangenen Donnerstag am Rande eines Vortrags an der Päpstlichen Universität Urbaniana die jüngsten Vorgänge um Viganò mit den Worten: «Viganò hat einige Haltungen eingenommen, wegen derer er sich verantworten muss. Es ist normal, dass das Glaubensdikasterium die Sache in die Hand genommen hat.»

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, 2022.
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, 2022.

Und dann fügte er einige persönliche Sätze über seinen früheren Spitzendiplomaten hinzu: «Ich bedaure das ausserordentlich. Ich habe ihn immer als eifrigen Mitarbeiter geschätzt, der dem Heiligen Stuhl treu ergeben war. In mancher Hinsicht war er sogar vorbildlich. Als Apostolischer Nuntius hat er ausserordentlich gut gearbeitet. Ich weiss nicht, was passiert ist.» (kna)


Carlo Maria Viganò | © KNA
28. Juni 2024 | 11:00
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